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Video: Schwierige Phase für die SVG

Die SVG Lüneburg kassierte mit dem 0:3 gegen Spitzenreiter Berlin die vierte Niederlage in Folge in der Volleyball-Bundesliga. Wie bewerten Trainer, Spieler und Fans die Lage? Zum Video bei LZplay.

4 Kommentare

  1. Johann S. Kirsche

    Die „Eventisierung“ des Volleyballs, welche der sogenannte Masterplan der Volleyball-Bundesliga (VBL) seit 2014 jedem Vereinsmanager mit Ambitionen empfiehlt, ist ein gigantisches Zuschussgeschäft, das zumeist auf Kosten der jeweils betroffenen Kommunen angekurbelt wird — aber immer auf Kosten der beteiligten Kommunen endet. Im Zentrum dieser Marketing-Maßnahmenliste, die unter umtriebiger Mitarbeit von VBL-Vize und SVG-Chef Andreas Bahlburg entstanden ist, steht der Wechsel von der „Turnhalle“ in die „Multifunktionshalle“ mit einfarbigem Spielfeld, digitalisiertem LED-Bandensystem und audiovisueller Illusionsmaschinerie ganz oben an. „Volleyball soll zum Produkt, die Spiele sollen zum Event werden.“ Und „die Investoren“ von Zeit, Energie und Hoffnung (wie Bahlburg) möchten natürlich Geld mit ihrem Showbiz verdienen. Damit das klappt, sollen die Vereine sich „professioneller aufstellen“, größere „mediale Präsenz“ erzeugen und mehr Sponsorengelder akquirieren.

    Das klingt gut. Nur funktioniert es leider nirgendwo.

    Die „Arena Lüneburger Land“ ist vorrangig eine Maßanfertigung für Herrn Bahlburgs SV Gellersen Spielbetriebs GmbH. Jeder Lüneburger weiß das. Nur kann und wird die SVG nie mehr als höchstens 15 „Events“ in der Halle feiern. Was passiert an den restlichen 350 Tagen? Eine Bedarfsbetrachtung für die Arena hat es in Lüneburg nie gegeben. Hier zählten Bräsigkeit und „Bauchgefühle“. Und die „Marketing-Mythen“ von SVG-Sponsor Klaus Hoppe über „die Arena der tausend Möglichkeiten“ und von SVG-Geschäftsführer Andreas Bahlburg über den „Imagetransfer“ des „Spitzensports“ auf das Ansehen unserer Stadt bis hin zu den behaupteten Besucherzahlen der Gellersenhalle (ich erinnere an das LZsport-Interview vom 31. Januar 2020, Seite 21) scheinen überwiegend poetischen Wunschfantasien entsprungen zu sein, um nicht zu sagen, sie sind frei erfunden. (Vgl.: https://blog-jj.com/2020/01/27/arena-roulette-mit-hohem-einsatz-um-steuern-und-betreiber/#comment-9367)

    Die erste Volleyball-Bundesliga der Herren hat in den vergangenen fünf Saisons keinen regulären, sportlichen Absteiger gehabt, da jedes Jahr mindestens ein Team Pleite ging. „Ob es in Frankfurt und Haching weitergeht, ist fraglich. Rekordmeister VfB Friedrichshafen steckt finanziell in der Krise. Aufgrund der klammen Finanzlage will kaum ein Zweitligist ins Oberhaus. Zuletzt wollte in dieser Saison (s.o.) der VC Eltmann, der erste Aufsteiger seit vier Jahren.“ Der hatte sich aber finanziell übernommen und muss mittlerweile ganz kleine Brötchen backen. Kein Einzelfall: Moers, Bottrop, Dresden, Coburg, Wuppertal, Mitteldeutschland, Solingen, – das sind sieben Teams, für die es in den letzten acht Jahren zu einem bitteren, teuren Ende kam im Bundesligavolleyball.

    Einen realen Anhalt dafür, dass Volleyball für Lüneburg einen echten, durch anhaltend steigende Gast-, Besucher- und Übernachtungszahlen ermöglichten wirtschaftlichen Gewinn oder auch bloß einen (wiederum ökonomisch relevanten) Ansehenszuwachs generieren könnte, ist weder durch empirische Erhebungen noch durch glaubwürdige Zahlen aus Medienresonanzanalysen usw. nachweisbar.

    Gerade heute erschien auf SpiegelOnline ein Artikel, der alle diese in Reppenstedt bereits lokal fass- und erlebbaren Risiken für ganz Deutschland bestätigt. Die Überschrift der Brandschrift lautet „MASTERPLAN MIT MÄNGELN“ und das Resümee:

    „Vom großen Ziel, mit Basketball, Handball und Eishockey gleichzuziehen, ist der Volleyball weit entfernt. Während der Mindestetat bei den Volleyballern bei 250.000 Euro liegt, sind es bei den Basketballern drei Millionen Euro. Den niedrigsten Etat bei den Handballern – Ludwigshafen mit 1,2 Millionen Euro – würden sich in der VBL die meisten wünschen.

    Ganz zu schweigen vom Zuschauerzuspruch. Maximal 1500 Fans ziehen die Volleyballer pro Spiel an. Mit Handball (4884), Basketball (4178) oder Eishockey (5539) kann nur der fünffache Meister Berlin mithalten. 5000 Zuschauer strömen regelmäßig in die Max-Schmeling-Halle. Spitzenwert in Europa. Geschäftsführer Niroomand sagt daher: ‚Wir wollen weiterhin als Lokomotive für Volleyball-Deutschland fungieren. Aber von den anderen Vereinen muss noch mehr kommen.‘ Die zarten Erfolge des Masterplans stehen auf einem wackligen Fundament.“

    DER SPIEGEL, 19. Februar 2020, Link siehe oben bei „Ball über die Schnur“

    • In Lüneburg gibt es weit und breit niemanden in der Lokalpolitik, dem auch nur ein Hauch Sportkompetenz anhaftet… Mit Event-Kompetenz verhält es sich gar ebenso, der Begriff „Bräsigkeit“ Johann S. Kirsche trifft es schon recht passend!

      • Na, so ganz stimmt das aber nicht. Immerhin sitzen Henrik Philipp Morgenstern, der SVG-Marketingchef, und Dr. Thomas Buller, der SVG-Mannschaftsarzt, im Sportausschuss des Rates der Hansestadt Lüneburg. Und Andreas Bahlburg, SVG-Geschäftsführer, ist beratender Beisitzer im Sportausschuss des Kreistages. Für Volleyball-Kompetenz ist in den Entscheidungsgremien also gesorgt.

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