Dienstag , 20. Oktober 2020
Max Hopp hat ein starkes Jahr hinter sich. Foto: dpa

„Für ganz oben brauche ich noch ein paar Jährchen“

Tausende verkleidete Zuschauer, die unermütlich singen, bekritzelte Schilder hochhalten und Bier trinken – wer dieser Tage Sport1 im Fernsehen anschaltet, stößt immer wieder auf Darts. Im Londoner Ally Pally, dem Austragungsort der Dart-WM, messen sich „Mighty Mike“, „The Power“, der „Bully Boy“ oder auch „The Flying Scotsman“. Heute steigt das Finale zwischen Titelverteidiger Gary Anderson und Adrian Lewis. Bei der WM dabei war auch der Deutsche Max Hopp, der allerdings schon in Runde 1 passen musste. Dennoch kann Hopp auf ein starkes Jahr 2015 zurückschauen. Der 19-Jährige holte erstmals einen bedeutenden Titel nach Deutschland, wurde Junioren-Weltmeister. Ende November bezwang er im Finale Nathan Aspinall mit 6:5, bewies am Ende große Nervenstärke. Zusammen mit Jyhan Artut  erreichte er zudem beim „World Cup of Darts“  – einer Art Team-WM mit zwei Spielern pro Land – das Viertelfinale. Die LZ interviewte Max Hopp nach seinem WM-Aus.

 

Wie haben Sie die vergangenen zwei Jahre inklusive ihres Titels bei der U21-WM erlebt?
Max Hopp: Insgesamt sehr gut, ich habe mich sportlich weiterentwickelt und bin auf dem richtigen Weg. Der Junioren-WM-Titel war da natürlich die Krönung und mein bisheriges Highlight. Ich versuche jetzt diesen Trend fortzusetzen.

Wie lange dauert es noch, bis ein deutscher Spieler ein Major-Turnier gewinnt ?
Hopp: Schwer zu sagen. Natürlich versuche ich es zu sein, aber für ganz oben brauche ich noch ein paar Jährchen. Beim WM-Spiel gegen Benito van de Pas habe ich zu viele Doppel verhauen. Da muss ich noch routinierter werden, bevor ich an Titel denken kann.

Was würde ein solcher Titel für Deutschland bedeuten. Und wenn sie derjenige wären, der ihn holt: Was würde das für Sie bedeuten?
Hopp: Darts wächst in Deutschland ja schon seit Jahren und es würde mit Sicherheit nochmal einen Schub geben, wenn ein deutscher Spieler ganz vorne mitmischen würde. Ich will selbst noch gar nicht daran denken, was das für mich bedeuten würde. Ich muss versuchen, mich weiter zu verbessern und dann denke ich über sowas nach, wenn es hoffentlich irgendwann so weit ist.

Was sind Ihre persönlichen Ziele für das Jahr 2016?
Hopp: 2016 soll es den nächsten Schritt nach oben gehen. Ich will noch öfter bei den großen TV-Turnieren dabei sein, um gerade da Erfahrung zu sammeln.

Dartsport ist gleich Kneipensport – diese Aussage hört man noch immer von vielen Leuten in Deutschland. Was kann man gegen dieses Image tun?
Hopp: Man sieht jetzt schon, dass es immer professioneller zugeht. Darts-Spieler ist ein Beruf, der viel Zeit beansprucht. Speziell vor einem großen Turnier wie der WM trainieren wir vier, fünf, sechs Stunden täglich. Das hat mit Hobby oder Kneipensport nichts mehr zu tun. Aber gut, manche Leute haben noch solche Vorurteile, aber das wird sich mit der Zeit auch legen, wenn es auch in Zukunft immer professioneller wird.

Das Interview führte Roman Gerth