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Denny Böttger muss bei Spielen seines Adendorfer EC bis Ende November wegen einer Sperre noch zuschauen. Foto: be

Mann, wie ich das vermisse

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Kult-Stürmer Denny Böttger bleibt seit einigen Monaten wegen einer Sperre nur die Beobachter-Rolle beim Eishockey-Regionalligisten Adendorfer EC. Diese nahm er beim Spiel der Adendorfer in Sande für die LZ ein und schrieb einen Erfahrungsbericht über das Spiel.

Samstag, 14.30 Uhr, Eisstadion Adendorf, die Sonne scheint, wie so oft. Wir nennen es Auswärtswetter. Ich komme wie immer auf den letzten Drücker zur Abfahrt des Busses auf den Parkplatz. Ein Großteil der Jungs sitzt schon im Bus und wartet darauf, dass es los geht. Wir spielen beim ECW Sande.

Alles wie immer. Alles? Nein, nicht alles. In letzter Zeit ist es nicht schlimm, wenn ich erst fünf Minuten vorher zum Bus komme. Ich brauche, nein, ich darf ja meine Eishockeyausrüstung nicht mehr einpacken. Bis Ende November bin ich noch gesperrt. Ich hetze noch schnell in die Kabine, um mir warme Unterwäsche einzupacken.

Ein Eishockeyspiel kann, wenn man nicht gerade als Spieler auf dem Eis steht, schon verdammt kalt werden. Der Bus fährt ab Richtung Sande bei Wilhelmshaven. Jeder startet spätestens jetzt seine Pre-Game-Routine. Einige hören Musik, Unterhalten sich oder tanken noch schnell Energie bei einem Powernap. Ich nehme wie immer auf meinem Stammplatz, auf der zweiten Bank von hinten auf der rechten Seite, Platz und spiele mit dem Stammpersonal Karten.

17.35 Uhr: Der Bus kommt am Zielort an. Seit langem mal wieder eine neue Halle in meiner Sammlung von Spielstätten. Obwohl diese nach dem ersten Begutachten nicht zu den komfortabelsten gehört und den Temperaturen nach auch nicht zu den gemütlichsten. Gut, dass ich warme Unterwäsche dabei habe.

Die Spielvorbereitung beginnt. Leider nicht für mich. Die Jungs tapen Schläger, gehen Ballspielen und sich draußen Aufwärmen. Ich unterhalte mich mit Vadim, unserem Kapitän, der leider verletzungsbedingt auch nicht spielen kann, um die Zeit zu überbrücken.

Die Stimmung in der Kabine ist ob des nicht gerade erfolgreichen Saisonstarts etwas gedrückt, aber dennoch habe ich, wenn ich in die Gesichter der Jungs schaue, den Eindruck, dass jeder fokussiert und Willens genug ist, um heute den ersten Sieg einzufahren. Dass dies kein einfaches Unterfangen wird, ist jedem bewusst, der etwas von der Materie versteht.

Die Liga ist ausgeglichen wie nie. Viele Mannschaften haben sich gut verstärkt. Wie man so schön sagt, wird oft die Tagesform über Sieg und Niederlage entscheiden.

18.50 Uhr: Das Team geht raus zur Eiserwärmung. Vadim und ich beziehen Position an der Bande und beobachten das neuformierte Team des heutigen Gegners. Wir sehen übereinstimmend nichts, was uns sonderlich beeindruckt.

19.20 Uhr: Falko, unser Trainer, hält seine Ansprache. Die Jungs sind heiß, es kann losgehen. Ich wünschte, ich könnte mir meine Ausrüstung überziehen und gleich mit ihnen zusammen auf dem Eis fighten. Mann, wie ich das vermisse. Durchhalten Denny, nicht mehr lange, sage ich mir jedes Mal.

Ich sehe einen guten Beginn des Teams. Auf dieser wirklich sehr sehr kleinen Eisfläche hat man für jede Aktion noch weniger Zeit. Sicher ein Vorteil für das Heimteam, das es gewohnt ist, hier zu spielen. Wir haben unser erstes Überzahlspiel, ich hoffe auf ein Tor, aber das klappt leider nicht. Auch im zweiten Anlauf leider kein Tor für uns.

Dafür fällt auf der Gegenseite direkt im ersten Versuch das 0:1. Egal, weiter geht’s. Ein weiteres Powerplay bringt noch im ersten Drittel das 0:2. Für mich etwas unverdient, waren doch die Jungs mindestens ebenbürtig in diesem Drittel. So geht es in die Pause.

Ab über die Eisfläche in die Kabine (in Turnschuhen ist es doch etwas rutschiger als auf Schlittschuhen). Die Jungs sehen es ähnlich wie ich, trotz des Rückstandes geht hier heute noch was. Dran bleiben! Ich nehme mir den x-ten Kaffee und das zweite Drittel beginnt. Leider mit einem erneuten Rückschlag. Das 3:0 fällt etwas zu leicht. Wir machen zu viele einfache Fehler in der Defensive – denke ich mir.

Matthias Oertel bringt uns Gott sei Dank mit dem 1:3 wieder in Schlagdistanz. Dieses Drittel endet unentschieden. Ein Zwei-Tore-Vorsprung ist im Eishockey nicht uneinholbar. Und so gehen wir auch ins letzte Drittel. Fighten für den Sieg!

Das Spiel wird jetzt härter und unfairer. Es gibt immer wieder Strafen und somit Überzahlspiele auf beiden Seiten. Die erste Sturmreihe (fast nur aus lettischen Kontingentspielern bestehend) ist technisch stark, und so führen zwei dieser Situationen zum Endergebnis von 1:5.

Verdammt, erneut verloren! Die Köpfe hängen tief, als ich in die Kabine komme. Aber die Saison ist lang. Und letztes Jahr hat uns nach der nicht so optimalen Vorrunde auch keiner was zugetraut. Das endete ja dann bekanntlich im Finale. Und am Freitag beim Heimspiel gegen den HSV gibt es schon die nächste Chance auf die langersehnten ersten Punkte.

1.30 Uhr: Wieder in Adendorf, der Roadtrip endet. Das einzig Positive: Ein Spiel weniger, bis ich meinem Team endlich wieder auf dem Eis helfen kann.

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