Mittwoch , 28. Oktober 2020

Eine Königin zu viel für Lüneburg

Hans-Herbert Jenckel.
Hans-Herbert Jenckel.

(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj.)

 

 

 

Lüneburg, 11. Juni

Kennen Sie Nöggenschwiel im Südschwarzwald? Oder Traunstein in Oberbayern? Dornburg? Nicht das im Westerwald, sondern das in Thüringen? Nein? Sollten Sie aber. Denn Lüneburg will sich jetzt mit diesen Städten und Flecken messen als Königinnen-Stadt. All diese fernen Orte küren Rosenköniginnen.

Warum Lüneburg, seit tausend Jahren Salzstadt und fast genauso lange Hansestadt, jetzt auch Rosen-Majestäten im Jahrestakt auf den Thron setzt, liegt nahe. Die TV-Serie und Lüneburg-Werbemaschine Rote Rosen steht Pate.

Nur, wer will das in zwanzig Jahren noch wissen, wenn die Rosenwerft womöglich längst von Disteln und Birken überwucherst ist und die Serie noch auf Neu live unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der zehnten Wiederholung läuft?

Die Rosenkönigin ist mehr ein greller Knalleffekt als durchdachte Stadtimage-Pflege, man könnte auch sagen, die Idee ist dünn.

Warum wählt man nicht eine Salzkönigin? Da wäre die Konkurrenz kleiner, wären Werl oder Braunlage noch im Rennen und nicht wie bei den Rosen 15 andere deutsche Städte, die lange schon Audienzen geben. Hanse verbietet sich natürlich als Titel-Präfix, weil die Königin der Hanse ein Erbtitel ist, und der gehört Lübeck.

Die Rosenköngin von Lüneburg spiegelt eigentlich nur eines wider, den gut gemeinten, aber angestrengt wirkenden Versuch, das Marketing der Stadt wiederzubeleben.

Wir Lüneburger lieben unseren Sülfmeister. Der ist eingeführt wie das Fest, einst vom unvergessenen Marketing-Chef Jan Peter Halves initiiert. Aber über die Stadtgrenzen hinaus spielt der Sülfmeister kaum eine Rolle als Werbeträger. In der blaublütigen Rangfolge auf Zeit im Kreis Lüneburg steht oben die Heidekönigin aus Amelinghausen, dann die aus Wittorf, daneben der Sülfmeister.

Quintessenz: Schenkt Lüneburg keine weitere Königin, sondern einen Marketing-Chef Marke Dr. Halves!

Hans-Herbert Jenckel