Montag , 21. September 2020

Herr Tur Tur, die Marketing GmbH und der Aufsichtsrat

 

Lüneburg, 25. Juli 2014

Die Lüneburger Marketing GmbH gerät beim Personal regelmäßig in die Bredouille. Gesellschafter und Aufsichtsrat scheinen kein Händchen fürs Personal zu haben. Die Folge: Die Fluktuation ist hoch. Das Dutzend Geschäftsführer in gut zwanzig Jahren ist bald voll – inklusive der Aspiranten, die schon bei ihrer Nominierung zurückzuckten. Jetzt will Marketing-Chef Stefan Pruschwitz weg.

Woran liegt es dieses Mal? Es heißt von Gesellschaftern, der Kasus Knacktus sei neben anderen Querelen die Bilanz. Manche stufen sie als bitteren Zahlensalat ein.

Doch das ist es nicht allein, was das Verhältnis trübte. Händler, Schausteller, Gastronomen oder Bands gingen seit Jahren bei mancher Marketing-Volte auf Distanz, weil sie sich vor den Kopf gestoßen fühlten. Der Marketing-Chef funkte oftmals auf einer anderen Wellenlänge. Es machte den Eindruck: Irgendwie war Stefan Pruschwitz nie so richtig in Lüneburg angekommen.

Er entpuppte sich doch so manches Mal als eine Art Herr Tur Tur, der berühmte Scheinriese aus der Augsburger Puppenkiste, der riesig aus der Ferne, aber nur durchschnittlich groß aus der Nähe wirkt. Im Fall Marketing waren die Ideen in der Theorie riesig und, je näher der Praxistest rückte, die Resultate oftmals leider mickrig.

Das Stadtfest am Ende blutarm, die Nacht der Romantik in der Versenkung verschwunden, die Kalkberg-Burg als bombastische Illumination blieb fixe Idee, der Lichterglanz an der Stintbrücke in der Etappe stecken. Und dann der Rohrkrepierer Solarbahn.

Das und mehr kann man bedauern und kritisieren, aber es bleibt die Frage: Wo war da eigentlich der Aufsichtsrat und sein Chef als Korrektiv bei all den Plänen, Bilanzen und Personalien?

Aufsicht? Diese Misere hat mehr als einen Vater und fordert wohl mehr als einen Wechsel. Es gehört auch ein neues Leitbild und Wir-Gefühl dazu, aber bitte nicht in der Theorie, also auf dem Papier, sondern in der Praxis und mit Herzblut.
Hans-Herbert Jenckel