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Semir Voloder, Elias Wollitz, Joshua Horn und Hennek Wischmann (v.l.) haben nicht zu früh gejubelt. Ihr FC Heidetal soll in jedem Fall ohne Relegation in die Kreisliga aufsteigen. Foto: Sawert

Fairness sieht anders aus

Eine solche Verlängerung hat die hiesige Fußball-Saison auch noch nicht erlebt. Eigentlich rollte der letzte Ball auf Kreisebene Anfang Juni, doch seitdem versuchen Verantwortliche mehrerer Clubs, einen Aufstieg am grünen Tisch nachträglich zu erkämpfen – mit mehr oder weniger großem Erfolg. Thore Lohmann, Vorsitzender des Spielausschusses im NFV-Kreis Lüneburg, nimmt nicht nur zu den aktuellen Fällen Stellung.

Herr Lohmann, der SV Molzen will als Dritter der 1. Kreisklasse Süd ein Relegationsspiel gegen den TuS Hohnstorf erwirken, beruft sich dabei auf die Ausschreibung, wonach die beiden Kreisklassen-Dritten einen zusätzlichen freien Platz in der Kreisliga ausspielen. Der Platz ist jetzt aber weg, weil die beiden Vizemeister aufsteigen dürfen.

Thore Lohmann: Die hätten wir in der Tat genauer formulieren müssen, das ist uns durchgerutscht. Alle beteiligten Seiten haben jetzt bis zum 16. Juni Zeit, eine Stellungnahme abzugeben, danach tagt das Sportgericht.

Und wenn das Gericht Molzen Recht geben sollte?

Was nicht sein kann – dass ein Dritter einer Staffel aufsteigt und ein Zweiter nicht. Es wird definitiv kein Entscheidungsspiel zwischen den Vizemeistern Heidetal und Wustrow geben. Die beiden Mannschaften dürfen davon ausgehen, dass sie in der kommenden Saison in der Kreisliga spielen werden. Zur Not können wir auch mit 18 Mannschaften in die Saison gehen.

Also könnten am Ende auch Molzen und Hohnstorf kampflos aufsteigen?

Erst einmal warten wir die Entscheidung des Gerichts ab.

Und dann gibt es noch den Fall STV Artlenburg. Als fairster Zweiter der drei 3. Kreisklassen hatte Artlenburg eigentlich den Aufstieg geschafft, verlor aber wegen eines Wechselfehlers das letzte Spiel 0:5 und kassierte noch zusätzliche Strafpunkte. Nun war der TSV Lehmke in der Fairplay-Wertung vorn und steigt auf.

So viel hat das mit Fairness nicht zu tun, wenn einigen Fußballern die Ligenzugehörigkeit offenbar wichtiger ist als ihr Leben. Ich hätte mir einen etwas zurückhaltenderen Umgang mit dem Sachverhalt gewünscht, da wurde sich über den betroffenen Verein geradezu lustig gemacht.

Gibt es noch Hoffnung für Art­lenburg?

Ich gehe davon aus, dass der STV auch aufsteigen wird. Wir haben so viel Luft durch Rückzüge und Nicht-Abstiege in den Klassen drüber. Und wir wollen die 2. Kreisklassen in voller Stärke mit 14 Mannschaften spielen lassen, während wir die 3. Kreisklassen etwas schrumpfen lassen wollen, damit die Mannschaften auch mal ein Wochenende pausieren können. Zu diesem Thema wird es noch eine Sitzung des Sportausschusses geben.

Wie zufrieden sind Sie denn insgesamt mit dem ersten Jahr im neuen Kreis?

Ich hätte nie damit gerechnet, dass die Vereine mit uns so fair umgehen. Die Saison verlief insgesamt sehr harmonisch, es herrschte ein respektvoller Umgang miteinander.
Gerade die Lüneburger Vereine blieben in den Kreisklassen zumeist unter sich.

Werden die Grenzen der Klassen in der kommenden Saison anders gezogen?

Eher nicht. Es gab nur wenige Anträge, die Staffeln zu wechseln. Und wenn, dann wollten die Mannschaften in ihren Alt-Kreis zurück.