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Wollen einen Jugendförderverein für die besten Lüneburger Fußballvereine aus der Taufe heben: (v.l.) Mike Oelfke, Ralf Sievers, Philipp Meyn, Manfred Vogt, Christoph Steiner und Manfred Nitschke. Foto: be

Kräfte im Jugendfußball bündeln

Beim Fußball gucken im altehrwürdigen Schallander am Stint entstand die Idee beim gemeinsamen Bier. Oft verschwinden solche Ideen schnell wieder in der Versenkung. Doch diesmal wurde es mehr als nur eine Stammtischparole. Denn sechs Lüneburger Fußballinteressierte machen ernst: Sie wollen einen Jugendförderverein gründen. In Lüneburg? Wo LSK, Eintracht und der MTV Treubund eine seit Jahren bekannte Abneigung ausleben? Wo der LSK und der VfL gerade im Unfrieden auseinander gegangen sind? Wie soll das denn gehen?

„Es ist nie zu spät, etwas Gutes für Lüneburg zu entwickeln“, sagte Manfred Nitschke, ehemaliger LSK-Trainer. „Wir haben Jugendfußball auf hohem Niveau. Aber es geht besser, wir wollen die Kräfte und Ressourcen bündeln“, sagt Christoph Steiner, ehemaliger Chefredakteur der LZ und ebenso langjähriger Kenner der Lüneburger Fußball-Szene. Gemeinsam mit Lüneburgs Fußball-Legende Ralf Sievers, letzter Bundesliga-Profi aus Lüneburg, Manfred Vogt, ehemaliger sportlicher Leiter in der MTV-Jugend, Mike Oelfke, ehemaliger Jugendtrainer beim LSK und Philipp Meyn, gerade frischgebackener Altherren-Pokalsieger mit dem TSV Gellersen, SPD-Ratsherr und Mitglied des städtischen Sportausschusses, sind sie auf die Vereine zugegangen, um auszuloten, ob Interesse besteht.

Dass sie Brücken bauen mussten zwischen den Vereinen, das wussten Vogt und seine Mitstreiter. „Und wir waren nicht sehr optimistisch. Aber alle waren interessiert.“

Alle, das heißt das Sextett, sprach mit Verantwortlichen beim LSK, beim MTV und beim VfL, weil die drei Clubs den hochklassigsten Fußball in der Jugend repräsentieren. Alle drei Clubs sagten zu, einer Infoveranstaltung beizuwohnen.

Und es wurden namhafte Referenten gefunden. Hauptredner ist Carsten Schult, ein Jahrzehnt lang Vorsitzender des Jugendfördervereins Ahlerstedt/Ottendorf/Heeslingen. Die A/O-Teams haben in vielen Klassen den Lüneburger Vereinen längst den Rang abgelaufen. So spielte A/O in dieser Saison in der U17 in der Regionalliga und mit der zweiten Mannschaft auch noch in der Niedersachsenliga. Lüneburger Vereine in beiden Klassen? Fehlanzeige.

Zweiter Referent ist Stefan Wulf vom VfB Oldenburg, einer der führenden Kräfte im JFV Nordwest, in dem neben dem VfB auch der VfL Oldenburg sind. Zugesagt hat auch der Melbecker Jürgen Stebani. Der Spielausschussvorsitzende im NFV kennt sich im Verband bestens aus, will, wenn zeitlich möglich, einen weiteren NFV-Experten mitbringen. Im Zeitraum vom Mitte Juli bis Mitte August soll ein Termin gefunden werden. „Die Vereine müssen und sollen eingebunden werden. Wir wollen nur anschieben“, sagt Meyn.

Als Politiker weiß er, wie sinnvoll eine Bündelung der Kräfte im Sport ist. „Der Fußball hat nicht die größte Lobby in der Stadt“, so der SPD-Mann. Der ehemalige LSK-Kicker sagt auch: „Das liegt zum großen Teil auch an den Vereinen selbst.“ Neben der Politik kommt auch die Wirtschaft ins Spiel, denn Oelfke weiß, „dass so eine übergeordnete Idee gut ankommt bei Firmen, die bewusst Geld für Jugendarbeit geben wollen“.

Deshalb geht das Sextett nun an die Öffentlichkeit, um „zu vermitteln und zu begleiten“, so Vogt. Als Starttermin erhoffen sich die Initiatoren die Saison 2020/21. Am besten mit A- und B-Jugend-Teams. „Wir wollen keinem etwas aufstülpen“, betont Steiner. Deshalb gibt es den ersten Infoabend mit ergebnisoffenem Ausgang. Nitschke fasst treffend zusammen: „Begegnung schafft Akzeptanz.“ Denn das ist das Wichtigste bei der JFV-Idee: Die Vereine sollen miteinander und nicht übereinander reden.

