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Carsten Schult (r.) informierte über die Gründung des JFV A/O/Heeslingen. Foto: be

Eine Chance auch für Lüneburg?

Die Lage ist ernst, die Aussichten sind düster. „Das ist nicht das Niveau, das Lüneburg haben könnte“, meinte Carsten Schult mit Blick auf die aktuellen Jugendfußball-Tabellen auf Landes- und Bezirksebene. Die A-Junioren des MTV Treubund spielen im Mittelfeld der Niedersachsenliga, ansonsten tummelt man sich mehr oder weniger erfolgreich in den Landesligen. Schult hat vor gut einem Jahrzehnt den Jugendförderverein Ahlerstedt/Ottendorf/Heeslingen mitgegründet, war bis vor Kurzem 1. Vorsitzender des JFV. Und er warb jetzt im Vereinsheim des MTV Treubund für eine Bündelung der Kräfte auch in Lüneburg.

Verantwortliche des MTV Treubund, des VfL und des LSK Hansa hörten sehr aufmerksam zu, sie waren auf Einladung einiger Fußballinteressierter wie Manfred Nitschke, Ralf Sievers und LZ-Chefredakteur Christoph Steiner zusammengekommen. „Wenn in der Region nichts passiert, werden wir abgehängt“, meinte Jürgen Stebani (Melbeck) als Verbandsverteter – und erntete Zustimmung von allen Seiten. Dennoch gibt es noch viele Vorbehalte in den Vereinen. Reaktionen:

Volker Harms (2. Vorsitzender der Fußball-Abteilung im MTV Treubund): „Wir gehen ergebnisoffen in dieses Informationsgespräch rein. So ganz schlecht haben wir das in den vergangenen Jahrzehnten aber auch nicht hinbekommen.“

Martin Wilke (Nachwuchsvorstand LSK Hansa): „Selbst wenn es einen toll funktionierenden JFV geben würde, könnten wir zunächst kaum davon profitieren. Wir müssen erst einmal versuchen, unsere Jugend nachhaltig im Verein zu halten. In absehbarer Zeit werden wir nicht so hoch spielen können, das liegt auch an den Trainingsbedingungen. Aber es ist für uns eine Option, mit den beiden anderen einen JFV zu bilden.“

Matthias Merz (Fußballobmann VfL Lüneburg): „Der Handlungsbedarf ist akut. Ich befürchte, wir kommen schon zwei Jahre zu spät. Die große Frage ist, ob man die gesamten Ressentiments ablegen kann. Wir drei hier mögen uns, aber das würde ich bei den aktuellen Vorständen ausschließen.“

In Lüneburg herrscht zweifelsohne seit Jahrzehnten eine Jeder-gegen-jeden-Stimmung mit den bekannten Folgen. Schult berichtete von dem auch nicht ganz einfachen Gründungsprozess seines JFV. Ahlerstedt/Ottendorf (Stade) und Heeslingen (Rotenburg) liegen in benachbarten Kreisen, hatten zuvor nur wenige Berührungs- und damit auch Konfliktpunkte. „Der wichtigste Punkt ist Vertrauen. Sonst können Sie das von vornherein vergessen“, meinte er. „Wenn man die Vergangenheit nicht abwirft, braucht man das erst gar nicht starten.“

Dass sich die Mühe zumindest in seiner Region gelohnt hat, steht für den langjährigen JFV-Chef außer Frage. A- und B-Junioren sind Stammgäste in der Regionalliga oder Niedersachsenliga, die Förderung beginnt aber schon in der U 13, in der die Kräfte der Stammvereine erstmals gebündelt werden – und in die auch viele Talente aus dem Umkreis integriert werden. „Wir wollen die Fußballer nicht nur mit Geld, sondern auch emotional an uns binden“, betonte Schult.

Und das gelingt in beiden Stammvereinen. A/O hatte am vergangenen Wochenende zehn Spieler aus der eigenen Jugend in der Landesliga eingesetzt, Heeslingen acht in der Oberliga. Dutzende Spieler wechselten vorübergehend oder dauerhaft in Nachwuchsleistungszentren der Proficlubs, vor allem zu Werder Bremen, dem Kooperationspartner des JFV A/O/Heeslingen. „Wir bedauern sehr, wenn wir gute Jungen verlieren. Aber wir freuen uns, wenn die ihren Weg gehen können“, verdeutlichte Schult.

Gemeinsame Nutzung der Infrastruktur sowie die Ausbildung und Förderung qualifizierter Trainer nannte er als weitere wichtige Punkte. Und die Erstellung von Regeln, an die sich alle halten. Zu welchem der beiden Stammvereine zum Beispiel wechselt ein Spieler, wenn er aus dem Jugendalter raus ist? „Wir haben das nicht zu bestimmen“, verdeutlichte Schult. „Das ist allein die Entscheidung des Spielers.“

Harms, Wilke und Merz saßen nebeneinander, nickten immer wieder zustimmend. Platznot, Trainermangel – all‘ diese Probleme sind auch an der Ilmenau sattsam bekannt, dazu die Frage, wie das alles zu finanzieren ist. „Es gibt Sponsoren, die wollen nicht den LSK oder den MTV unterstützen“, erzählte Manfred Vogt, ehemaliger MTV-Jugendtrainer und einer der Initiatoren dieses Abends, „sondern den Lüneburger Jugendfußball insgesamt.“

Der erste Schritt ist getan. Aber viele weitere müssen noch folgen.

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