Mittwoch , 21. Oktober 2020

Audimax an Vizepräsident: Herr Keller, Sie sind umzingelt

 Lüneburg, 31. Juli

,,Da darf jetzt nichts mehr schiefgehen.“ Je nach Gemütslage kann man so ein Wort als Ansporn verstehen, als Drohung oder als Anzeichen eines unguten Gefühls in der Magengrube.

Das Wort stammt von Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić. Mit ,,da“ hat sie den Libeskind-Bau auf dem Lüneburger Campus gemeint. Und damit liegt es nahe, dass es sich um ein ungutes Gefühl in der Magengrube der Ministerin handeln muss.

Denn im LZ-Interview zu Theaterfinanzen und Uni-Bau sagt die Ministerin in wenigen Zeilen noch mehr, was für diese Diagnose spricht: Sie kenne die Risiken und die Berechnungen. Und dann wirft sie unvermittelt mögliche Kosten von 100 Millionen Euro in die Runde, die seien nicht auszuschließen. Und das, obwohl nach der offiziellen Lesart der Uni zurzeit gut 72  Millionen zu Buche schlagen.

Offenbar hat die Ministerin den vertraulichen Bericht der Oberfinanzdirektion zum Libeskind-Bau noch gut in Erinnerung, die ,,nach wie vor noch unerkannte Lücken in der Planung“ vermutet. Die Kosten für so eine komplizierte Gebäudegeometrie seien „massiv unterschätzt“ worden.

In dieses Sorgen-Konzert der Finanzaufseher passen die anderen knappen Soloeinlagen der Ministerin: ,,Die Ausschreibung für einen Projektmanager läuft.“ Lüneburg befindet sich im Jahr drei nach Grundsteinlegung,  und es hatte sich eigentlich der Eindruck verfestigt, dass die Manager aus der Entourage um Vizepräsident und Geldakquisiteur Holm Keller am Werke sind. Dass es auch noch einen Controlling-Beirat gibt, wie die Ministerin berichtet, ist da nur noch eine Randnotiz.

Der Libeskind-Bau aus der Luft. Foto: boldt
Der Libeskind-Bau aus der Luft. Foto: boldt

Man könnte vermuten: Hier wird ein Sicherheits-Korsett um Chef-Planer Keller festgezurrt, um das ,,noch immer hoch ambitionierte Zeitfenster“ (O-Ton Heinen-Kljajić ) einzuhalten, damit die EU-Millionen auch fließen und nicht das Land die Zeche zahlt. Denn unweigerlich ist das Land hier eine Art Bürge, wenn die Uni-Kasse erschöpft ist. Auf der Leuphana-Homepage steht unter „Campus-Entwicklung“ immer noch: „Frühling 2014: Fertigstellung Rohbau Zentralgebäude.“ Wir haben August und fertig sieht anders aus. Ministerin Heinen-Kljajić verpackte das diplomatisch in ihre sprachlich anspruchsvolle Formel vom „hoch ambitionierten Zeitfenster“.

Das alles, wie gesagt, hat die Ministerin nicht wohldosiert in einem langen Interview über das Für und Wider des neuen Zentralgebäudes peu a peu eingestreut. Nein: 20 Zeitungszeilen, harmlos ans Ende eines Interviews zu Theater und Leuphana platziert, haben ihr für dieses Fazit gereicht.

Man könnte die Worte der Ministerin auch so interpretieren: „Herr Keller, Sie sind umzingelt. Ab jetzt hören alle auf mein Kommando.“ Denn wer die Musik bezahlt, sagt ja auch, was gespielt wird.

Hans-Herbert Jenckel