Donnerstag , 1. Oktober 2020

Für zu leicht befunden

Sonntag, 22. Juni 2014

Das Lüneburger Stadtfest leidet unter Magersucht. Es hat sich gefährlich verschlankt auf Markt, Bäckerstraße, Sand und wenige Satellitenörtchen. Schon in den Parallelstraßen zur Bäckerstraße ist fast nichts mehr von der Party zu spüren. Und trotzdem wirken die Budenzeilen löchrig wie Schweizer Käse und das Programm eigenartig dünn und zusammengeleimt.

Das Fest startet mit einer TV-Aufzeichnung mit Hits aus der Konserve, das ist ein Ereignis, weil viele Stars auf der Bühne stehen. Aber weil da nur eine Sendung aufgezeichnet wird, muss sich dem alles unterordnen. Gute Laune auf Befehl eben. Und vor allem, schlechte Sicht auf den hinteren Rängen. Den Markt beherrschen nicht die Zuschauer, sondern in der Mitte macht sich ein Monolith breit, der dem aus Stanley Kubricks Kultfilm „2001“ ähnelt. Eine Art Regie-Thron. Platzgreifend, schwarz und fremd. In der Summe für ein Stadtfest der stolzen Hansestadt zu dünn. Es sei denn, man muss sparen. Ansonsten hätte es genügend große Lüneburger Bands gegeben, die mühelos den Eröffnungs-Abend auf dem Markt zu einem echten Stadtfest-Abend gemacht hätten. nite club und Skaramanga bewiesen es am Sand.

Dann die Planung: Dass das Fan-Fest der Roten-Rosen in dieses Stadtfest integriert wurde, die Menschen nicht in die City strömen, sondern davon weg. Und dass gleichzeitig auch noch das Flugplatz-Fest läuft, das den Effekt verstärkt, kann man zwar als Absicht verkaufen, könnte aber auch als Fehlplanung durchgehen. PS: Die Sommerferien fangen dieses Jahr in Niedersachsen verdammt spät an, da wäre Luft gewesen.

Dass schließlich Public Viewing der Publikumsrenner bei einer WM ist und dass Deutschland nicht gewinnt, also kein besonderer Grund besteht, die Sau raus zu lassen, dafür kann wieder nur Jogi Löw was.

Und es ist ein Glück, dass mit dem beliebten Karaoke-Finale ein versöhnlicher Schlussakkord gesetzt wird.

In der Summe liegt das Dilemma dieses Festes entweder darin begründet, dass die Stadt zu wenig Geld hat für ein Stadtfest, das seinen Namen verdient, oder dass es an Ideen mangelt.

Sollte es an Geld fehlen, reichen die Sülfmeistertage als Stadtfest mit einem echten Lüneburg-Bezug voll und ganz. Sollte es an Spirit fehlen, muss die Stadt Ursachenforschung betreiben, damit die Magersucht kuriert wird, bevor es lebensbedrohlich wird.

Hans-Herbert Jenckel