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Ein Abenteuer fürs Leben

Nun gibt’s kein Zurück mehr. 18 Leute machen sich über Pfingsten auf den Weg von Hamburg nach Rotterdam. Acht laufen, vier radeln, der Rest steuert Kleinbusse oder kümmert sich um die Verpflegung. Sie haben im Vorfeld ordentlich Geld für die Roparun-Stiftung zu Gunsten krebskranker Menschen gesammelt – nun steuert das Team Nordpuls (wie gut 330 andere Mannschaften, die sonst fast alle aus den Niederlanden kommen) Rotterdam an. Einer der Staffelläufer bin ich. Das „Abenteuer fürs Leben“ verspricht mir die Roparun-Internetseite. Na, dann bin ich mal gespannt. Solange es meine Verfassung und das Mobilfunknetz hergeben, werde ich mich an dieser Stelle regelmäßig vom Roparun melden.

Montag, 19.00 Uhr, Rotterdam: Wir sind da! Und haben zu viel erlebt, um es mal schnell zu beschreiben. Es war einfach nur zum Heulen schön. Mehr de
Montag, 11.50 Uhr, Leerdam: Wir wechseln mittlerweile schon alle 1000 Meter. Gut für meine Leisten, die doch schon etwas zwicken. Mittlerweile bietet die Strecke aber viel für das Auge. Hier sieht es schon sehr holländisch aus.

 

Montag, 10.05 Uhr, Buren: Letzter Schichtwechsel, alle sind guter Laune – Rotterdam ist nah, und zwei andere Teams sind in Sichtweite.

Montag, 9.30 Uhr, auf der Autobahn: Peinlich. Laut App sind wir auf der Strecke Hamburg – Rotterdam zurzeit Letzter. Wir sind recht spät gestartet und haben den ambitionierten Schnitt doch nicht halten können. Aber erstens kommt es auf die Zeit nicht an, und zweitens kann uns dann keiner überholen.

Montag, 8.30 Uhr, Zutphen: Ich fühle mich, wie meine Startnummer aussieht. Füße, Waden und Oberschenkel schreien nach Pause. Aber eine Schicht nach Rotterdam steht noch an. Ein Wort noch zu Zutphen. Wir kamen nach 1 Uhr an. Die große Party war vorbei, die wenigen Verbliebenen gaben aber alles. Auf den letzten 5 Kilometern standen Teelichter auf der Straße und wiesen uns den Weg. Gänsehaut!

Montag, 2.15 Uhr, Zutphen: Tageswerk geschafft, ein paar Nudeln in den geschundenen Körper gequetscht, und ab in die Heia. Zu viel gesehen und erlebt, um das alles noch zu beschreiben.

Sonntag, 21.30 Uhr, Almelo: Früher war mehr Lametta. In der Ortsmitte werden wir herzlich abgeklatscht, in den Randbezirken von der Dorfjugend eher angegafft. Inzwischen habe ich einen Marathon in 21 Häppchen geschafft. Und der Abend ist längst noch nicht vorbei.



Sonntag, 19.30 Uhr, irgendwo in Drenthe. Anwohner laden uns zu Getränken und Keksen ein. Und wir lassen uns ein bisschen feiern. Noch 16 km bis Almelo, wo der Bär los sein soll.

Sonntag, 18.20 Uhr, irgendwo in Drenthe: Christian gibt Gas, die Sonne scheint, die Stimmung ist bestens. Und die Party geht erst heute Abend richtig los.

Sonntag, 16.40 Uhr, Coevorden: Idylle pur. Hier beginnt gleich unsere zweite Laufschicht. Der erste Hotspot auf meiner Etappe ist die örtliche Kläranlage.

Sonntag, 15.00 Uhr: Was frühstückt man um diese Zeit nach einer viel zu kurzen Nacht? Ich entscheide mich für Nudeln mit Kuchen. Warum sind alle anderen so unverschämt munter und gut drauf? Ich fühle mich wie mein Teeniesohn, wenn der um diese Zeit aus dem Bett geworfen wird.

