Freitag , 30. Oktober 2020

Für Parteirevolten berät Sie gerne Lüneburgs Chef-Grüner Meihsies

Hans-Herbert Jenckel schreibt über Lüneburgs Grüne.
Hans-Herbert Jenckel schreibt über Lüneburgs Grüne.

(Den Blog.jj führt Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj. Gastkommentare sind willkommen. )

 

 

 

 

Lüneburg, 21. November 2015

Wieder überlagert bei Lüneburgs Grünen das Persönliche das Politische. Das hat Tradition. Das gilt für die Ratsfraktion wie auch zwischen Stadt- und Kreis-Grünen.

Auf dem jüngsten Parteitag in der Stadt wagte ein mehr oder eher weniger rebellisches Öko-Fähnlein einen verdeckten Vorstoß  gegen die  „Verkrustung“ . Man zog das Verfahrensrelikt „Rotation“ aus der Schublade, um altgedienten Ratsherren so gesichtswahrend den Abgang zu ermöglichen. Nur die wollen gar nicht rotieren. Und die Mehrheit stützt sie in dieser Auffassung, setzt auf Kontinuität  und Aushängeschilder, also eingeführte Politikermarken.

Aushängeschilder? Na, klar: Fraktionschef Andreas Meihsies sitzt fast dreißig  Jahre im Rat – mit einer kurzen Auszeit.  Verkehrs-Guru Ulrich Löb fast 20 Jahre und Ulrich Blanck ist mit Unterbrechung 20 Jahre das wirtschaftspolitische Gewissen. Das Dreigestirn überdauert alle und alles. Und natürlich auch den jüngsten Versuch des Kurs- oder eben besser Personalwechels mit einem Trick aus der Mottenkiste.

Die Rotation von Mandatsträgern ist in der reinen Lehre vielleicht eine schöne Idee, in der Praxis immer ein Rohrkrepierer.

Als die Grünen Ende der 70er-Jahre in Räte zogen, haben sie mit der Rotation Schlagzeilen gemacht und die etablierten Parteikader verschreckt. Damals war so ein Sitz im Rat auf dem platten Land ein Erbhof: Einmal errungen, musste man schon selber keine Lust mehr verspüren, um nicht wiedergewählt zu werden. Und dann war immer noch der Sohn da.  Aber Zwangsrotation? Nie! Und selbst bei den Grünen war der Duft von Macht und Mandat immer stärker als Rotation und Basisdemokratie. Das hat schon bei den Lichtgestalten Kelly und Bastian nicht funktioniert.

Und warum auch? Mit der SPD in Lüneburg läuft es für den grünen Juniorpartner wie geschmiert. Trotzdem hören manche Ökos Murren an der Basis. Mir scheint, es ist eher  Zähneklappern.

Wer unter Lüneburgs Ökopaxen tatsächlich Ratschläge für eine erfolgversprechende Palastrevolte sucht, kann sie bei Andreas Meihsies einholen. Als der vor 20 Jahren in der Fraktion isoliert und frustriert war, zog er sich vom Rat für ein kurzes Sabbatical zurück, blieb aber Chef im Ortsverband. Er akquirierte fleißig neue Gefolgsleute und jagte mit dieser Hausmacht bei der Listenaufstellung für die Kommunalwahl 1996 den Öko-Oberhirten und Ziehvater Helmut Dammann, mit dem er über Kreuz lag, vom Hof. Und bevor Meihsies als Bürgermeister den Fuß vom Gaspedal nahm,  ging er keinem politischen Streit und keinem Krawall aus dem Weg. In der Sache ist Wissen abzugreifen.

Dagegen fällt mir zum Taktieren der Verzagten nur Lenin ein: Wenn Deutsche einen Bahnhof stürmen wollen, lösen sie vorher eine Bahnsteigkarte.

Hans-Herbert Jenckel