Samstag , 24. Oktober 2020

Ohne Experimente droht viel Langeweile

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

(Den Blog.jj führt Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj. Gastkommentare sind willkommen. )

 

 

Lüneburg, 21. Dezember 2015

Zu Weihnachten darf ich mir was wünschen und zum Jahreswechsel gute Vorsätze in die Welt setzen.

„Keine Experimente.“ Das war der Wahlspruch des greisen Bundeskanzlers Konrad Adenauer im Jahr 1957. Seither gehört diese Warnung zum Kanon des deutschen Sicherheitsempfindens.

„Keine Experimente“ ist im übertragenen Sinn auch der Leitspruch in der Vermarktung der Stadt Lüneburg im Jahr 2016. Nur was sich an Veranstaltungen trägt, wird auch gewagt. So stand es in der LZ.
Diese Art „Versicherung“ gegen alle Wechselfälle des Marketings, dazu gehören eben Flops, ist der zweite Glaubenssatz der Deutschen.

Fazit: Ohne Experimente und mit Versicherung können alle ruhig schlafen.

Lüneburg kann sich einen Kurs ohne Risiko durchaus leisten. Die kleine Hansestadt boomt auch fast ganz ohne Marketing wie keine andere in der Region, Zuzugs-Paradies, Touristen-Magnet, Rote-Rosen-Stadt und Kultur-Hochburg zugleich. Gerade in der Weihnachtszeit ist Lüneburg so attraktiv, dass die Stadt die Menschenmassen kaum fassen kann.  Die Anziehungskraft untermauert gerade wieder eine Städte-Studie.

„Keine Experimente“ allerdings heißt auch, ewig grüßt das Murmeltier.

Bei den Startups dieser Republik und allemal bei den Großen der neuen Welt wie Google, Facebook und Amazone wäre mit dem Wahlspruch „Keine Expermiente“ nur eines sicher: die Kündigung. Und das ist auch gut so.
Ohne Experimente und Risiko schläft nicht nur der Bürger ruhig, sondern auch der Fortschritt.

Für 2016 wünsche ich mir also durchaus ein paar Experimente: Lüneburg darf nicht nur Rote-Rosen-Stadt sein, sondern sollte sich auch als Smart City vernetzen. Lüneburg sollte nicht nur Hort von 1400 Baudenkmälern sein, sondern auch von 1400 Startups in alten Gemäuern. Ein Inkubator von 1400 Ideen, von denen zwanzig als Blindgänger Geld verbrennen, die meisten im Sande verlaufen, aber zwei Ideen durchschlagend zünden. Das schmeckte nach einer frischen Brise und bekäme einer tausendjährigen Stadt besser, als keine Experimente.

Ich jedenfalls setze 2016 in jedem Fall auf Experimente.

Frohes Fest und guten Rutsch.
Hans-Herbert Jenckel