Freitag , 18. September 2020

Die A39 und die Valentin-XXL-Variante

Lüneburg, 21. Juli 2014

A39
Es gibt in der Lüneburger Verkehrspolitik kein größeres Schimpfwort für Fehlplanung oder Geldverschwendung und keine größere Verheißung auf den Einzug ins Wirtschaftsparadies zugleich. Autobahngegner und Autobahnbefürworter wiederholen sich in diesem Punkt gerne und oft. Seit Jahren scharmützeln die Kombattanten über jedes A39-Detail, über Kosten, über Nutzen oder die Folgen für Umwelt und Natur.

Denn Karl Valentins: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“, ist in dieser Frage eben nicht genug, für den Autobahn-Prolog gilt die Valentin-XXL- oder auch Cato-Variante: „Und nicht oft genug.“ Also verfassen die unversöhnlichen Parteien Presseerklärungen, offene Briefe oder eben Resolutionen im Schweinsgalopp wie jetzt gerade wieder Landräte und besorgte Bürgermeister der Region, die auf die Segnungen der A39 warten.

Auch die Industrie- und Handelskammer-Chefs wiederholen die Formel von der „Lebensader“ in jeder Festrede so sicher als wären sie Wiedergänger des großen Römers Cato, der im Senat jede Rede mit dem Ausspruch beendet haben soll: „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.“ Zum Sommerfest war jetzt wieder die A39-Formel fällig. Denn die Gegner interpretieren es als sicheres Ende der ,,Nonsensautobahn“, wenn bei der Kammer der Hinweis auf die Bedeutung dieser Autobahn in einer Rede fehlt. Die Gefahr, irgendwann auf taube Ohren zu stoßen, muss ignoriert werden.

Doch Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt schert aus der Papageien-Phalanx aus, bei ihm macht sich vordergründig Erschöpfung breit: „Was soll jetzt eine weitere Erklärung, zumal es keinen neuen Sachstand gibt?“ Er zeichnete die jüngste Resolution nicht mit. Oberbürgermeister Ulrich Mädge darf sich in der LZ sogar befremdet zeigen, weil er gar nicht gefragt worden ist. Obwohl er die A39-,,Unverzichtbar“-Sentenz liebt, sagt er nun: „Es kann sich auch abnutzen, etwas permanent zu wiederholen.“

Es wäre, ehrlich gesagt, erfrischend, wenn es keine weiteren Erklärungen mehr gäbe zu Projekten, die bereits rundum mit Resolutionen versorgt sind, das gilt nicht nur für die A39, auch für die Elbbrücke, eine neue Schleuse am Schiffshebewerk Scharnebeck oder ein Container-Logistikzentrum am Hafen. Aber was machen dann die Politiker?

Keine Sorge, die nächste Resolution kommt. Denn Lüneburgs Landrat und Oberbürgermeister hatten vermutlich keinen Erkenntnisgewinn. Nur der Koaltionsfrieden mit den grünen Partnern und erklärten A39-Gegnern in Rat und Kreistag ist wichtiger als eine Statistenrolle im A39-Sommertheater.
Hans-Herbert Jenckel