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Ende 2001 drehte Insolvenzverwalter Dirk Decker den Geldhahn beim LSK zu. Mehr als 17 Jahre später werden ausstehende Gehälter ausgezahlt. Foto: be

Insolvenz doch keine unendliche Geschichte

Als Sven Kathmann das Traineramt beim Lüneburger SK übernahm, wurde er viereinhalb Monate lang noch in D-Mark bezahlt – und dann bis zum Jahresende überhaupt nicht mehr. 2001 hatte der heutige Coach des TSV Gellersen das Amt beim damaligen Fußball-Oberligisten direkt nach dem Regionalliga-Abstieg und der Insolvenz übernommen. Erst jetzt, mehr als 17 Jahre später, freut er sich über die Nachzahlung seines restlichen Gehalts aus jener Saison. „Das passt schon von der Summe“, stellte Kathmann fest. „Meine Frau hat sehr genau Buch geführt.“

Zumindest der Coach also hat sein Geld aus der Insolvenzmasse bekommen, Steuern und Sozialabgaben wurden ebenfalls abgeführt. Einige seiner damaligen Spieler erklärten gegenüber der LZ, dass auch sie im vergangenen Herbst per Post aufgefordert worden sind, ihre Ansprüche anzumelden. Ist damit auch das Ende der Insolvenz des Lüneburger SK e.V. von 1901 in Sicht? Erhard Rölcke, seit vier Monaten Vorsitzender des Vereins, kann dies nicht bestätigen. Denn: „Wir haben keinen Kontakt zum Insolvenzverwalter.“

Rölcke ist erst seit seiner Wahl befugt, beim Amtsgericht die halbjährlichen Berichte von Dirk Decker einzusehen. Rölckes Fazit: „Es hat sich in der gesamten Zeit nichts getan.“ Nach seinem Kenntnisstand wurden die Forderungen der Sparkasse und der drei Hauptgläubiger bereits vor Jahren beglichen. 2013 wurde das ehemalige LSK-Gelände in Wilschenbruch verkauft, im März 2014 fand dort das letzte Spiel statt.

Rölcke und seine Mitstreiter im Vorstand des alten LSK sind bis heute der Meinung, dass ihr Verein beim Verkauf des Geländes übervorteilt worden ist. Das rund 49 000 Quadratmeter umfassende Gebiet rund um die Sportplätze gehörte jeweils zu Teilen dem LSK und der Hansestadt Lüneburg, soll laut Rölcke zu einem Einheitspreis pro Quadratmeter von Decker an den Investor Uwe Gerner verkauft worden sein. Das ärgert den LSK-Chef: „Der städtische Anteil lag im Überschwemmungsgebiet der Ilmenau und ist eindeutig weniger wert.“

Den Kaufvertrag, abgeschlossen zwischen Stadt, Insolvenzanwalt Decker und Investor Gerner, haben Rölcke und seine Mitstreiter immer noch nicht einsehen können. Daher behalten sie sich vor, Strafanzeige gegen alle Beteiligten wegen der ihrer Meinung nach nicht korrekten Ermittlung des Verkaufspreises für das Areal zu stellen. Mit dem Ziel, dass nach dem Ende der Insolvenz vielleicht doch noch ein paar Euro übrig bleiben – für den alten LSK, der sich dann wieder mit dem 2008 gegründeten LSK Hansa vereinigen könnte. „Möglichst unter dem Namen LSK von 1901 ohne den Zusatz Hansa“, betont Rölcke. „Dafür bin ich angetreten, und das möchte ich auch zu Ende führen.“

12 Kommentare

  1. Ich finde klasse, das die Riege sich zur Aufgabe gemacht hat den Vorgängen auf dem Grund zu gehen. Das hilft gegen die Legendenbildung und sorgt für Transparenz. Irgendjemand muss schließlich einen Grund gehabt haben dieses Verfahren derart in die Länge zu ziehen, dem Verein hat es mit Sicherheit geschadet, denn so ein Verfahren kostet.

