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Der Fußballsaison droht der Abbruch. Wie geht es dann aber in der kommenden Saison weiter? Foto: be

Wohin führt der Notausgang?

Hand hoch, wer glaubt wirklich noch daran, dass die aktuelle Fußballsaison (von einer laufenden kann man ja nicht mehr sprechen) noch regulär beendet werden kann? Selbst wenn das öffentliche Leben nach dem 19. April wieder allmählich anlaufen kann, werden Sportveranstaltungen dann sicher nicht als Allererstes wieder genehmigt. Wer daran glaubt, dass wir irgendwann im Juni halbwegs pünklich rauschende Meisterfeiern erleben, der erwartet sicher auch die Ostereier vom Weihnachtsmann.

„Mit jeder Verlängerung der Auszeit wird der Abbruch dieser Saison wahrscheinlicher“, sagt Jürgen Stebani, der als Spielausschussvorsitzender gefühlt für jede Ballrotation im Norden zuständig ist. Längst geht es nicht nur um den Plan B, ein Durchpeitschen der Restsaison mit zahlreichen englischen Wochen im Mai und Juni. Es geht um die Frage: Was passiert eigentlich, wenn das nicht mehr zu bewerkstelligen ist? Im Prinzip gibt es dann nur diese drei Möglichkeiten:

Modell 1: Annullieren der Saison

Tun wir einfach so, als wenn es die Spiele zwischen August 2019 und März 2020 gar nicht gegeben hätte. Es gibt keine Meister, es gibt keine Aufsteiger und auch keine Absteiger. Wir drücken den Reset-Knopf und legen nach der längsten Sommerpause der Nachkriegsgeschichte einfach noch einmal neu los. Hätte den Vorteil, dass man ja eigentlich gar keine neuen Spielpläne schreiben müsste. Allerdings den Nachteil, dass souveräne Tabellenführer nochmals bei Null beginnen müssen und abgeschlagene Schlusslichter eine neue Chance bekommen. Das dürfte in der kommenden Saison erst recht für große Leistungsunterschiede sorgen. Was passiert zudem mit den Pokalwettbewerben? Da sind zum Beispiel noch acht Mannschaften in Niedersachsen, die jeweils nur noch zwei Siege von der DFB-Pokal-Qualifikation trennt.

Fazit: Leicht umzusetzen, aber ziemlich ungerecht.

Modell 2: Aktuelle Tabellen sind Abschlusstabellen

Wer jetzt vorn steht, hat den Aufstieg verdient. Und wer hinten liegt, muss halt absteigen. Vielleicht sollte dann nicht die absolute Punktzahl gelten, sondern die Punkte pro absolviertem Spiel, damit schiefe Tabellen gerade gerückt werden. Relegationen finden nicht statt, im Zweifelsfall steigen dann beide Teams auf oder keines ab. Pech haben die Mannschaften, die vielleicht nur ein, zwei Punkte hinter dem Rivalen liegen, aber den zu Hause sicher vom Platz gefegt hätten und außerdem ein viel leichteres Restprogramm gehabt hätten. Oder die Teams, die sich im Winter noch kräftig verstärkt haben – und dann durften die Neulinge gar nicht mehr mitspielen.

Fazit: Etwas schwerer umzusetzen und ein bisschen ungerecht.

Modell 3: Die ganz großzügige Linie

Lassen wir doch einfach alle fünf gerade sein und alle Aufstiegskandidaten tatsächlich aufsteigen. Und absteigen muss niemand – man darf nur freiwillig runter, um Teams wie dem SV Emmendorf oder dem SC Lüneburg mal einen Tipp zu geben. So haben es zum Beispiel die Volleyballer in der 2., 3. und Regionalliga gemacht, nehmen halt in Kauf, dass die Ligen ein, zwei Jahre lang etwas größer sind. Die waren allerdings schon so gut wie fertig mit der Saison. In der Fußball-Bezirksliga 1 können und wollen noch fünf Teams aufsteigen – für alle plus diverse Mannschaften aus den Staffeln 2 bis 4 ist kaum Platz in der Landesliga. Ganz schwierig wird’s an der Schnittstelle von den Landesverbänden (bis Oberliga) zu den Regionalverbänden. Oder sollen plötzlich 24 Teams in der Regionalliga Nord kicken. Praktikabel ist das große Aufrücken wohl eher auf Kreisebene, wo die Zahl der Mannschaften seit Jahren eh bröckelt.

Fazit: Gerecht, aber sehr schwer umzusetzen.

Die ideale Lösung gibt es also nicht. Es bleibt nur zu hoffen, dass bundesweit eine möglichst einheitliche Lösung gefunden wird, eine Empfehlung des DFB an seine Landesverbände. Bis dahin gilt: 100-prozentig gerecht war Fußball eh noch nie. Und ganz bestimmt gibt es zurzeit doch ein paar deutlich dringlichere Probleme.

Andreas Safft

5 Kommentare

  1. Ein Fall für Erbsenzähler, Zahlenmagier und Spökenkieker. Vielleicht sollte es zugehen wie beim Bibelstechen: Jürgen Stebani, der sich Mitte der 70er Jahre als Kopfballschlachter beim SV Ilmenau manchen dicken Schädel blutig gestoßen hat, würfelt einen beliebigen Spieltag der abgebrochenen Saison und erklärt, nach dem Tabellenstand zu diesem Datum werden Auf- und Abstieg geregelt, sofern der LSK an dem gelosten Wochenende nicht am Sonnabend um 13:00 Uhr auswärts antreten musste. Sonst wird der Glückswurf wiederholt.

