Wer blutet nach der Wahl in Lüneburg für die AfD?

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel
   

 (Den Blog.jj führt Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj. Gastkommentare sind willkommen. )

 

 

 

Lüneburg, 30. Dezember

Im September 2016 verschiebt sich die Tektonik im Lüneburger Rat vermutlich gewaltig.  2016 ist Kommunalwahl. Es werden Parteien abtreten und mindestens eine wird mit Trara in den Rat einziehen,  bleibt die Stimmungslage so. Darauf sollten sich die Etablierten einstellen. Denn sie verlieren die Sitze an die Neuen.  Die Rede ist von der AfD.

Einer der Kenner im Rathaus prognostiziert, dass die Alternative für Deutschland nicht nur ein oder zwei Sitze erobert. Und ob CDU, SPD oder Grüne, sie müssen schwer um ihre Mandate kämpfen. Besonders gefährdet ist  die CDU, die sich fragen muss, ob sie sich nach rechts klar abgrenzt oder versucht dort zu wildern. Dort bedient die AfD mit Ressentiments gegen Europa im Allgemeinen und  Flüchtlingen im Speziellen sowie National-Gesäusel ihre Klientel.  Das ist dem Rat bisher fremd. Da könnte ein ums andere Mal die Stimmung vergiftet werden.

Für die Wahl müssen sich alle positionieren oder es besser gleich sein lassen.

Bei den Grünen, bisher zweitstärkste Fraktion, sind es eher hausgemachte Zwistigkeiten, die womöglich die Schlag- und Strahlkraft im Wahlkampf schwächen. Und in der Koalition mit der SPD und mit einem übermächtigen Oberbürgermeister verschwimmt die Kontur ihres grünen Konterfeis.  Das ist der Macht-Zoll.

Die Sternschnuppen im Rat sind die Piraten. Noch sind sie mit zwei Sitzen und zwei überaus angenehmen Jungpolitikern dabei.  Die Piraten-Dämmerung aber hat längst eingesetzt.

Die FDP, für die Lüneburg eigentlich ein gutes Pflaster ist, wird am Bundestrend hängen und daran, ob Birte Schellmann, ihr Stimmengarant,  noch einmal Wahlkampf treibt.

Und die Linken? Trotz stabilen Zuspruchs hat hier im Blog Fraktionssprecher Michel  Pauly schon vor Monaten einen Brandbrief abgesetzt:  Ohne Zuarbeit sieht er in der Fläche lauter weiße statt rote Flecken. Ohne Wunder gebe die Partei vor Ort „ein durch und durch erbärmliches Bild“ ab.

Anlog wird es im Kreistag zugehen. Doch wer immer auch dort künftig regiert, er wird meiner Einschätzung nach in absehbarer Zeit mit einem neuen Landrat an der Spitze verhandeln. Die Zeichen stehen nach der Wahl langsam  auf Wachwechsel. Und unter allen bekannten Politikern im Kreis, die vielleicht Landrat können,  sticht mir einer ins Auge, der gute Chancen hätte. Dann allerdings müsste sich eine Gemeinde im Speckgürtel Lüneburgs einen neuen Bürgermeister suchen.

Hans-Herbert  Jenckel