31 Kommentare

  1. Heinz-Karl Rumgekicke

    Ja, schön, eine Menge Vorschusslorbeeren und edles Weihrauchgeschwalle für das Schallander-Sextett und die von ihnen ins Spiel gebrachten Funktionäre werden verteilt.

    Aber was ein „Jugendförderverein“ konkret leisten soll und was es genau und im einzelnen heißt, dass „die Kräfte im Lüneburger Jugendfußball gebündelt werden sollen“, kann ich dem Artikel leider nicht entnehmen.

    Werden die Jugendabteilungen von Eintracht, LSK, MTV Treubund und VfL zusammengelegt? Werden nur die größten Talente von der U16 bis zur U19 in Auswahlmannschaften zusammengefasst? Sollen einzelne Talente gefördert und an Bundesligavereine vermittelt werden?

    Oder möchten die Herren nur ein wenig Wind machen und irgendwelchen Sonntagsrednern Gelegenheit zum Schaulaufen geben?

    Worum geht es bei dem Kneipenplan der illustren Ballhalter?

    Bitte mal Budda bei die Fischekens!

  2. Top! Endlich machen sich in Lüneburg vernünftige Leute aus den führenden Vereinen kluge Gedanken!

  3. Das Vorhaben ist doch mit dem Vereinskreis schon aus sportlichen Gründen ein Witz:

    „LSK, beim MTV und beim VfL, weil die drei Clubs den hochklassigsten Fußball in der Jugend repräsentieren.“

    Weder der LSK, noch Eintracht, noch der VfL repräsentieren in den angestrebten Altersklassen den hochklassigsten Jugendfußball:

    VfL: der letzte richtig gute Jugendjahrgang geht gerade in die Herren über. Danach nur noch biedere Kreisligateams oder eine Mannschaft, die mehr schlecht als recht in der Bezirksliga gegen den Abstieg spielt. Auch in Zukunft wird da kaum ein gutes VfL-Team mehr entstehen. U12, U11 sind alles Kellerkinder in der Kreisliga oder Kreisklasse mit keiner Perspektive nach oben. Die Gründe dafür sind hier erstmal nebensächlich.

    LSK: Noch tritster in den angestrebten Leistungsjahrgängen als beim VfL. Die U18 als ungeliebtes Kind spielt ihr demnächst ihr letztes Jugendjahr in den Neiderungen der Kreisliga. Ist vom Leistungsfußball extrem weit entfernt. U16 gibt es nicht. Die U15, als kommendens B-Jugendteam ist gerade in die Kreisklasse abgestiegen. U14 spielt in der Kreisliga gut mit, aber ist eben noch nichtmal im Bezirk angekommen. U13 ein Dramateam, U12 wieder solide, aber das Team ist zu klein. Alles was dann kommt muss erstmal bis zur C-Jugend erhalten bleiben.

    Eintracht LG: Die kommende U17 ist als ehemaliges Landesligateam nach drei direkten Abstiegen wieder in der Kreisliga gelandet. Die aktuelle U15 spielt im Mittelfeld der Kreisklasse, U14 gibt es nicht. U13 und alle anderen Teams darunter sind graue Mäuse und weit entfernt vom Leistungsfußball auf Landesliganiveau.

    Keiner dieser drei Vereine bringt also weder einen der begehrten Startplätze im Leistungsfußball mit in die angedachte JFV, noch richtig gute Teams als Basis, noch in großer Masse Trainer für das angestrebte sportliche Niveau, noch Sportflächen, auf denen dieses Leistungsteams 3-4 Mal in der Woche trainieren können.

    Warum zum Teufel sollte sich der MTV, der ziemlich viel davon hat, was alle anderen gerne hätten, das antuen und die ungeliebten „Verwandten“ mit an seinen Tisch im Leistungsfußball holen? Die wären doch mit dem Klammersack gepudert.

    • Der MTV hat dank seiner Trainerstrukturen (Stützpunkt Trainer usw.) die „guten“ jungs in den Jungen Jahrgängen. Doch nicht weil ein Herr Heise son guter is… manmanman

    • Die wären gerade nicht mit dem Klammersack gepudert, weil sie die gleichen Probleme haben. Sie schaffen in den Altersklassen B und A, nicht mehr in die höchsten Jugendspielklassen um sich mit den besten des Jahrgangs zu messen. Niedersachsenliga A-Jugend ist mittlerweile Drittklassig, die Gegner von früher spielen 2 Klassen höher. Früher hat die Lüneburger Jugend gegen Wolfsburg, Hannover 96, Eintracht Braunschweig etc. gespielt. Selbst Regionalliga wird nicht dauerhaft erreicht und genau das sollte das Ziel sein. Wenn es einem natürlich genügt die beste Regionale Mannschaft zu sein, braucht es keinen Leistungsaspekt, da reicht es die besten Spieler im Umkreis anzusprechen und abzuwerben und schon hat man ohne Weiterentwicklung die beste Mannschaft vor Ort. Die Lüneburger Jugend bringt nicht mal mehr Spieler hervor, um in der Herren Landesliga einen Aufstiegskandidaten zu entwickeln. Das sollte ein Alarmzeichen sein und die lokale Dominanz in der Jugend sollte daher nicht dazu führen sich zurück zu lehnen.

