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2008 stand der LSK letztmals im Finale des NFV-Pokals, verlor gegen Nordhorn. Egal - das Ticket für den DFB-Pokal hatten die Lüneburger zuvor schon gegen Arminia Hannover gelöst.

Der große Murks

Kommentar zum geplanten „Finaltag der Amateure“ 

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, wusste schon Kurt Tucholsky. Gut gemeint mag es ja sein, dass ARD und DFB alle 21 Landespokal-Endspiele am 28. Mai in einer deutschlandweiten Konferenz in den dritten Programmen übertragen. Den „Finaltag der Amateure“ verkauften Sender und Fußball-Verband gar als „die größte Amateurfußball-Konferenz aller Zeiten“. Wie sehr das Bremer Finale jenseits der Weser auf Interesse stoßen wird oder wie stark Baden-Württemberger beim Thüringen-Pokal mitfiebern werden, sei dahingestellt. Fragwürdig ist diese Premiere aber auch aus diversen anderen Gründen:

1. Ende Mai beginnen in aller Regel die Relegationsspiele, für die sich die Teams oft erst kurz vor Saisonende qualifizieren. In Niedersachsen könnte es von den vier Halbfinalisten drei erwischen – Osnabrück (3. Liga), Oldenburg (Regionalliga) und Egestorf (Oberliga). Häufig genug wurden daher die Endspiele kurzfristig verlegt, zumal sich in Niedersachsen wie in anderen großen Verbänden eh beide Finalisten für den DFB-Pokal qualifizieren. Die wirklichen Dramen finden also im Halbfinale statt.

2. Dritt- und Regionalligisten stellen das Gros der Finalteilnehmer, echte Amateurtruppen bleiben in der Regel in den ersten Runden hängen. In vielen Verbänden ist der Kreis der Finalkandidaten überschaubar.

3. Viele der „echten“ Amateure tragen zufälligerweise am 28. Mai auch ihre letzten Spieltage aus, so zum Beispiel die Landesliga und Bezirksliga in Lüneburg. Ob man an der Basis wirklich so erfreut ist über die Pokalpläne des DFB?

Vor allem stellt sich die Sinnfrage. Amateur-Fußball ist kein Fernseh-Fußball, sondern ein Vor-Ort-Erlebnis – das durch die immer umfassendere TV-Präsenz der Profis massiv gefährdet wird. Und außerdem: Könnte nicht irgendjemand mal auf die Idee kommen, dass es allmählich reicht mit der Total-Eventisierung des Fußballs? Es soll ja gerüchteweise noch ein paar andere telegene Sportarten geben.

Andreas Safft