Donnerstag , 22. Oktober 2020

Spannend ist es auch immer hinter der Bühne des Leuphana-Theaters

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj.)

 

 

 

22. Juni 2015

Der Senat der Universität Lüneburg ist in einer wichtigen Frage gespalten. Aber das geht die Öffentlichkeit nichts an, wenn der Bruch in einer nicht-öffentlichen Sitzung zu Tage tritt. Also nichts für die Journaille.

Der Libeskind-Bau wird teurer. Aber solange es nur in vertraulichen Papieren steht, gehört es auch nicht in die Zeitung.

Wenn die Uni um Millionen-Projekte buhlt, das Ergebnis aber noch aussteht, kann vorab trotzdem gerne getrommelt werden. Bitte, auch in der Zeitung.

Sollten das die Lehren der Leuphana über den Journalismus für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts sein, dann darf auch das kulturwissenschaftliche Seminar „Die einschläfernde Wirkung der Hofberichterstattung“ mit verlockenden „Credit Points“, der Uni-Währung, nicht fehlen.

Der Präsident der Leuphana zeigt sich wieder einmal „enttäuscht“, dass „Irritationen“ auf dem Campus, in diesem Fall über eine ganz knappe Abstimmung im Senat, an die Landeszeitung „gespielt“ wurden, obwohl der Senat nicht-öffentlich tagte.

In diesem Fall ging es um eine 10:9-Abstimmung, in diesem Fall ging es um das Einvernehmen über die Berufung eines Mitgliedes des Stiftungsrates, des höchsten Uni-Gremiums, in diesem Fall ging es um den Vorsitzenden. Mittlerweile lässt das Wissenschaftsministerium den Vorgang prüfen. Senatoren glauben, ein Stellvertreter für einen verhinderten Kollegen sei übergangen worden, womöglich wäre es zu einem anderen Ergebnis gekommen.

Lieber Herr Präsident, die Zeitung lebt von Informanten, gerade auch solchen, die berichten, was hinter verschlossenen Türen, hinter der Bühne geschieht. Journalisten wiederum sollten dieses Wissen, das ihnen „zugespielt“ wurde, nicht gleich auf den Marktplatz tragen, sondern sich ihrer Pflicht bewusst werden: Informationen werden nach bestem Wissen und Gewissen geprüft und dann erst veröffentlicht.  Auf der anderen Seite gilt es, den Informanten zu schützen. Denn Informationen, Glaub- und Vertrauenswürdigkeit sind unser Lebenselixier.

Dem Journalisten muss die Suppe nicht schmecken, aber er sollte in jedem Fall nach dem Haar suchen. Helfer sind willkommen. Und die stehen unter Informantenschutz, verankert in Artikel 5 des Grundgesetzes, oft bestätigt als hohes Gut vom Bundesverfassungsgericht. Und diese Richter befassen sich nicht mit verschärfter Hofberichterstattung.

Der Disput belebt die Demokratie – auch an einer Hochschule, eröffnet die Chance, zu erkennen, dass niemand perfekt ist, auch der beste Präsident nicht. So ein Eingeständnis mag ärgerlich sein, schafft aber enormes Vertrauen, wenn es aus freien Stücken kommt. Das Gegenteil erzeugt natürlich auch genau das Gegenteil.

Hans-Herbert Jenckel