      • Genau! Beispiel Dortmund: Der BVB war über Jahre bekannt für seine exzellente Nachwuchsarbeit in der Region. Heute rekrutiert der Verein Nachwuchsspieler aus Südafrika, Frankreich oder Holland. Als der „Kicker“ BVB-Sportdirektor Michael Zorc neulich die Frage stellte, ob das Leistungszentrum nicht mehr genügend gute Jungs ausspucke, antwortet dieser: „Jacob Bruun Larsen haben wir mit 15 von einem ganz kleinen Verein in Dänemark geholt. Christian Pulisic ebenfalls mit 15 von einem College in den USA. Immanuel Pherai aus Alkmaar. (…) Das sind alles Spieler, die ich als eigene Jungs ansehe, auch wenn sie einen anderen Pass haben. Borussia Dortmund ist ein Champions-League-Klub, der nach Möglichkeit die Gruppenphase überstehen will. Dafür brauchen wir auch die besten Toptalente – und nicht zwingend ausschließlich welche aus Dortmund, Hamm und Umgebung. Wenn es dort auch welche gibt, umso besser.“ Deutsche Nationalspieler sind eher ein Nebenprodukt der Nationalen Leistungszentren (NLZn). In erster Linie geht es um Spieler für den Klub, und da spielt die Nationalität keine Rolle, was auch in Ordnung ist. Rein theoretisch könnte man wunderbare NLZn haben – aber mit nur wenig Stoff für eine starke deutsche Nationalmannschaft. Die Ausbildungsinteressen von DFB und der DFL-Vereine sind nur bedingt kompatibel. Weshalb man von Jogi Löw nicht verlangen sollte, dass er 2020 und 2022 ein ähnlich starkes Ensemble in die Turniere schickt wie 2014.

        Lüneburg braucht ein regionales Leistungszentrum mit Stadion, Trainingsanlagen, Akademie und Internat!

    • @Ernst H.

      Natürlich nicht. Das habe ich weder gesagt noch heiße ich es gut. Der MTV hat ein funktionierendes Geschäftsmodell. Das ist halt im Wesentlichen darauf ausgelegt, die Kinder anderer Vereine abzuwerden. Machen wir uns aber nichts vor: Das wird bei dem angestrebten JFV auch nicht anders sein. Betrachtet man den Lüneburger Jugendfußball in den letzten Jahren, dann kommen die meisten der großen Talente ursprünglich aus einem der Vereine im Umland. Richtige Lüneburger Jungs sind in vielen der hochklassigen Stadteams nicht mehrheitlich vertreten.

      @Peter
      Es ist doch nicht alleine sportliche Frage, in welcher Liga man spielt. „Die Gegner von einst“ haben ungleich höherere Etats. Ein Jahr Regionalliga in der Jugend kostet pro Team einen fünfstelligen Betrag, in der Bundesliga noch mehr. Wer soll das stemmen? Können solche Kosten in einem Mehrspartenverein mit nicht unerheblichen Defiziten und dazu teuren 1. Herrenteams überhaupt bewältigt werden? Mir ist nicht bekannt, dass die drei, vier angestrebten Vereine in Geld schwimmen.

      Und am Ende ist die große Frage: Wofür? Die Jungs, die in einer A-Jugend Regionalliga oder Bundesliga spielen, werden doch nicht mehrheitlich aus Lüneburg kommen. Das haben wir bei den alten LSK Teams schon gesehen und sieht man eben gerade auch bei den schon erwähnten hochklassigen JFV-Teams. Die kommen aus dem gesamten breiten Umland, d.h. bei uns sind es dann überwiegend mal wieder Hamburger Jungs. Wie viele davon werden denn dann hier in Lüneburg bleiben, in den Stammvereinen der JFV spielen und haben sich dann die Kosten für diese drei, vier Vereine auch gelohnt? Oder ist der Weg eines Matthias März, einfach die benötigten Spieler fertig vom Markt weg zu kaufen, nicht dauerhaft erfolgreicher (und günstiger)?

