Home / Aktuelles / Langeweile sorgt für verrückte Ideen
LSK-Kapitän Lukas Pägelow glaubt nicht mehr an eine Fortsetzung dieser Saison. Foto: be

Langeweile sorgt für verrückte Ideen

Kein Mannschaftstraining, keine Spiele – die Fußballer sind schwer genervt von den Einschränkungen durch das Corona-Virus. Da hilft auch das Zocken an der Konsole nur bedingt. LSK-Kapitän Lukas Pägelow im Interview.

LZsport: Hallo Lukas, was machst du gerade?

Pägelow: Ich komme gerade vom Laufen zurück. Wir haben ja jeder einen individuellen Trainingsplan bekommen, an den ich mich natürlich halte.

LZsport: Was beinhaltet der Plan?

Pägelow: Hauptsächlich Laufeinheiten und dazu ein paar Stabilisations- und Kraftübungen.

LZsport: Rechnest du noch damit, dass die Saison fortgesetzt wird?

Pägelow: Ich denke nicht, dass wir in dieser Saison noch spielen. Wie stehen mit der Corona-Epidemie ja erst am Anfang. Selbst wenn es noch Spiele geben sollte, dann wahrscheinlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und ohne Zuschauer zu spielen, macht für uns in der Regionalliga keinen Sinn. Aber es gibt jetzt wichtigere Sachen als Fußball.

LZsport: Es heißt, um dem Verein in der schwierigen Phase zu helfen, haben die LSK-Spieler auf Teile ihres Gehalts verzichtet. Stimmt das?

Pägelow: Das ist unterschiedlich von Spieler zu Spieler. Manche haben das gemacht, bei manchen ist das aber nicht möglich.

LZsport: Am Sonntag habt ihr nach deiner Idee auf Facebook ein virtuelles Spiel gegen St. Pauli ausgetragen, bei dem die Fans mit ihren Kommentaren den Spielverlauf erdacht haben.

Pägelow: Ja, wenn man Langeweile hat, kommen einem verrückte Ideen. Im Moment haben sicherlich alle Mannschaften in der Regionalliga an der Krise zu knabbern – außer den zweiten Mannschaften vielleicht. Da tun solche Aktionen wie am Sonntag mal ganz gut.

LZsport: Was machst du ansonsten gegen die Langeweile?

Pägelow: Ein paar Sachen, die man sonst gern mal aufschiebt. Aufräumen oder was für die Uni machen. Und ab und zu natürlich zocken auf der Playstation gegen den einen oder anderen Mannschaftskollegen. So kann man das Mannschaftsgefüge ein bisschen aufrechterhalten.

LZsport: Der LSK versucht gerade über Spenden seine fehlenden Einnahmen zumindest teilweise zu kompensieren. Wie ist es um die Solidarität bestellt?

Pägelow: Viele sind sehr solidarisch mit dem LSK, das ist super. Man merkt, dass es Fans und Unterstützer gibt, die in schweren Zeiten ihr letztes Hemd geben. Unternehmer, die trotz ihrer eigenen Probleme dem Verein etwas spenden.

4 Kommentare

  1. Zocken auf der Playstation, um den sozialen Zusammenhalt zu wahren, und auch ein paar Sachen, die man sonst gern mal aufschiebt, wie Aufräumen oder sogar was für die Uni machen, als Mittel gegen die Langeweile? Das nenne ich Sinn für Prioritäten. Wo auf dieser Skala wesentlicher Lebensinhalte rangieren die Fußnagelpflege und das iPhone-Aufladen?

    • Wenn man von Deutschlands führendem Regionalligaverein in Lüneburg rekrutiert wird, freut man sich zwar wie Bolle, kriegt aber auch leichtes Muffensausen eingedenk des berüchtigten Wilschenbruch-Zaubers. Zumindest mir ging es so. Denke ich an die vielen LSK-Legenden, die vor ihrer Zeit aus dem Leben geschieden oder üblen Gebrechen anheimgefallen sind, bin ich wirklich geneigt zu glauben, ein Fluch laste auf diesem Verein, übrigens unabhängig vom aktuellen Club-Sitz (wir sind bekanntlich vor knapp einem Jahr von einer metropolitanen Kapitalistenanlage in eine rurale Parklandschaft an der Neetze umgezogen). Und dieser Eindruck verfestigt sich jedes Mal, wenn wieder eine Kollegin oder ein Kollege von Keuchhusten, Kniebrüchen oder grippalen Gefechten außer Infekt gesetzt wird, äh: andersrum.

