Samstag , 31. Oktober 2020

Warum auch Lüneburger bei manchem Streik streiken

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(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj.)

 

Lüneburg, 7. Mai

Im Grunde stehen wir vor einem allumfassenden Streik. Die Lokführer bocken, die Fahrt zur Arbeit oder in den Urlaub wird so zum Abenteuer, und die Kinder quaken zuhause, weil sie nicht in die Kita kommen. Fehlt eigentlich nur noch die Müllabfuhr, die nicht kommt.

Es geht bei diesem Generalstreik natürlich nicht um Putsch, sondern nur um Geld und Macht. Fürs eine habe ich Verständnis, fürs andere kein Gefühl.

Bahnstreik. Da kämpft ein Gewerkschaftsboss in letzter Konsequenz um seine Existenz und alle dürfen mitleiden. Bisher war ich schon froh, wenn die Bahn pünktlich ist, ich die Anschlusszüge erreiche und nicht eine Signalstörung, eine klemmende Weiche, Wartungsarbeit oder eine rote Leuchte im Lokführerstand meine Planung zunichte machen. Übrig bleibt jetzt die Gewissheit: Die Bahn kommt gar nicht. Da habe ich null  Bock drauf.

Natürlich hat es so ein Arbeiterführer schwer genug, seine durchaus berechtigten Ziele und Forderungen, aber auch seine Befürchtung, die Grundrechte seien in Gefahr, unters Volk zu streuen, und nicht nur bei den willigen Genossen Unterstützung einzuwerben. Aber GDL-Chef Weselsky ist dazu gar nicht in der Lage. Sturheit garniert mit Pöbelei statt mit blitzgescheitem Witz, hat keinen Charme, schon gar nicht, wenn man auch noch Rückendeckung für die „freundliche Übernahme“ einer anderen Gewerkschaft sucht.

Mehr Sympathie habe ich für den Generalstreik in den Kitas. Wenn die Kinder unsere Zukunft sind, und das predigen die Politiker in unserer überalterten Republik seit Jahren, dann muss nicht nur in Kindergärten investiert werden, sondern auch in Bildung und Betreuung. Kommunen, die meinen, sie müssten ihre Millionen trotzdem lieber in Prestige-Bauten einbetonieren, weil die Zinsen gerade so günstig sind – bitte. Aber nicht wundern, wenn sonst keiner die Logik versteht.

Wut auf die Bahn ist das eine, da finden wir in Kürze ein Ventil. Aber der Wut der Mütter und Väter hält keine Kommune stand, da sind Wählerstimmen in Gefahr. Ich würde lieber Prämien an Kindergärtnerinnen zahlen, als Prämien an Gutachter für noch ene Schreibtischstudie.

Hans-Herbert Jenckel