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So schön jubeln wollen bald auch die Lingener Fußballer mit dem Vereinsnamen RB.

Ein bisschen wie Leipzig

Kommentar zur Neugründung des RB Lingen

Das „RB“ im Namen des Bundesliga-Spitzenreiters Leipzig steht nicht etwa für den Clubeigner Red Bull – das wenigstens verbat sich der DFB -, sondern für RasenBallsport. Ein an den Haaren herbeigezogener Vereinsname, der dennoch Schule gemacht hat. 15 Fußballfreunde aus dem Emsland gründeten jetzt den Verein RasenBallsport Lingen. Und das, ohne einen Cent von Red Bull zu bekommen. RB: reichlich bescheuert?

Lingen ist ein klein bisschen, wie es Leipzig vor ein paar Jahren war: Der großen Fußball-Tradition folgte der Absturz. Der TuS pendelte viele Jahre zwischen Oberliga und Landesliga, spielte häufig auch gegen den Lüneburger SK, war einige Zeit auch für seine gute Jugendarbeit bekannt. Doch jetzt folgte dem allzu teuer erkauften Durchmarsch in die Oberliga die Insolvenz und der Gang in die 2. Kreisklasse.

So will Heinrich Essmann, quasi der Mateschitz des Emslands, sein Lebenswerk aber nicht enden lassen. Der Getränkegroßhändler, langjähriger Präsident und Hauptsponsor des TuS, schlug RB als Namen für die Neugründung vor. Nach kurzer Diskussion unterstützten die 15 Gründungsmitglieder den Vorschlag einstimmig – wohl in der Hoffnung, damit Aufmerksamkeit zu provozieren.

Das ist ihnen gelungen, allerdings anders als erhofft. Von Spott bis Entsetzen reichten die Reaktionen vor Ort. „Mit dem Namen RB verbinde ich vor allem eins: Zerstörung von Tradition im Fußball und reiner Kommerz. Gerne, aber ohne mich“, twitterte ein Lingener.

Amateurfußball überlebt, wenn die Vereine einen bewussten Kontrast zu den Profis setzen. Nähe, Authentizität, Sportsgeist statt der abgehobenen Glitzerwelt mit Millionengagen. Lingen äfft mit der Namenswahl RB etwas nach, was zudem gerade an der Basis bei sehr vielen Leuten aus gutem Grund abgelehnt wird: der totale Verkauf des Fußballs.

Bezeichnend dabei ist, dass die Verantwortlichen von RB Lingen jetzt schon Spieler aus höheren Klassen ansprechen. Leipzig marschierte schließlich auch aus der Oberliga bis an die Spitze der Bundesliga. Geschichte wiederholt sich? In diesem Fall nur als Posse.

Andreas Safft