      Wenn man das Ende betrachtet, dann muss man sich, wie in Stade, tatsächlich auch in Lüneburg fragen, ob wir nicht insgesamt zuviele Fußballvereine haben. Oder eben genau das nicht: denn welche Stadt / Region hat schon 4 Teams in der Landesliga? Dann reicht es eben durch die Zersplitterung der Ressourcen eben „nur“ für ein großes solides oberes Drittel.

      • Immer, wenn das schöne Spiel nicht mehr ganz so schön ist, wird er gesucht. In einfachen Verhältnissen aufgewachsen und mit 15 von der Schule geflogen, hielt er sich als Bauarbeiter über Wasser, während er doch noch auf den Profi-Durchbruch hoffte: der Straßenfußballer. In den guten alten Zeiten wurden in den Lüneburger Hinterhöfen, in Sackgassen und auf Parkplätzen noch Diamanten gepresst. Acht Stunden täglich. Die Straße ist anders. Dort lernt man, ungewöhnliche Dinge zu tun, gewinnt Härte, Dribbelstärke, Witz, Schnelligkeit, Wendigkeit, Intiuition. Zugegeben, der öffentliche Raum schrumpft, Bolzplätze weichen Luxusappartments und die Fußballschuhe sind nicht mehr aus Holz. Dennoch: Auch im modernen Fußball gibt es noch einen Platz für die Spielfreude der Straßenfußballer. Man muss sie nur finden. Aber aufgepasst, bekanntlich kriegt man den Jungen von der Straße, die Straße aber niemals aus dem Jungen.

    • @ Nachdenklich, @ Peter, @ Heimspielkibice,

      gibt es eigentlich noch eine Unterscheidung zwischen Senioren- und Juniorenfußball? Oder wird der Nachwuchsfußball immer mehr zum Seniorenfußball? In der U19-Bundesliga genügen manchmal schon drei Niederlagen in Folge, damit sich auch hier das Trainerkarussell dreht. Die U19 des Profiklubs XY gewinnt in dieser Saison nicht die Meisterschaft. Aber im Gegensatz zur Meisterelf vom Vorjahr sind drei Spieler dabei, die es in die 1. Mannschaft bzw. in den Profibereich schaffen – dank guter Ausbildungsarbeit. Wovon der Klub eigentlich mehr hat als von einem Junioren-Meistertitel, der lediglich der Imagepflege dient. Aber häufig wird nur das Mannschaftsergebnis gesehen – nicht die individuelle Entwicklung von Spielern. Bereits im Nachwuchsfußball werden Trainer danach beurteilt, wie viele Titel sie eingefahren haben. Leute, die eigentlich primär ausbilden sollen, werden zu Titeltrainern, betreiben primär Titelarbeit.

      Wenn es aber in erster Linie um die Mannschaftsleistung, Ligazugehörigkeit und den Tabellenplatz geht, muss man sich nicht wundern, wenn sich auch in den Juniorenklassen ein Fußball ausbreiten kann, wie er derzeit in der Bundesliga beklagt wird. Ein von Angst geprägter Fußball, der übermäßig das Spiel „gegen den Ball“ betont (anstatt das Spiel mit dem Ball), auf lange Bälle und die „zweiten Bälle“ setzt.

      Sogar Trainer in den Altersklassen U11 und U13 bilden häufig nicht individuell aus, sondern betreiben in erster Linie Titeljagd. Für die Spieler aus aller Herren Länder geholt werden. Nach Möglichkeit solche, die über eine für ihr Alter beeindruckende Physis verfügen. Schließlich will man später mal die U17 oder U19 des Klubs übernehmen. Und die Empfehlung für diesen Job läuft über Titel. Den U11- und U13-Trainer kennen lediglich die Eltern und noch einige Insider. Die „großen Trainer“ sind die, die in der Junioren-Bundesliga in der Coaching-Zone stehen. Hinzu kommt, dass es für junge Trainer leichter geworden ist, in den Profibereich aufzusteigen. Siehe Julian Nagelsmann, siehe Domenico Tedesco. Was im Prinzip eine erfreuliche Entwicklung ist. Aber gemessen an der Gesamtzahl hochgradig qualifizierter Trainer handelt es sich um einen sehr geringen Prozentsatz. Heute möchte jeder Profitrainer werden. Aber auf dem Weg dorthin wird manchmal vernachlässigt, was die eigentliche Aufgabe eines Nachwuchstrainers ist.

