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Verteidiger Lukas Turek verlässt den AEC. Foto: be

Nach der Saison ist vor der Saison

Mit ein bisschen Wehmut und auch Frust blickt Finn Sonntag schon auf die am vergangenen Wochenende angelaufene Verzahnungsrunde zwischen den Eishockey-Regionalligen Nord und Ost. Gerne wäre der Adendorfer EC dabei gewesen, aber diesmal war die Konkurrenz zu stark. Erstmals seit vielen Jahren schaffte der AEC nicht die Qualifikation für die finale Saisonphase.
Nachdem die Ausländerbeschränkung in der Regionalliga auf Antrag des ebenfalls gescheiterten Vorjahresmeisters Bremer Weserstars zu Beginn der Saison gefallen war, rüsteten Vereine wie Salzgitter, Nordhorn und vor allem Aufsteiger EC Sande-Wilhelmshaven mächtig auf.

Wie stark diese Teams geworden sind, zeigt ein Blick auf die ersten Ergebnisse der Verzahnungsrunde. Waren bei ähnlich gelagerten Vergleichen in der Vergangenheit meist die Ost-Teams stärker, zeigt sich nun, zumindest zum Beginn, ein anderes Bild: So schlug Nordhorn FASS Berlin 3:2, Sande deklassierte Niesky 10:1, mit 8:2 triumphierte Salzgitter in Chemnitz. Nur der HSV bekam in Schönheide eine Abreibung (0:11).

„Die Entwicklung, in welchem Maße sich die anderen Teams verstärkt haben, haben wir nicht genau auf dem Schirm gehabt“, räumt AEC-Geschäftsführer Finn Sonntag ein, „andererseits war unser Kader voll. Wir haben das gemacht, was wir machen konnten. Mehr war nicht drin. An diesem Wettrüsten konnten wir nicht teilnehmen, und das werden wir auch in Zukunft nicht tun. Täten wir das, würde uns das finanziell kaputt machen.“

Doch anstatt lange zu hadern, schaut Sonntag lieber nach vorne und versucht schon jetzt, eine erfolgreiche Strategie zu entwickeln, wie der AEC die kommende Saison erfolgreicher gestalten kann. Wichtigste Personalie ist dabei die des Trainers. Das Gespann Waldemar Bartuli und Andrej Gorbenko schaffte zwar den Turnaround auch nicht ganz, stabilisierte aber das Team. Beide würden gern beim AEC weitermachen, auch der Verein ist interessiert. Knackpunkt: das Geld.

„Die beiden gibt es nur im Doppelpack und sie haben uns bislang einen Freundschaftspreis gemacht, um uns in dieser Saison zu helfen“, erklärt Sonntag, „diesmal wären sie teurer. Wir müssen nun sehen, wie wir uns da einigen. Aber wir sind auf einem guten Weg.“ So habe ein Sponsor erneut Bereitschaft signalisiert, in dieser Causa mitzuhelfen.

Was die Kaderplanung angeht, will Sonntag in der kommenden Saison neben Top-Verteidiger Lukas Turek, der bleiben will, noch zwei stärkere Ausländer als zuletzt für die Defensive verpflichten. Die nämlich war das Hauptmanko in dieser Spielzeit. „Wir müssen einfach hinten mehr Stabilität reinkriegen, im Angriff kommen wir schon zurecht“, sagt Sonntag. Und auch da gebe es Planungen, die aber noch im Anfangsstadium seien.

Käme es tatsächlich so, liefe der AEC dann mit drei Ausländern auf. Ein Wert, über den andere Clubs nur müde grinsen. Doch genau diese Ausländerfrage wird die Regionalliga Nord wahrscheinlich demnächst intensiv beschäftigen. Denn es regt sich hier und da wohl auch Unmut über die Personalpolitik des ein oder anderen Clubs.
Rechtlich ist gegen die Aufhebung der EU-Ausländerbeschränkung nichts zu machen. Auf eine freiwillige Selbstbeschränkung zu bauen, erscheint beim Blick auf die Kader zum Beispiel von Sande oder Nordhorn eher naiv.

Was aber möglich ist, ist die Wiedereinführung der U 23-Regel. Diese besagt, dass pro Ausländer (egal ob EU oder nicht) auf dem Spielberichtsbogen jeweils zwei deutsche U 23-Akteure aufgeboten werden müssen. Hätte also ein Team zehn ausländische Spieler auf dem Zettel, müssten 20 junge Akteure dazukommen – wären dann insgesamt 30. Unmöglich, weil auf dem Spielbericht nur Platz für 23 Spieler ist…

Es wäre also eine Möglichkeit, sich verbindlich und ohne gegen gesetzliche Bestimmung zu verstoßen auf einen Modus zu einigen, der mehr Chancengleichheit in der Regionalliga bringt. Dem Vernehmen nach könnte dieser Antrag bei der Mitte April in Hamburg geplanten Ligentagung eingebracht werden. Ob er eine Mehrheit findet, ist offen. „Ich würde dafür stimmen“, sagt Sonntag.
In der kommenden Saison soll es dann acht Teams in der Regionalliga Nord geben. Sicher qualifiziert sind bereits die Crocodiles Hamburg 1 b, außerdem steigt wohl noch der TuS Harsefeld aus der Verbandsliga auf.