Samstag , 19. September 2020

Über diese Brücke wirst du nicht gehen…

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj.)

Lüneburg, 2. Juni
Die Brücke Dömitz ist eine 970 Meter lange Straßenbrücke über die Elbe. Sie gehört zur Bundesstraße 191 von Uelzen nach Ludwigslust. Die Querung wurde bald nach der Wiedervereinigung gebaut. Sie änderte nichts am Exodus im Landkreis Lüchow-Dannenberg, sie führte nicht zu wirtschaftlicher Blüte und verhinderte nicht den ökonomischen Stillstand in der Festungsstadt Dömitz. Die liegt eigentlich immer noch auf der Intensivstation am Fördertropf.

Eine andere Elbbrücke, die bei Neu Darchau, ist ein Traum. Noch bis Mitte Juli. Dann tagt der Lüneburger Kreisstag und lässt diesen Traum platzen, obwohl er ihn zwei Jahrzehnte genährt hat. Die Brücke hätte vermutlich auch nichts am Exodus in Neuhaus geändert, auch nicht zu wesentlichen Ansiedlungen geführt.

Der feine Unterschied ist der: Die Brücke Dömitz wurde unmittelbar nach der Grenzöffnung 1992 eröffnet. Die Brücke Neu Darchau kam erst nach 1993, nach der Rückgliederung des Amtes Neuhaus in den Kreis Lüneburg als „Brücke der Herzen“ ins Spiel. Sie war ein Versprechen. Es folgten Sturm und Drang, die mit einem Planungs-Desaster endeten, dann ein zweiter Anlauf, da herrschten schon Lippenbekenntnisse vor. Höhepunkt war eine Bürgerbefragung vor zwei Jahren, deren Ergebnis ungehört blieb. Dafür wird auch niemand je zur Verantwortung gezogen.

Unterm Strich wurden, und das ist der Subtext, mehr als eine Million Euro verfeuert, um die Nicht-Machbarkeit der Brücke zu beweisen. Macht nichts, zahlen die Bürger, auch die, die sich wider besseren Wissens auf Politikerworte verlassen haben.
Hans-Herbert Jenckel