      An der Basis, die gerne den großen Fußball kopiert, sieht es nicht anders aus. Auch im Nachwuchs eines Amateurvereins gibt es Trainer, die schon in der U7 selektieren und bei ihren Schülern keine Fehler dulden; die nur auf das Ergebnis schauen und dabei ihre eigentliche Aufgabe, die (vor allem technische) Ausbildung, vernachlässigen. Talent und Mut werden domestiziert. Wodurch viele potentiell gute Fußballer verloren gehen. Diese Trainer werden nicht nur vom eigenen Ehrgeiz angetrieben, sondern auch dem der Eltern der Spieler (die Mütter mischen heute auch noch mit), die in ihren Kleinen bereits künftige Profis sehen. Fußball ist vielleicht zu groß und zu sexy geworden.

      Das Ganze geht auf Kosten der Xavis, Iniestas und Co., weil sie zunächst „zu schmächtig“ sind und in den Altersklassen D- und C-Junioren weniger Erfolg garantieren als die physisch starken (aber perspektivisch manchmal schlechteren) Fußballer. Kinder und Jugendliche werden Opfer des Selbstverwirklichungsdrangs ihrer Trainer, die an der Basis häufig auch Spielervater sind. Denn der Trainer weiß: Fußball ist groß und sexy – und kann Trainer groß und sexy machen. Und sei es auch nur im Dorfverein.

      Auch in manchen Lüneburger Klubs gibt es einen regelrechten Wettbewerb zwischen den Trainern: Wer fährt am Wochenende die besten Ergebnisse ein? Der U19-Trainer hofft, dass der U17-Trainer verliert – damit er ihm in einer Phase gewisser eigener Erfolgslosigkeit nicht zu sehr auf die Pelle rückt. Der U11-Trainer hofft, dass der U13-Trainer erfolglos ist – denn er will ihn in der nächsten Saison beerben.

      Im Fußball wird viel über die Notwendigkeit zur „Individualisierung“ in der Ausbildung geredet. Die Realität ist aber eine andere. Es geht häufig primär um das Mannschaftsergebnis – nicht um die individuelle Entwicklung von Spielern. Trainer Heinz-Rüdiger gewinnt mit seiner U11 jedes Turnier und wird ständig Meister. Aber wie viele Spieler aus seiner Truppe bringen es im Seniorenalter auf ein höheres Niveau? Wie viele Spieler entwickelt er wirklich?

      Der Druck, dem die Trainer ausgesetzt sind (und dem sie sich selber aussetzen), hat zur Folge, dass sich auch im Nachwuchsfußball an der Basis, also im Amateurverein, eine Form von „Ausbildung“ verbreiten kann, die mittelfristig auf allen Ebenen die Qualität des Spiels beeinträchtigt. Und dass auch hier Trainer schon mal Spieler zerstören – weil sie für den unmittelbaren Erfolg nicht taugen. Aber mit dem Fußball ist es wie mit der Kultur: Gutes wächst von unten.

      Bleibt noch die Frage nach der Bedeutung der Ligazugehörigkeit. Ist es für einen Erstligisten tatsächlich ein Drama, wenn seine U19 oder seine U17 mal eine Spielzeit nicht in der Bundesliga verbringen? Entwickeln sich die Spieler eine Klasse tiefer wirklich immer schlechter? Oder ist die Saison ohne den Druck der Bundesliga für die Entwicklung des einen und anderen Spielers nicht sogar eher hilfreich? Zumal ja die Möglichkeit von Testspielen gegen Bundesligisten bleibt. Und der Trainer auch eine Etage tiefer ausbilden darf. Niemand hindert ihn daran, auch hier gute Arbeit zu leisten. Und der Trainer ist nun mal für die Entwicklung junger Spieler enorm wichtig. Wichtiger als die Spielklasse.

      Welche Funktion hat eine Jugendabteilung? Soll sie vornehmlich Titel einfahren, oder soll sie vornehmlich durch gute Ausbildung dafür sorgen, dass eine möglichst große Zahl von Spielern das für sie mögliche höchste Niveau erreicht?

      Ein Beispiel aus dem Amateurbereich: Ein münsterländischer Dorfverein spielt in der Landesliga. U15 bis U19 dieses Vereins in der Bezirksliga, der „Bundesliga“ der Dorfvereine. Einige meinen nun, die Bezirksliga müsse um jeden Preis gehalten werden. Mit Blick auf die „Erste“ des Vereins, die zu 90 % aus heimischen Kräften besteht. Die Bezirksligazugehörigkeit der Juniorenmannschaften basiert aber teilweise (in einem Fall sogar zum großen Teil) auf auswärtigen Kräften, die dem Verein in der Regel bei Erreichen des Seniorenalters den Rücken kehren. Und beim Abstieg einer Juniorenmannschaft sowieso. Was bedeutet, dass es weniger um eine Gesamtperspektive geht, sondern um einzelne Mannschaften und deren Status. Und: Etwa 70 Prozent der Eigengewächse in der „Ersten“ haben in der Jugend nie in der Bezirksliga gespielt… Sie wurden einfach gut ausgebildet. Und der Trainer der „Ersten“ verwaltet diese Spieler nicht, sondern setzt deren Ausbildung fort.