Sonntag, 10.15 Uhr, Neubörger: Nachtschicht geschafft. Und jetzt weiß ich, dass 12 x 2 km über die Nacht verteilt deutlich anstrengender sind als 24 km am Stück. Wir sind Gast beim SV Neubörger im tiefsten Emsland, haben gefrühstückt und dürfen gleich ein paar Stunden schlafen. Ich träume wahrscheinlich von diesen emsländichen Landschaften:

Sonntag, 5.05 Uhr, Sandkrug : Nicht mehr ganz so nass, etwas heller – wunderbar ist die Landschaft hier, wenn man nur mehr davon erkennen könnte. Aber ich laufe weiter gern. Könnte auch damit zusammenhängen, dass die Mehrheit im Bus gern den Plastikpop auf NDR 2 hört.

 

Sonntag, 2.05 Uhr, kurz hinter Bremen: Die ersten drei Schichten a 2 km liegen hinter mir. Viel Partyvolk an der Weser, jetzt wird es ruhiger und hoffentlich auch bald trockener. Erstaunlich: Noch fühle ich mich munter genug. Fotos gibt es aber erst, wenn die Sonne aufgegangen ist.

Sonnabend, 23.45 Uhr, Lilienthal. Wir stehen im Regen und warten darauf, dass Team A ankommt. Derweil probieren wir schon einmal die lustigen Leuchtwesten an, die wir nachts tragen müssen.

Sonnabend, 22.30 Uhr, Hittfeld: Jetzt ist das Team B komplett. Alle fluchen über das 3:1 von Real und verstauen ihre Klamotten im Kleinbus. Die Spannung steigt.

Sonnabend, 16 Uhr, Lüneburg/Hamburg: Unser Team A startet in diesem Moment in Hamburg, während ich noch Nudeln mampfe und meine Laufklamotten packe. Ich gehöre zum Team B, das gegen Mitternacht in Lilienthal kurz vor Bremen den imaginären Staffelstab übernimmt. Ich muss zwar nur ein Achtel der 560 Kilometer laufen, bin aber bestimmt achtmal so nervös wie sonst vor einem Marathon. Pfingsten habe ich ja schon einige verrückte Sachen gemacht (Zelten bei Dauerregen an der Nordsee, mal spontan einen Kumpel in Würzburg besucht bei 35 Grad und Monsterstaus auf der A7), aber 70 Kilometer in 2-Kilometer-Häppchen verteilt innerhalb von 40 Stunden gehörte bisher noch nicht zu meinen Vergnügungen.

Wie funktioniert der Roparun eigentlich? Kurzversion: Wir haben uns in zwei Teams mit je vier Läufern und zwei Radfahrern aufgeteilt, die jeweils von einem Kleinbus begleitet werden. Die Läufer wechseln sich alle zwei Kilometer ab. Ein Radfahrer ist immer vor dem Läufer, einer hinter ihm – schon allein wegen der Sicherheit, denn der ganze Kurs führt über öffentliche, nicht abgesperrte Straßen. Nach acht Stunden ist jeweils Schichtwechsel. Was zum Beispiel für mich bedeutet, dass ich am Sonntag ab Mitternacht bis 8 Uhr laufe, dann bis 16 Uhr Pause habe (essen, ein bisschen schlafen, mit dem Bus zum nächsten Wechselpunkt fahren) und dann wieder von 16 Uhr bis Mitternacht laufe. Die dritte Schicht führt dann am Montag von 8 bis 16 Uhr bis ins Zentrum von Rotterdam. Wer mehr über die Organisation und den Lauf wissen will, dem empfehle ich meine Langfassung: http://saffti.de/mal-schnell-zu-fuss-nach-rotterdam/

Sonnabend, irgendwann vormittags, Hamburg: Sylvie Meis hat übrigens wieder das erste Team auf die Reise geschickt. Gut drei Viertel der Mannschaften starten allerdings in Paris auf der ursprünglichen Strecke – diese werden wir erst wenige Kilometer vorm Ziel treffen. Hamburg kam erst vor ein paar Jahren dazu, weil es zwischen Paris und Rotterdam schon zu voll wurde. Foto: Stichting Roparun

 

One comment

  1. Was für ein geniales Rennen. Ich glaube da muss ich auch mal mitmachen!