Montag , 28. September 2020

Um neue Brennpunkte müssen sich die Lüneburger Politiker nach der Sommerpause keine Sorgen machen, aber um Lösungen

park

Lüneburg, 1. September

Was sehen Sie?

Genau, eine Steinwüstenei. Die fanden Sie lange im Lüneburger Kurpark. Das ist aber kein Kunstwerk, sondern ganz eigentlich ein Brunnen, der in den Sommerferien so wenig sprudelt wie die Lokalpolitik. Hier konnten sich Kinder nur die Knie aufschubbern, so wie die Politiker an Problemen. Und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Der Brunnen ist also nur Symbol für den Aggregatzustand der Lüneburger Kommunalpolitik am Ende der Ferien.*

Gut, die Grünen kämpfen weiter für den Grüngürtel am Stadtrand, den sie schützen. Der Oberbürgermeister hat seinen Speckgürtel reicher Umlandgemeinden, von denen er sich gerne welche einverleiben würde.  Die SPD kämpft für Bildung, und die CDU um ein Zugpferd fürs Wahljahr 2016. Aber vor allem droht allen Kummerspeck.

Da wäre zum Beispiel das Audimax von Stararchitekt Libeskind auf dem Lüneburger Campus. Wie gerne würden die kommunalen Wegbereiter des Projektes in dem Prunkbau den Wahlkampfauftakt feiern. Doch bis die erste Veranstaltung dort möglich wird, ist die Kommunalwahl 2016 Geschichte. Es droht vielmehr die Gefahr, dass weitere Kosten auf die Kommune durchschlagen, wenn  die Landespolitik auf die Idee kommt, die Hansestadt über die zugesagten fünf Millionen hinaus anzuzapfen. Wie steht es im jüngsten vertraulichen Bericht aus den Wissenschaftsministerium zu Mehrkosten an der Leuphana und Geldquellen?: „Die aufgezeigten Finanzierungsoptionen sind ausnahmslos bloße Hoffnungspositionen und bieten keine belastbare und kalkulierbare Grundlage für eine solide Finanzplanung. Das Modell kumuliert  am Ende lediglich die grundsätzlich fehlenden Finanzmittel der Stiftung Universität Lüneburg…“ Zum Glück wurden keine Noten vergeben.

Am neuen Museum, für zehn Millionen Euro errichtet, wird eine Busspur eingerichtet. Manche Lokalpolitiker fragen sich allerdings in Sorge, ob die Baukosten nötig sind oder der Besucherstrom-Optimismus nicht doch überzogen sei. Für den Museums-Café-Betreiber kommt die Zuversicht zu spät, er hat gerade Insolvenz angemeldet, zieht sich aus dem Kulturtempel zurück, auch weil Besucher fehlten.**

Und am Theater wird der Brandschutz  richtig teuer, und keiner weiß, wo das Geld herkommen soll.

Doch das zusammen sind nur kleine Fische. Bis gestern konnten die Kommunalpolitiker wenigsten noch mit dem Hit „Bildung, Bildung, Bildung“ alles übertönen.  Heute müssen sie viele Hundert Flüchtlinge willkommen heißen und gut unterbringen. Das hat Vorrang. Kanzlerin Merkel hat wie Bob der Baumeister schon die Devise ausgegeben:  „Wir schaffen das.“

In Lüneburg fragen sich Verantwortliche: Nur wie?

Hans-Herbert Jenckel

*Der Text wurde aktualisiert: Der Ententeich läuft nach Monaten langsam wieder voll und auch der Kurpark-Brunnen sprudelt nach einer Sommerpause wieder.

**Das Café wird von der Neuen Arbeit betrieben, die diese Woche Insolvenz angemeldet hat.