  4. Was für Kleingeister. …..

    • Immerhin, Ingoh: Deutschlands älteste Schiedsrichterin bleibt am Ball

      Heidemarie Wegner (75) aus Wolgast hat Tausende Fußballspiele geleitet. Aufhören? Für sie kein Thema.

      Hier weiterlesen: https://www.sportbuzzer.de/artikel/deutschlands-alteste-schiedsrichterin-heidemarie-wegner-gabfaf/

    • Ich verstehe den Zusammenhang nicht. ?! Aber das geht mir mit der Werbung für Damenbinden beim Fussball nicht anders……

      • Typisch, hattest du dann vielleicht dich mitgemeint, als du Mike Oelfke, Ralf Sievers, Philipp Meyn, Manfred Vogt, Christoph Steiner und Manfred Nitschke gestern Mittag als „Kleingeister“ eingestuft hast …?

        55 Jahre Engagement im Ehrenamt wie Heidi, das ist nicht so dein Ding, oder? Du maulst lieber und verteilst Intelligenzatteste als Häschenschullehrer hinter hasenburger Hecken hervor, hab ich recht?

        • Und was hat die Heidi mit dem Thema zu tun? Mit Kleingeister sind hier einige Kommentare gemeint. Die sechs Herren kenne ich seit Jahrzehnten persönlich und das sind mit Sicherheit keine Kleingeister.

          • Ingoh, hast du den auch „content“ zur Sache vorzubringen? Oder haust du bloß ab und zu so ˋne kleine Schimpfkanonade raus, um dich wohlzufühlen? Wer ist denn warum ein Kleingeist? Es ist hier doch inzwischen schon eine ganze Menge pro und contra vorgebracht worden. Wird Zeit, dass du deine Position mal begründet darlegst, um zu dokumentieren, mit wieviel Recht du andere von der luftigen Höhe deiner Überlegenheitsstelzen herunter abkanzelst.

            Und Heidi hat soviel mit dem Thema zu tun, wie ohne Menschen wie sie in kaum einer Sportart überhaupt irgendwas möglich wäre. Du brauchst die Talente, du brauchst aber auch die Leute, die sich um die Talente kümmern und den Betrieb am Laufen halten — unentgeltlich! Hängt alles miteinander zusammen. Der beste Jugendförderverein nützt gar nichts, wenn weder die Jugend noch die Förderer da sind.

            Also, auf jetzt! Erklär mal, wie du die Dinge siehst!

  5. Die umfassende Analyse des Ist-Standes ist weitgehend zutreffend.
    Und ich wage zu bezweifeln, dass der „versammelte Sachverstand“ aus dem Schallander sich ernsthaft einmal mit den entsprechenden Ordnungen des Fußballverbandes auseinandergesetzt hat, die für den „neuen Verein“ beiżuziehen wären.

    Eine nahezu funktionierendes Neu- Konstrukt ist in Stade entstanden, wo man Nägel mit Köpfen gemacht hat und aus einem Jugendförderverein in der Konsequenz auch eine Zusammenlegung der beiden großen Stader Vereine hinbekommen hat.

    Aber es soll eine Informationsveranstaltung geben, kündigte man via LZ zumindest an. Zuhörer wird es geben, inwieweit sie interessiert sein werden: warten wir’s ab…

  6. Heimspielkibice

    Solange in den Vereinen die „Alten“ das Sagen haben, bei denen man immer noch verknaust ist, weil kurz nach dem Krieg mal einer aus einem Verein einem aus dem anderen Verein das Fahrrad geklaut hat, wird das nichts werden.

    Schon bald wird man aber in allen Vereinen merken, dass die Strukturen zusammenbrechen. Sowohl bei Spielern als auch bei Trainern und Schiedsrichtern. Dann wird es zwangsläufig Kooperationen geben.

    Und wenn die Ausgangslage so trist ist, wie es „Nachdenklich“ beschreibt, dann muss eben erstmal das Bezirksniveau als erstes Ziel herhalten. Jeder Marsch beginnt mit einem ersten Schritt (Mao).

  7. Ich finde, Heinz-Karl hat recht. Es wird viel geredet, aber man erfährt nicht, worüber. Wie würde denn so ein „Jugendförderverein“ idealer Weise konkret funktionieren? Kann mir das mal jemand erklären?

