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26. September 1970: Die Fußballerinnen des LSK bestreiten ihr erstes Spiel. Das lockt mehr als 600 Neugierige in den Wilschenbruch. Foto: mac

Die jungen Mädchen bemühten sich redlich…

Der deutsche Frauenfußball feiert 2020 sein 50-jähriges Jubiläum. Am 31. Oktober 1970 hob der DFB das Frauenfußball-Verbot offiziell auf. 1955 hatte der Verband das Verbot erlassen mit der Begründung: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“

Dennoch setzte sich vielerorts der Frauenfußball durch, ehe er vom DFB offiziell erlaubt wurde. Doch in seinen Anfängen wird der Frauenfußball von der Männerwelt belächelt und mit Chauvi-Sprüchen überhäuft. „Mancher hat nur zugeguckt, um uns in kurzen Hosen sehen zu können“, sagt Karin Konrad. Die heute 75-Jährige gehörte damals zum ersten Frauenteam des LSK und schildert am Donnerstag in der LZ ihre Erinnerungen an die Siebziger Jahre im Frauenfußball.

Den ersten Auftritt hatte diese Mannschaft am 26. September 1970 bei einem Spiel gegen eine Auswahl Lüneburger Gastronomen. „Da war richtig Stimmung“, erinnert sich der damalige Trainer Klaus „Tuta“ Beckmann, der das Duell eingefädelt hatte. Dass sich zu diesem Spiel 600 Zuschauer einfanden, zeugt davon, wie neugierig die Männer auf die Damen in kurzen Hosen waren…

Hier ist der damalige LZ-Bericht dieses Spiels:

Aller Anfang ist schwer! Diese Erkenntnis mußten die Fußball-Damen des Lüneburger SK sicherlich aus ihrem ersten Spiel gegen eine Vertretung der Lüneburger Gastronomie gewinnen, das nach einem 3:4-Pausenstand mit 6:6 endete. Die Sympathien der mehr als 600 Zuschauer in Wilschenbrook waren dabei allerdings eindeutig auf Seiten der jungen Mädchen, die sich in ihrem ersten Spiel redlich bemühten, wenn auch noch nicht alles, wie vielleicht erhofft, klappte.

Etwas verunsichert durch die große Zuschauerzahl begannen die Mädchen gegen ihre männlichen Kontrahenten mit viel Hemmungen, denn häufig trauten sie sich nicht, kräftig gegen den Ball zu treten oder man wollte der Mitspielerin den Ball überlassen, während diese gerade den gleichen Gedanken hatte. So war es auch nicht verwunderlich, daß die Gastwirte, trotz manches sicherlich hinderlichen Bauches, mit 2:0 in Führung gingen, ehe den Mädchen der Ausgleich gelang. Zur Pause allerdings hatten sich die Herren wieder einen 4:3-Vorsprung erobert.

Mit einem neuformierten Sturm und einer veränderten Abwehr, genügend Spielerinnen standen Trainer Klaus Beckmann in diesem Spiel zur Verfügung, begannen die Mädchen die zweite Hälfte schon etwas selbstsicherer. Sie mußten zwar ziemlich früh das 3:5 hinnehmen, glichen jedoch durch einen herrlichen Volleyschuß und einen unhaltbaren Elfmeter aus. Als dann gar das 6:5 gelang, war der Jubel, vor allem unter den männlichen Zuschauern, groß.

Weniger mit Beifall als mit Pfiffen, wurde wenige Minuten vor dem Abpfiff der Ausgleich der Gastwirte bedacht, die den Fußball-Damen ihren ersten Sieg nicht kampflos überlassen wollten und ausglichen.

Nach diesem ersten Spiel einer Damen-Mannschaft auf Lüneburger Rasen bleibt zu hoffen, daß für die nächste Partie als Gegner ebenfalls eine Mädchen-Vertretung gefunden wird. Vor dem ersten Sieg wird sicherlich noch einiger Schweiß stehen, der in den gemeinsamen Trainingsstunden vergossen wird. Bei dem bisher an den Tag gelegten Fleiß sollte den Mädchen aber auch ein Erfolg bald vergönnt sein.

Das erste Damenteam des LSK mit Trainer Klaus Beckmann. Foto: mac

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