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Mehr, mehr, mehr

Ach ja, unsere Starkicker. Menschen wie du und ich, wenn man mal von ihrem geringfügig höheren Einkommen absieht. Menschen, die Managergehälter einnehmen, sich aber bisweilen benehmen wie die Axt im Wald. Die vergangenen Tage lieferten wieder einige besonders skurrile Beispiele:

Wolfsburgs Nationalspieler Max Kruse lässt erst 75.000 Euro – eine Summe, die das Jahresgehalt der allermeisten Deutschen überschreitet – im Taxi liegen, entreißt dann einer Fotografin das Handy, mit dem sie ihn auf seiner Geburtstagsfeier im öffentlichen Raum abgelichtet hat. Ein tolles Vorbild besonders für die Beschäftigten bei VW, die im Zuge des Abgasskandals um ihren Job bangen müssen.

Werder Bremens Abwehrspieler Papy Djilobodji kommentiert eine vermeintliche Schwalbe seines Mainzer Gegenspielers mit einer Kopf-ab-Geste. „Für mich war das eine Geste, die zeigen sollte, dass er nicht den sterbenden Schwan machen soll“, redet Sportchef Thomas Eichin die Aktion schön. Für Nicht-Bremer war dies einfach nur eine unsäglich geschmacklose Geste.

Brasiliens Superstar Neymar holt sich beim FC Barcelona schon mal gern eine Gelbsperre ab, um per Privatjet in seine Heimat zu einer VIP-Party zu düsen. Ein Verwaltungsgericht in Rio de Janeiro hat jetzt aber entschieden, dass der Stürmer rund 45 Millionen Euro an Steuern nachzahlen soll. Muss der Arme demnächst etwa auf einen Linienflug umsteigen?

Gut, die Fans benehmen sich auch nicht besser. Videos von Anhängern des PSV Eindhoven luden gerade zum Fremdschämen ein. Sie machten sich in Madrid einen Spaß daraus, Bettlern ein paar Cent vor die Füße zu werfen. Oder die Hooligans vom 1. FC Kaiserslautern, die aus Frust über die Niederlage in Düsseldorf den Kölner Hauptbahnhof lahm legten.  Oder, oder, oder.

Der Profifußball befindet sich nicht nur wegen Blatter und Platini in einer Identitätskrise. Und was fällt den Verantwortlichen dazu ein? Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge fällt zurzeit viel ein. Er redet von Setzlisten in der Champions League, trieb Europaliga-Pläne voran und wünscht sich jetzt einen milliardenschweren TV-Vertrag für die Bundesliga. Übersetzt heißt das: Wir brauchen mehr Geld, mehr Geld und mehr Geld.

Wirklich? Gerade die Engländer beweisen doch immer wieder, dass ein Kicker nicht automatisch doppelt so gut wird, wenn man ihm doppelt so viel bezahlt. Milliarden bei Menschen, ob nun Fans oder nicht, einzutreiben, um sie dann immer abgehobener wirkenden Superstars vor die Füße zu werfen – das kann auf Dauer nicht gut gehen. Denn sonst wird irgendwann der Tag kommen, an dem einer der Edelkicker 45 Millionen Euro im Taxi liegen lässt und der Fotografin, die das zufällig mitbekommt, eine Kopf-ab-Geste zeigt. Der Profifußball benötigt alles Mögliche – mehr Geld sollte nicht unbedingt ganz oben auf der Liste stehen.

Andreas Safft