  8. Der Ansatz ist mutig, aber richtig. Sehr schwierig deshalb, weil man jahrzehntelang gewachsene Einstellungen ändern muss, und das ist immer das Schwerste. Da haben sich die sechs was vorgenommen. Wahrscheinlich steigt eher der LSK weitere fünf Jahre nicht ab, als dass es was wird mit der gemeinsamen Jugendförderung, es wäre ja zu schön. Die Idee mit den auswärtigen Referenten ist gut, vielleicht öffnet das mal den Blick.

    Man muss allerdings nicht bis zu Ralf Sievers zurückgehen, um erfolgreiche Vorbilder zu finden. Maximilian Beister hat wo das Fußballspielen gelernt? In Lüneburg, beim VfL. Und Patrick Owomoyela hat es nach drei Jahren LSK, als Achtzehnjähriger gekommen, später zu elf Länderspielen gebracht. Zeigt einfach den Jungtalenten, dass auch von LG aus was möglich ist.

    • Bitte Detlef Olaidotter und Leroy Sané nicht vergessen. Wobei der letztere zwar nicht in Lüneburg ausgebildet worden ist, aber mit den Sievers (Ralf und Jörg), Beister, Owomoyela, Aidara, Wagner, Posipal, Wriedt usw. gemein hat, dass KEINER von ihnen aus einem „Jugendförderverein“ hervorgegangen ist oder auf Ratschläge von „auswärtigen Referenten“ wie Carsten Schult, Stefan Wulf oder Jürgen Stebani angewiesen war.

      Wäre schön, wenn Franz, efde oder Checker endlich einmal erklären würden, wofür sie hier eigentlich (gemeinsam mit dem ergrauten Biertrinkersextett aus dem Schallander) die Werbetrommel rühren!!!

      • Seit grauer Vorzeit, als auch ich noch gegen den Ball getreten habe, hat sich, behaupte ich mal, eines nicht geändert: Wenn ich richtig gut werden will, muss ich es mir gefallen lassen und noch vielmehr, ein Interesse daran haben, in jedem Training und in jedem Spiel auf Fußballer zu treffen, die auch mal besser sind als ich. Nichts ärgert, also stimuliert doch mehr, als mal so richtig ausgedaddelt zu werden, oder direkt am Mitspieler zu sehen, daß der viel schneller und genauer in Ballannahme und Schuß ist als man selbst.
        Wenn ich aber selbst vielleicht schon ein richtig Guter bin, der aber noch weiteres Potential hat, finde ich solche Spieler nicht so häufig im eigenen Verein, wenn der nicht Schalke 04 mit Deutschlands bester Jugendabteilung heißt. Deshalb macht das Zusammenziehen der besten Jugendspieler einer Region eine Menge Sinn. Wie auch immer das funktionieren soll.

  9. Was sagts du nun, Ingoh? Der Lüneburger SK hat Alessandro-Claudio Dente vom MTV Treubund für die neuen Saison verpflichtet: https://www.landeszeitung.de/sport/aktuelles/240702-dente-ziehts-zum-lsk

    Und warum denn auch nicht? Warum sollte Al Dente nicht gelingen, was das Schweinchen Alistair aus Großbritannien ihm vorgemacht hat? „Nachts schlich es sich zum Kuscheln immer in den Stall zu den Lämmern. Die Herde adoptierte es“: https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/aus-aller-welt/2588583-schweinchen-alistair-glaubt-sie-sei-ein-schaf

    Wenn die Zeit kommt und die Schafe aufs Feld dürfen, wird Alistair sie begleiten, sagt Keith Cook, der die Farm führt. „Wenn sich einmal eine Herde gebildet hat, dann bleibt das auch so.“ Und den Lämmern ist es offenbar egal, dass das Schwein kein Schaf ist.

    Erwähnenswert noch: Weder Alessandro noch Alistair haben für diesen Karriereschritt die Hilfe eines „Jugendfördervereins“ benötigt.

    Und abschließend eine Frage: Was meinst du, Ingoh, wird der Lüneburger Förderverein, falls er jemals Gestalt annimmt, sich exklusiv um die Herren der Schöpfung kümmern? Oder ist auch an die Förderung der weiblichen Fußballjugend gedacht?

    (Ach übrigens: Alistair ist eine Dame mit einem männlichen Vornamen. Denn als das Ferkel geboren wurde, hielt „ein auswärtiger Referent“, ein Student des East Durham College, der auf der Farm arbeitete, das kleine Sattelschwein versehentlich für ein männliches Exemplar. Merkwürdig, oder?)

