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Korrupt, das sind nicht immer nur die anderen

Kommentar zur Vergabe der Fußball-WM 2006 

War das am Freitag eine Aufregung um die angeblich gekaufte Fußball-WM 2006, um schwarze Kassen! Doch schon am Wochenende langweilte das Thema viele Fußballfans. „Ist doch alles lange her“, erzählten sie, „wir hatten unser schönes Sommermärchen. Die schmieren doch eh alle.“ Dann können wir uns wieder abregen und zur Tagesordnung übergehen.

Nein. So einfach ist das nicht.

Wer sich (zurecht) über Sepp Blatter und die unhaltbaren Zustände in der FIFA aufregt, der muss sich auch fragen, warum der größte Sportverband der Welt, in dem jedes Radiergummi ordnungsgemäß abgerechnet werden muss, plötzlich 6,7 Millionen Euro bezahlt. Und keiner kann erklären, wofür. „Entweder hat die Kontrolle versagt, oder sie sollte versagen“, vermutet Investigativjournalist Hans Leyendecker auf SZ-online. Bananenrepublik DFB.

Wer die WM 2022 in Katar für ein Unding hält, kann nicht weiter naiv vom Sommermärchen 2006 schwärmen. Korrupt, das sind nicht immer nur die anderen…

Korruption ist die Pest des 21. Jahrhunderts. Korruption lässt reihenweise Staaten in Afrika, Asien und Südamerika ausbluten, lähmt Griechenland, verhindert die Entwicklung vieler Balkan-Staaten, stüzt Mörder und Verbrecher. Geschmiert wird selbstredend auch hierzulande. Und in aller Regel bereichern sich Einzelne zu Lasten der Gemeinschaft.

Korruption ist vor allem der Feind der Demokratie. Eine Woche vor der Vergabe der WM 2006 unter anderem mit einer Stimme aus Saudi-Arabien erlaubte die Bundesregierung den Export von 1200 Panzerfäusten im autokratisch geführten Wüstenstaat – Zufall? Die Waffen sollen später im Irak und in Syrien aufgetaucht sein. An der WM 2006 könnte also ebenso Blut kleben wie an der WM 2022 mit all den Arbeitssklaven, die Franz Beckenbauer nie gesehen hat. 

Blatter und seine Kumpanen wenigstens wird allmählich das Handwerk gelegt. Was die Fußballinstitutionen selbst nicht schafften, erledigen nun Staatsanwaltschaften in den USA und der Schweiz. Viele spüren den Abgrund oder haben nichts mehr zu verlieren und reißen andere Funktionäre mit. Platini, vielleicht demnächst Niersbach? Das große Aufräumen hat gerade erst begonnen.

Wer sich für die Vorgeschichte der WM 2006 nicht interessiert, der ist nicht interessiert an einem sauberen Fußball. Wem Werte und Moral egal sind, der darf sich aber nicht darüber wundern, wenn es überall im Fußball nur noch um Macht und Geld geht.

Andreas Safft

4 Kommentare

  1. Zunächst sollten erstmal die Beweise auf dem Tisch liegen, bevor man Rufschädigung betreibt.

  2. Das hat einen schalen Beigeschmack und sollte wahrlich nicht verharmlost werden. Wer mal längere Zeit in Ländern gelebt hat, in denen Korruption gang und gäbe ist, weiß, wie dieses schleichende Gift die gesamte Gesellschaft durchsetzt und alle, die versuchen, mit ehrlichen Mitteln zum Ziel zu kommen, allmählich entmutigt. Da wir das Glück haben, in einer Gesellschaft zu leben, in der man auch ohne Bestechung etwas erreichen kann, sollten wir besonders wachsam bleiben.

  3. Hallo Herr Safft,
    Ihr Artikel ist sehr nett geschrieben. Natürlich ist Korruption ein Grundübel jeglicher Gesellschaft. Wir sollten aber nicht diesen typisch deutschen Fehler machen uns selbst in den Dreck zu ziehen bevor echte Beweise auf dem Tisch liegen. Also nicht solche Pamphlete ohne wirkliche Fakten.
    Ganz liebe grüsse aus Südhessen.

  4. Wofür die 6,7 Millionen Euro letztlich wirklich verwendet wurden, ist sicher noch nicht geklärt. Allerdings gehe ich auch nicht davon aus, dass man für diese Summe eine WM kaufen kann. Andere merkwürdige Geschäfte im Vorfeld der WM-Vergabe sind seit Jahren bekannt, ich empfehle z.B. diesen Artikel:

    http://www.sueddeutsche.de/sport/korruption-bei-der-fifa-wie-deutschland-die-wm-bekam-1.1413203-2