Frau Scherf muss weg. Oder?

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

(Den Blog.jj schreibt der Geschäftsführende Redakteur und Online-Chef Hans-Herbert Jenckel, Kürzel jj. Gastkommentare sind willkommen)

 

 

Lüneburg, 9. September

Die noch amtierende Lüneburger Kreisrätin Monika Scherf hat vor zwei Jahren ihren Chef Manfred Nahrstedt brüskiert, sie ist gegen den SPD-Mann als Zugpferd der CDU in den Wahlkampf als Landrats-Kandidatin gezogen - und hat verloren.

Seither ist ihr Schicksal besiegelt. Schließlich hat sie gegen ein ungeschriebenes Gesetz verstoßen: Die parlamentarische Demokratie findet ihre Grenze im Parteibuch-Kodex. Der sieht keine Amnesie für unterlegene Gegner vor. Zumindest nicht, solange vornehmlich sozialdemokratisches Blut durch die Adern der Lüneburger Politik pulsiert.

Das rote Regiment und das sozialdemokratische Reglement sind streng. Das ist ein Geheimnis des dauerhaften Erfolg der Lüneburger SPD. Sie ist gut organisiert, straff geführt und straft ab. Das hat ein Ex-Jungstar wie Frank Stelter mal erlebt, das hat auch ein altgedienter Ex-Oberbürgermeister Schlawatzki im Rat ertragen müssen. Das macht die Politik manchmal nicht gerade sympathisch und herzlich.

Gut, es gibt Ausnahmen. Ulrich Mädge hat blendend und in stiller Großer Koalition mit dem Christdemokraten Jens Schreiber zusammengearbeitet, obwohl sie einst Konkurrenten um den Posten des Oberbürgermeisters waren. Allerdings hat Mädge auch Schreiber vom Stuhl geschubst.

Und natürlich gibt es große Gegenbeispiele. Wie heißt doch der aktuelle deutsche Außenminister? Genau, Frank Walter Steinmeier. Der Steinmeier, der Angela Merkel 2009 aus dem Kanzleramt drängen wollte. Der war schon vorher mal Außenminister, und Merkel setzt weiter auf Steinmeier. Das kann er.

Eigentlich hätte Monika Scherf, zumal als Parteilose, die besten Voraussetzungen gehabt im Amt zu bleiben. Über ihre Arbeit wird nicht hergezogen, auch nicht von den Sozialdemokraten. Zumindest nicht offen. Und ein Landrat könnte ja auch Größe zeigen und die gefühlte Illoyalität eines Wahlkampfes vergeben..

Doch offenbar nicht im Fall Scherf. Es kommt der Verdacht auf, es geht gar nicht in erster Linie darum, ob jemand gut oder schlecht arbeitet, vielmehr darum, ob er ins politische Farbenspiel passt.

Allerdings erwarte ich mir zum Rauswurf einer Kreisrätin ein paar Argumente mehr, als: Die wollte mich aus dem Sandkasten werfen. Die hat zwar ein demokratisches Recht wahrgenommen, aber das war mies. Hier muss schon eine Mängelliste folgen.

Im Grundsatz sollte jeder Chef froh sein, wenn in seiner Crew nicht nur Ja-Sager und Parteibuchgänger sitzen. Die anderen, die, an denen man sich reibt, sind in der Regel der bessere Kompass, um nicht völlig losgelöst, aber stromlinienförmig Kurs auf die Sackgasse namens "Große Langeweile" zu nehmen.

Vielleicht wäre für Nahrstedt und Scherf ein Mediationstermin bei Merkel und Steinmeier der Ausweg.

Hans-Herbert Jenckel