    • An die weiblichen Talente wird jetzt schon gedacht, die dürfen nämlich bei den in der Regel stärkeren Jungen mitspielen und können sich daher oftmals besser entwickeln als unter gleichaltrigen Mädchen. Sie dürfen auch ein Jahr älter sein als die Jungen und mittels Zweitspielrecht in einem weiteren Verein spielen, in dem z.B. ausreichend Mädchen mit Talent vorhanden sind (Beispiel VfL Wolfsburg)

  10. Was sind wir Gottgläubigen froh und glücklich, dass den Wortphantasten des Forums der Zugang zum wirklichen Sport stets verborgen geblieben ist!

  11. Für einen philosophisch informierten Agnostiker des 4. vorchristlichen Jahrhunderts argumentierst du ziemlich erbärmlich. Woher willst du denn wissen, „dass den Wortphantasten des Forums der Zugang zum wirklichen Sport stets verborgen geblieben ist“? Thomas Helmer, Matthias Sammer und Lothar Matthäus sind doch Beispiele dafür, dass schneidender journalistischer Scharfsinn und ein Massenpublikum medial mitreißende Eloquenz („Wäre, wäre, Fahrradkette“) eine Karriere als Nationalspieler und Weltfußballer keineswegs ausschließen. Was dich „froh und glücklich“ macht, beruht also auf falschen, auf Voreingenommenheit und Denkfaulheit hinweisende Annahmen. Und dein Drang, solch einen Geisteszustand via LZ öffentlich bekannt zu machen, sollte Grund genug für dich sein, die Zahl der von dir genommenen kalten Duschen von fünf auf fünfzehn pro Tag zu erhöhen.

    Falls zwischenrein noch Zeit ist, wäre es schön, wenn du endlich einmal erklären würdest, wofür du, wie Kai schreibt, „hier eigentlich (gemeinsam mit dem ergrauten Biertrinkersextett aus dem Schallander) die Werbetrommel rührst“!!! Checker hat ja einen Aspekt genannt, allerdings nicht erklärt, wo der Unterschied zum System der bezirks-, der regional-, der landes- und bundesweiten Auswahlmannschaften liegen soll, über das zum Beispiel Ralf Sievers und ich in den 80er Jahren nach oben gekommen sind. Also: Was soll ein „Jugendförderverein“ genau sein und leisten? Was sollte z. B. ein Herr Stebani, der Bezirksklassenstürmer vom SVI aus den 70er Jahren, den 10 bis 14jährigen Talenten von heute erzählen können?

    • Ging es nicht um eine Jugendspielgemeinschaft in der der Vorteil besteht, das die leistungsstarken Talente über alle Vereine hinweg zusammengefasst werden können, um sich wieder mit ebensolchen aus anderen Vereinen in höchstem Jugendspielklassen messen zu können? Früher war der Talentpool deutlich größer, sodass es einfacher war spielstarke Gegner und Mitspieler in der Region zu finden. Heutzutage müsste man schon die Kräfte bündeln, um entsprechendes zu erreichen. Um aber zu schauen was zu erreichen ist, ist es sicherlich sinnvoll sich überhaupt mal mit dem Thema zu beschäftigen und Erfahrungen einzuholen von Vereinen, die diesen Schritt schon vollzogen haben. Von daher finde ich das Engagement von den Sechsen sehr Klasse. Weitere Vorteile könnten z.B. auch sein, dass man die Trainerbasis gleich mit verbreitern kann und einige Einzelkämpfer unter ihnen, Kollegen in ihren Jahrgängen bekommen, weiter kann Administration zusammengefasst werden und Sponsoren können für das ganze gewonnen werden, die jetzt manchmal nicht einzelne Vereine bevorzugen möchten.

      • WARUM war denn der Talentpool „früher“ (Wann war und wann endete das?) deutlich größer, obwohl die Bedingungen (Plätze, Ausstattung, Methoden, Anfahrtswege usw.) oft deutlich schlechter waren? Müsste bei der Frage nicht mal angesetzt werden?

        Gibt es nicht zwischen einer Jugendspielgemeinschaft und einem Jugendförderverein deutliche rechtliche und organisatorische Unterschiede? Was wäre warum besser?

        • das Talentpool war deutlich größer aufgrund der Jahrgangsstärken und weil die Kinder und jungen Erwachsenen deutlich körperlich aktiver draußen unterwegs waren und daher mehr Physis wie Kraft, Ausdauer und Zähigkeit hatten. Auch wurden eher körperliche Tätigkeiten ausgeübt in Lehre und Beruf, ob auf dem Bau, beim Bauern oder sonstwo. Die Athletik war daher auch in unteren Klassen höher.

  12. Wann lesen wir hier die heimatkundliche Jugendförder-Expertise von Olaf Ben Boles, dem für die LünePost Meinungen geigenden Kevin Keegan-Kenner aus Grevenbroich?

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