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Marlon Czernohous (r.), hier mit Vadim Kulabuchov, wird den AEC aus Studiengründen verlassen. Foto: be

AEC vom Vizemeister zum Underdog?

Nur einen Schritt war der Adendorfer EC in der vergangenen Saison vom Meistertitel in der Eishockey-Regionalliga Nord entfernt. Nach einer dramatischen Halbfinal-Serie gegen den HSV (3:2) scheiterte der AEC erst im Finale an den Weserstars Bremen (0:3). Dass die Adendorfer in der kommenden Saison an diesen Erfolg werden anknüpfen können, erscheint im Moment zumindest fraglich. Diese Entwicklung aber nimmt der AEC bewusst in Kauf.

Vom Vizemeister zum Underdog? Gut möglich, denn der AEC geht bei der Kaderplanung neue Wege. Keine Kontingentspieler mehr, also teure Vollprofis, dafür viele junge Spieler aus der Region. Die jungen Wilden sollen es richten, unterstützt von einigen erfahrenen Haudegen.

Hintergrund ist der komplizierte und vom AEC ungeliebte Modus mit acht Teams in der Regionalliga Nord, die zunächst eine Einfachrunde spielen. Für die ersten vier Teams geht die Saison mit Meisterrunde und Verzahnung mit der Ost-Staffel äußert attraktiv weiter, die restlichen vier Nord-Teams aber spielen ab Anfang Januar eine Abstiegsrunde, die den Namen schon deshalb nicht verdient, weil es keinen Absteiger geben wird. Denn in der darauffolgenden Saison, so ist es zumindest geplant, soll die Regionalliga Nord endlich mit einer Sollstärke von zehn Teams spielen.

Wird der AEC in dieser Saison nicht mindestens Vorrunden-Vierter, hätte er ab Januar nur noch drei bedeutungslose Heimspiele. Finn Sonntag, sportlicher Leiter des AEC, nennt es die „ABM-Runde“. Sonntag erklärt die Vorgehensweise: „Wir hatten die Wahl, viel Geld in die Hand zu nehmen und Spieler zu verpflichten, mit denen wir gute Chancen haben, unter die ersten Vier zu kommen. Oder eine junge Mannschaft aufzubauen, die ein Fundament für die Zukunft bildet. Wir haben uns für die zweite Möglichkeit entschieden. Denn niemand kann mit teuren Profis Erfolg garantieren. Und wenn wir da gescheitert wären, wäre das ganze Projekt Eishockey in Adendorf ernsthaft gefährdet gewesen.“

Nach Dennis Szygula hat auch Marlon Czernohous, im vergangenen Jahr Schütze des entscheidenden Tores im fünften Play-off in Hamburg, seinen Rückzug vom AEC erklärt. Er befindet sich in der Prüfungsphase seines Studiums und ist wieder zurück nach Hamburg gezogen. Ob er zu einem neuen Verein wechselt oder Pause macht, ist noch unsicher. Auch der Verbleib von Matthias Oertel ist nicht sicher, er hat Angebote anderer Vereine. Wie lange Denny Böttger nach seiner Matchstrafe Anfang des Jahres gegen Salzgitter noch gesperrt bleibt, soll die für den kommenden Sonnabend angesetzte Berufungsverhandlung klären. Damit droht der AEC viel Erfahrung und spielerische Qualität zu verlieren.

Dafür bleiben die Youngster Anton Naujoks (18/Stürmer) sowie Bente Grewe (19) und Connor Schulz (19, beide Verteidiger). Wieder zurück in den Kader kehrt Tufan Salfeld (19, zuletzt AEC 1 b). Neu ist der 17-jährige Verteidiger Finn Kucharek, Sohn von Trainer Falko Kucharek. Finn Kucharek spielte zuletzt für die Kassel Young Huskies in der Deutschen Nachwuchs-Liga 2.

Finn Sonntag erwartet in den kommenden Tagen noch einen weiteren jungen Stürmer aus Tschechien als Zugang, ebenso wie einen zweiten Goalie für den abgewanderten Finn Günther. Aktuell beträgt das Durchschnittsalter des Kaders 25,3 Jahre – wohl eine der jüngsten Mannschaften, die je für den AEC auflief.

Beim AEC weiß man, dass es mit diesem Kader schwer wird im Kampf um Platz vier. „Das wird eng“, sagt Sonntag, „aber wir gehen jetzt diesen Weg der Verjüngung und wollen kein unnötiges Risiko. Platz vier bleibt das Saisonziel. Aber sollten wir das verfehlen, werden wir nicht untergehen.“

Die Stärke des AEC soll mehr denn je die mannschaftliche Geschlossenheit sein. „Die jungen Leute haben jetzt die Chance, sich zu beweisen. Jeder muss für den anderen kämpfen“, sagt Sonntag. Zu sehen sein soll das für die Fans erstmals am Freitag, 5. Oktober. Dann eröffnet der AEC die Spielzeit mit einem Freundschaftsspiel gegen HSV – als kleine Revanche für das packende Halbfinale vom vergangenen März.

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