Samstag , 15. August 2020

Windiger Widerstand im Lüneburger Land

Lüneburg, 11. Juli

 Energiepolitik ist zwischen Luhe und Jeetzel auch immer Protestpolitik. In dieser Debatte sind Heidjer und Wendländer sturmfest. Früher wehrten sich die Bürger nur gegen den Atomstandort Gorleben. Dann kam die Energiewende. Heute kämpfen sie allerorten gegen Windräder. In Raven wie in Lemgow, in Häcklingen wie jetzt auch in Artlenburg. In der Energie-Frage gibt es eben kein ruhiges Hinterland, keine verschlafenen Dörfer mehr.

Erst kam für die umweltfreundliche Energie die Vermaisung der Äcker, die Futter für die grünen Biogas-Blasen liefern, groß wie Tennishallen, die heute die Dorfeinfahrten prägen wie einst Gewerbegebiete und Einkaufszentren. Zugleich wurden die Dächer mit Sonnenkollektoren gepanzert. Jetzt werden mehr und mehr Windräder gepflanzt. Wenn man denn will, die optische Kehrseite unseres guten Gewissens.

Windräder konturieren die Landschaft selten hässlich, Windräder lärmen bei Sturm, Windräder werfen Schlagschatten und, warnen viele, gefährden auch die Gesundheit.

Der Landkreis Lüneburg hat das Ziel, energieautark zu werden, und die Bürger möchten das auch gerne, weil auch sie umweltbewusst mitziehen. „Bürgerwindpark“ klingt ja auch gut. Nur auf so einen rotierenden Riesen von 200 Metern Höhe will keiner blicken, wenn er auf der Terrasse sitzt. In Artlenburg, wo sich nun auch Widerstand regt, reden wir von einem Kilometer Abstand.

Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat geurteilt, dass von Windkraftanlagen eine „optisch bedrängende Wirkung“ ausgehe, wenn der Abstand zwischen Häusern und geplanter Windkraftanlage weniger als das Dreifache der Gesamthöhe der Anlage beträgt. Und: Sonderfälle bestätigen sowohl bei Betreibern als auch Betroffenen diese Regel.

Es lohnt vielleicht einmal eine Fahrt an die Küste, nach Nord- oder Ostfriesland, um zu spüren, was Nähe zu Windrädern ist. Dass sich Anwohner wehren, ist ihr gutes Recht. Dass die Politiker im Dialog aber die Umweltziele weiter hartnäckig verfolgen, nicht nur reden, dafür wurden sie gewählt.

Letztlich passt hier das Wort eines Generals des Dreißigjährigen Krieges, der, als man sich über das feindselige Betragen seiner Truppen in Freundesland beschwerte, die Antwort gab: »Ich kann meine Armee nicht im Sack transportieren.«

Ungefähr so verhält es sich auch mit den Windrädern und der sauberen Energie. Unsichtbare, lautlose Windquirle wären schön, aber sind nur eine Illusion.

Hans-Herbert Jenckel