Dienstag , 27. Oktober 2020

Lüneburger sind schon mit Rücksicht auf die Stadtgeschichte gegen Fracking

blogjj(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

 

Lüneburg, 9. April

Müssen wir wirklich das Letzte aus der Erde rausholen? Zum Beispiel Gas, indem wir mit mörderischem Druck ominöse Flüssigkeiten in den Untergrund pressen, Gestein weiten, damit Gas fließt. Fracking heißt die hier ungenau umrissene Methode. Der Bundestag wird sich damit befassen.

Aber ich bin sicher: Kein Abgeordneter aus Lüneburg wird im Bundestag für ein Gesetz stimmen, das Fracking erlaubt. Fraktionszwang hin, Fraktionszwang her. Schließlich ist die Lüneburger Geschichte zugleich Mahnung, dass man dem Untergrund nicht zu viel zumuten darf und dass die Spätfolgen unkalkulierbar sind. Das ist unser Salzerbe.

Lüneburg wurde im Mittelalter unermesslich reich durch Salzförderung. Aber die Stadt leidet bis in die Gegenwart unter diesem Erbe – unerträglich. Die Senkungsschäden, die die längst eingestellte Salzförderung bis heute verursacht, sind gewaltig. Um das exemplarisch zu begreifen, müssen Sie sich nur einmal an die Bastionstraße stellen und auf die ehemalige Mündung der Frommestraße schauen, die hier heute nur noch ein Stummel und keine Straße mehr ist. Sie schauen in einen Abgrund, Sie fühlen sich, als stünden Sie auf einem Schiff, das gerade kentert. Große alte Häuser mussten an der Frommestraße geräumt und abgerissen werden wegen der Senkungsschäden. Die Straße ist heute eine asphaltierte Kuhle. Die Erde hat hier ausgelitten, der Untergrund sackte nach.

Wie armselig und energie-verfressen muss eine Nation sein, die ihren Boden so gnadenlos auslutscht?

Durch wilde Science-Fiction-Blockbuster wird die Angst geschürt, dass mörderische Aliens durch die Galaxien marodieren und nur ein Ziel haben: Die Erde kahl fressen wie im Dreißigjährigen Krieg die Landsknechte. Keine Sorge, die Aliens sind schon vor langer Zeit gelandet. Sie haben zwei Beine, sehen aus wie du und ich und sind längst auch unter Tage gefräßig am Werk.

 Hans-Herbert Jenckel