  2. Das schärfste war die „Veröffentlichung“ des Bietverfahrens in der Lünepost durch den Insolvenzverwalter, in der Größe von ca. 2×4 cm, damit alle Welt Bescheid weiß und Mitbieten kann. Das sagte damals schon viel aus über das ausgewählte Publikum, das zum Zug kommen sollte.

  3. „Zumindest der Coach hat sein Geld bekommen“… Das weckt den Eindruck, das die meisten ihr Geld nicht bekommen haben. Ist das so? Wer hat denn sein Geld nicht bekommen? Das wäre doch Interessant. Im Stadtgespräch wird ja eher vermeldet, dass die LSK Insolvenz ein ganz seltener Fall war, bei dem alle ihr Geld bekommen haben und der Insolvenzverwalter auch ganz gut verdient, weil es sonst schon längst beendet wäre.

  4. Was nur ne Nummer ! Lucia und Pickenpack wurden z.b. innerhalb von 2 – 3 Jahren abgewickelt. Bei der LSK Nummer in Sachen Involvenzende fehlen wir die Worte. Selbst nach dem Auszug und Verkauf von Wilschenbruch 2014 plus 1 Jahr noch dazu – keinen Abschluss bekommen. Warum stellt sich hier die Frage. Herr Decker was ist los ? Jetzt zahlt der Junge noch Gelder an die Spieler aus …. ist das überhaupt noch zulässig ? 17 Jahre später ? Das der LSK selbst in die Not kam ist fakt. Aber was steckt noch dahinter, dass kein Ende in Sicht ist. Was für Drahtzieher sind noch am Werk ? Ich findes es richtig gut, das Herr Rölcke und seine Mannschaft hier Dampf auf den Kessel bringen. Danke, bitte weiter so !

  5. Mich würde der Inhalt des Kaufvertrags von 2013, der zwischen Stadt, Insolvenzanwalt Decker und Investor Gerner abgeschlossen wurde, mal interessieren.

    Außerdem wüsste ich gerne mehr über den Verbleib der Karpfenbürste.

  6. Mit oder ohne Ende der Insolvenz – hoffentlich behält Onkel Heintzi recht, der am 29. Dezember 2017 um 11:48 Uhr für 2019 voraussagte: „Auch Herr Zobel wird im Januar feststellen, dass der LSK einen effizienten Stürmer braucht, der Tore macht…“

  7. Danke an alle, die sich für den „alten LSK“ einsetzen um dieser sehr mysteriösen Geschichte mal auf den Grund zu gehen!

    Ein In Deutschland wohl einmaliger Fall! Traurig!

  8. Heimspielkibice

    Seit vielen Jahren liest man zum Thema LSK-Insolvenz immer wieder: „Insolvenzverwalter Decker gab keine Auskunft“, „Insolvenzverwalter Decker war nicht zu erreichen“, „Insolvenzverwalter Decker gibt keine Unterlagen heraus“ – der Mann betreibt seit fast 18(!!!) Jahren ein Insolvenzverfahren (oder besser: nicht). Kann da nicht eine Aufsichtsbehörde mal prüfen, was er tut (oder besser: nicht)? Ich hoffe, sein Honorar richtet sich nicht nach der Laufzeit des Verfahrens! Es wäre ein Skandal ohne Gleichen, wenn er allein mit der LSK-Insolvenz seit 2001 ein eigenes Vermögen angehäuft hätte (zu Lasten des LSK).

  9. Wenn Hartmut Schlomski von all diesen seltsamen Vorgängen irgendwann mal Wind kriegen sollte, tanzt aber das Backenhörnchen Tango Argentino auf den Pulten beim Amtsgericht.

    • ???Hr.Schlomski ist doch Schatzmeister vom „LSK 1901“ und hat mit Sicherlichkeit vielmehr Hintergrund Wissen als alle Kommentatoren auf dieser Seite!!!

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