      An mir ist dieser Kelch bislang – psychische (Vor-)Belastungen bewusst ausgeklammert – gottlob vorübergegangen. Ich verfüge noch über all meine wichtigsten Organe, ich habe meine Allergien im Griff, meine Sehkraft hat nicht sonderlich nachgelassen, und ich halte seit zehn Jahren meinen BMI. Gesamtbilanz: Mit einer Kehlkopfentzündung, einem schweren Kater und einer Lebensmittelvergiftung durch den aserbaidschanischen Geheimdienst (Verdacht) dürfte ich es auf kaum sieben krankheitsbedingte Fehltage gebracht haben. Ähnlich abgehärtet ist höchstens Bürogenossin Virginia Wewerka, aber die darf sich ja auch regelmäßig an heilsamer norddeutscher Meeresluft gütlich tun.

      In der letzten Spielvorbereitungphase hat es mich dann aber doch erwischt: Nackenbeschwerden machten mir drei Tage lang zu schaffen. Jede Bewegung des Halses ließ mich exaltiert jammernd zusammenzucken, und ich hatte keine Ahnung, wo das herkam. Ein heißes Kirschkernkissen im Trikot verschaffte kurzzeitig Linderung, hat aber in mein Gehirn, genauer: ins Sprachzentrum gestrahlt, so dass ich jetzt Ausdrücke wie „Muffensausen“ und „sich freuen wie Bolle“ benutze. Abwarten und Tee trinken hat letztlich geholfen. Beinahe hätte ich in Erwägung gezogen, jene „fliegenden Masseurinnen“ einzubestellen, die uns mal vor Wochen in einer Kneipe in Ägypten ungefragt ihre Dienste anpriesen. Was für ein Albtraum: Da kommen wildfremde Menschen in deine Umkleide und kneten dir den Rücken! Aber damit ist’s ja vorerst eh „Essig“, wegen Corona. Ach ja, Covid-19 – daran werden wir selbstverständlich alle zugrunde gehen 😉 Doch das ist ein Thema für Juris kommende Pressekonfi.

    • Immer noch besser als in Foren irgendwelche Kommentare zu verfassen, oder? Das finde ich ziemlich sinnlos, wobei ich das ja auch gerade machen. Ein klassisches Paradoxon.

      • Und, mein Lieber? Die Sinnlosigkeit (genau wie die Langeweile oder die Erbsenzählerei) und ihre sprachliche Form, das Paradox, sind Ausdruck existentieller Absurdität. Hat dir der alte Zielinski das nicht eingetrichtert?

        Nach Albert Camus, Autor von „Die Pest“ (La peste, Paris 1947), dem Buch der Stunde, gibt es drei aufeinander folgende Stufen des Umgangs mit solcher Absurdität:

        – ihre Erkenntnis
        – ihre Annahme
        – die aufbegehrende Revolte

        In der Revolte gegen das Absurde, als Reaktion auf das Annehmen der Absurdität, kann sich der „absurde Sportliebhaber“ selbst verwirklichen und zur Freiheit finden. Dem eigentlichen Grund der Absurdität, dem Spiel- und Saison-Ende, kann allerdings auch „Der Fan in der Revolte“ (L’adhérent révolté) nicht entfliehen:

        „Was bleibt, ist ein Schicksal, bei dem allein das Ende fatal ist. Abgesehen von dieser einzigen fatalen Unabwendbarkeit des Spielabpfiffs und der vorzeitigen Saison-Absagen ist alles, sei es Freude oder Glück, nichts als Freiheit des Kommentierens. Es bleibt eine Welt, in welcher der LZsport-Forenkommentator der einzige Herr ist.“ (Aus: Le mythe de Sisyphe; eigene Übersetzung)

        Darin gleicht der LZ-Leserbrief- und Kommentarschreiber nach Camus’ Interpretation der mythologischen Figur des Sisyphos, dessen Tun gerade in seiner äußersten und beharrlichen Sinnlosigkeit als Selbstverwirklichung erscheint:

        „Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos [= des Kommentators]. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. […] Der absurde Forenfüller sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Meinungen. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Kommentator sich seinem Sportforum zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch das Saison-Ende. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos [und damit auch Georg (und LSK-Kapitän Lukas Pägelow)] als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ — Der Mythos des Sisyphos: 86. Aufl., Reinbek, 2004. S. 159f.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.