    • Hallo Jürgen Stebani, du, der als Spielausschussvorsitzender gefühlt für jede Ballrotation im Norden zuständig bist, sagst, mit jeder Verlängerung der Auszeit wErde der Abbruch dieser Saison wahrscheinlicher? Gilt im Norden nicht, was das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga hat gestern in einer Konferenzschaltung (ab 15.30 Uhr live bei Sky und DAZN) über eine mögliche Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs nach dem 30. April beschlossen hat? Um der Coronavirus-Pandemie Rechnung zu tragen, soll allerdings verhindert werden, dass nach der unfreiwilligen Saisonunterbrechung die Formkurve der Vereine zu schnell wieder nach oben zeigt. Duelle wie Dortmund gegen Schalke und Köln gegen Leverkusen werden laut DFL-Geschäftsführer Christian Seifert daher gänzlich aus dem Spielplan gestrichen, um Derbyfieber erst gar nicht aufkommen zu lassen. Zudem darf zukünftig jeder Spieler während der 90 Minuten maximal nur noch zwei Ballkontakte haben. Bei Zweikämpfen und Rudelbildungen gilt ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Meter. Sollten sich die Mannschaften nicht daran halten, könnten die Maßnahmen durch ein Verbot des One-Touch-Fußballs weiter verschärft werden. Seifert ist sich sicher: „Der Profifußball wird sich durch Corona grundlegend ändern. Statt Mimosen mit unzureichendem Abwehrverhalten werden auf dem Platz wieder Malocher mit Pferdelungen gefragt sein. Vorausgesetzt natürlich, die Transplantationsmedizin macht ebensolche Fortschritte wie die Impfforschung.“

    • Sogar der oberschlesische Orakel-Opa Schowski meldet sich wieder zu Wort:

      https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/politik/2712620-zukunftsforscher-opaschowski-corona-veraendert-uns-fuer-immer

      Die Stunde der Kaffeesatzleser, der Sterndeuter und der Scharlatane ist angebrochen.

      Ich frage mich, ob Nostradamus, Donald Trump und Frollein Barbara nicht schon vor 500 Jahren alles ganz genau vorhergesehen haben.

  2. Mann, Mann, Mann, das wird Holgi hinter seiner warmen Theke in Etelsen (morgen: herzhafter Weißkohleintopf mit ordentlicher Einlage die Portion zu 3,75 Euro) aber ganz schön schwer in Wallung bringen. Die Schlossparkkicker liegen mit neun Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze in der Bezirksliga 3 LG. Auch wenn der TSV Bassen sein Nachholspiel gewinnt, sind es noch sechs Punkte und 27 Tore. Modell 1: „Annullieren der Saison“ geht ja wohl gar nicht! Aufstieg im Mai und LL-Durchmarsch mit OL-Aufstieg vor Gellersen, VFL, Eintracht und Treubund in 2020/2021 waren fest eingeplant. Wat nu? Wird die Fleischerei Spanuth das Dream-Team um Nils Goerdel (Trainer) und Tim Meyer (Co-Trainer) weiter sponsern?

    • Apropos Holgi, was man vor seiner Warmen Theke in Etelsen niemals hört: „Ach, du magst gar keinen Thunfisch? Kein Problem, dann leg ich ihn nur auf meine Seite der Pizza!“, wie es pseudo-rücksichtsvoll aus dem Katzenfuttermaul des Thunfischfressers tönt. Bei Holgi gibt‘s nix aus der Dose. Und schon gar keinen Thunfisch. Ignoriert der Thunfischfresser, dass bereits zwei Milligramm des Ekelkonservenfraßes in der Lage sind, 48 Bleche Pizza zu verseuchten und zudem den Backofen für mindestens 14 Tage komplett unbenutzbar zu machen? Oder ist der tumbe „Thuna“-Freund schlicht nicht in der Lage, Fakten wie diese zu erfassen? Man weiß es nicht, denn Thunfisch ist bekanntlich ein zuverlässiger Quecksilberlieferant. Ein Stoff, der herrlich dumm macht, was die einfältigen Esser dieser primitiven Miefspeise gewiss nicht stört. Nicht wenige von ihnen verschmähen ein feines Lachsfilet oder eine in Butter geschwenkte frische Kutterscholle, aber lieben dafür Thunfisch, „weil der schmeckt ja gar nicht so nach Fisch!“ Richtig, denn er schmeckt nach Whiskas, dies jedenfalls suggerieren die identischen Gerüche beim Öffnen beider Dosen.

      Der Antiheld einer jeden Sushi-Platte schwimmt im Meer herum und ernährt sich von Wasserleichen. Wenn er doch wenigstens etwas mehr Mikroplastik fräße! Sein Geschmack wäre dann zumindest etwas weniger streng. Von Seefahrern wurde der bräsige Beifang jahrhundertelang konsequent zurück über die Reeling geworfen. Weil aber die grenzdebilen Grätentölpel immer enthusiastischer in die Netze sprangen, fingen die Fischer aus Verzweiflung irgendwann an, sie noch an Bord zu konservieren, damit sie sie nicht selbst verzehren müssen. Ab den 1960er-Jahren lagerten Millionen der Büchsen jahrzehntelang in Prepper-Bunkern. Der Protein-Hype, der einen kulinarischen Irrläufer nach dem anderen (u.a. Protein-Bier, Protein-Eis, Erbsen-Pasta) aufs Serviertablett hievt, hat nun den Thunfisch, die Gestank gewordene Unverschämtheit aus dem Meer wieder an die Oberfläche gespült. Und sie wandert nun zusammen mit Spirelli-Nudeln und Dosenmais in die Einkaufskörbe arschblöder Fitness-Freaks. Auf dass sein Gestank sie für immer sozial isolieren möge!

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