Donnerstag , 24. September 2020

Ratsherren, Leserbriefschreiber und heiße Luft

Lüneburg, 2. Dezember 2014

Wer schreibt, der bleibt.

Auf diese Formel setzen treue LZ-Leserbriefschreiber. Ernten für die Vielschreiberei aber auch mal Spott, wie gerade wieder passiert.

Nehmen wir den bekannten Leserbriefschreiber B. aus R., den es dann oft trifft. Der hat in seinem Leben, wie er mir mehrfach versicherte, Dutzende Berufe ausgeübt und kann so schon per se zu allem und jedem etwas sagen. So viel Lebenserfahrung-getränkte Post an die Redaktion geht anderen mitunter auf die Nerven. Wird etwa B.s Meinungsflut sogleich als Mahnung empfunden, selber mit zu wenig Courage in die Tasten zu hauen?

Leserbriefschreiber gehen in der Regel eine Symbiose mit den Lokalpolitikern ein: Die reden viel, worauf die anderen meinen, darüber viel schreiben zu müssen.

Ratsherren unterliegen dem Zwang, die per Geschäftsordnung zugestandene Zeitspanne auszureizen, immer. Selbst auf die Gefahr hin, sie mit akustischem Müll zu füllen. In dieser Hinsicht werden die Besucher der Dezember-Sitzung im Lüneburger Rathaus auf eine Bewährungsprobe gestellt. Die Haushalts-Debatte steht an. Und Gäste dürfen da im Huldigungssaal nur schweigen, zuhören und leiden.

Denn wenn der Rat übers Geld fürs nächste Jahr debattiert, wird die Redezeit noch gedehnt, bis es weh tut. SPD und Grüne, die Mehrheit also, loben den Haushalt wegen der Etatposten für Bildung, Kitas, Wohnungsbau oder lokale Energiewende über alle Maßen. Die CDU wird ihn eher als finanzpolitischen Offenbarungseid einstufen, die Linken vermutlich noch einmal Weihnachtsgeld für alle fordern. Und die Liberalen mutmaßen Luftbuchungen. Spätestens dann sieht sich der Oberbürgermeister zu einer bitterbösen Grundsatzrede gezwungen, womöglich beschimpft er Bund und Land wieder, die die Städte im Stich lassen. So oder ganz ähnlich begibt es sich alle Jahre wieder im Dezember im Rat – eine prosaische Weihnachtsgeschichte.

Natürlich sind reichlich Fensterreden dabei und viel heiße Luft. Dann folgen noch die Leserbriefe darauf. Das Ergebnis: Die heiße Luft dehnt sich noch mehr aus.
Hans-Herbert Jenckel