Mittwoch , 21. Oktober 2020

Lüneburgs Stadtrat und Kreistag bürgen mit für den Erfolg des Leuphana-Libeskind-Abenteuers

(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

Lüneburg, 17. März 2015

Ich werde gerne wegen meiner Artikel über das Uni-Universum aus dem Kreis der Leuphana-Jünger mehr im Ernst als im Spaß als Brandstifter gemobbt.

Dieses Mal habe ich in der LZ über die Änderung des Hochschulgesetzes berichtet, von einer „Lex Lüneburg“ geschrieben. Im Entwurf der Novelle deuten einige Eckpunkte auf die ungewollte Urheberschaft der Universität Lüneburg hin, oder besser auf den Libeskind-Bau als Stein des Anstoßes. Oder genauer, auf die finanzielle und planerische Begleitmusik, die mehr als einmal Misstöne erzeugte im Zusammenspiel von Uni, Wissenschaftsministerium und Rechnungsprüfern. Nach all den Berichten über Untiefen in der Baukalkulation will das Ministerium in Hannover, ein Hauptsponsor, mehr Kontrolle, auch durch die Gesetzesnovelle. Anders lässt sich wohl in die Loge Leuphana kaum Licht bringen.

Ich bin natürlich deswegen kein Brandstifter, sondern ein Berichterstatter. Manchmal auch Kommentator. Wer Position bezieht, der zündelt nicht, sondern warnt vor Brandgefahr. Und das war ja mehr als einmal der Fall.

Ganz aufrichtig: Mich fasziniert, dass ein Daniel Libeskind in Lüneburg ein Audimax baut, und ich freue mich über die futuristische Architektur des Rohbaus. Das ist ein mutiger Kontrapost zu all den Giebeln.  

Auch die Akzente, die Präsident Spoun und sein Vize Keller im Studium setzen, ob bei Neuen Medien, Nachhaltigkeit, internationaler Ausrichtung, Kooperationen, Professional oder Digital School, das trifft ins Schwarze, das hat Zukunft. Diese Leuphana-Studenten strahlen positiv über Lüneburg hinaus und zurück.

So weit, so gut. Doch Symbol dieser Wende, unübersehbar und übermächtig, ist der Libeskind-Bau. Er soll der Höhepunkt der Entwicklung werden. Und da sind wir wieder bei der Brandgefahr: Am Ende geht es nicht mal um die Frage, ob dort ein sensationelles Gebäude auch fertig wird, das Lüneburg-Gäste bewundern. Dafür wird es nicht gebaut. Es stellt sich die Frage, ob das Innenleben später dem Anspruch der Hülle gerecht werden kann. Es stellt sich die Frage, ob die Stiftungs-Universität so viel Kapital bei Mäzenen einsammelt, dass auch nach Wegfall der EU-Förderung im Sommer das große Rad in Forschung und Lehre gedreht werden kann, das Audimax mit Kongressen und Konzerten ausgebucht ist. Die Hülle, sie ist nur ein Versprechen.

Jeder, der die Hand in Stadtrat, Kreistag und Landtag gehoben hat, den Löwenanteil der externen Baufinanzierung dadurch gesichert hat, ist damit auch Bürge für die Erfüllung dieses Versprechens. Liebe Politiker, wenn es gelingt, könnt Ihr sagen, Ihr seid dabei gewesen. Wenn es missllingt, suchen Euch lange Albträume heim.

Wie es auch kommt, ich liefere weiterhin Nachrichten zum Leuphana-Komplex, gute und schlechte. Ich berichte und richte nicht. Der Rufmord ist dabei Berufsrisiko. Wobei: Gefährlicher ist Schulterklopfen für Journalisten. Meistens ist man dann nur einem auf den Leim gegangen.

Hans-Herbert Jenckel