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Nur noch ein Schritt bis zum Titel

Derzeit genießt Phil Hungerecker zwei freie Tage – er und seine Teamkameraden von den Adler Mannheim haben sich diese Auszeit redlich verdient. Mit vier Siegen gegen die Kölner Haie hat der Vorrundenmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) souverän die Finalserie erreicht, die am Gründonnerstag in der heimischen SAP Arena beginnt. Ob der Gegner dann München oder Augsburg heißt, ist dem gebürtigen Lüneburger dabei herzlich egal: „Wer im Finale steht, der will es unbedingt gewinnen. Ich bin zu mehr als 100 Prozent motiviert.“

Beim 4:2 in Köln stand Hungerecker sogar in der ersten Reihe der Kurpfälzer neben den ehemaligen NHL-Spielern Luke Adam und Benjamin Smith. Damit war er endgültig wieder mittendrin bei den Adlern, deren Coach Pavel Gross den 24-jährigen Stürmer seit Februar häufig draußen gelassen hatte: „Phil ist ein guter Spieler, er hat Energie, wir müssen mit ihm aber noch an Kleinigkeiten arbeiten, zum Beispiel, dass ein Spiel zwei Tore hat.“ Ein Hinweis, dass der Rückwärtsgang des Rechtsaußen noch ausbaufähig ist.

„Draußen zu sein, war nicht so schön“, räumt Hungerecker ein. Doch er nahm sich die Kritik zu Herzen, arbeitete unverdrossen weiter – und bekam wieder seine Chance nach Verletzungen von Kollegen. „Mehr als die Hälfte der Mannschaft sind Nationalspieler, einige waren sogar in der NHL, da muss man sich erst einmal durchsetzen“, sagt der Mann mit der Nummer 94, der seine ersten Herrenspiele für den Adendorfer EC bestritten hatte.

Fünf Länderspiele hat mittlerweile auch Hungerecker auf dem Buckel, zwei davon bereits unter dem neuen Bundestrainer Toni Söderholm. Am 11. Mai beginnt für das deutsche Team die WM in der Slowakei mit einem Spiel gegen Großbritannien. Klar, dass die Playoff-Halbfinalisten jetzt in der Vorbereitung noch nicht in Söderholms Kader vertreten sein können. „Wenn er anruft, dann würde ich auf alle Fälle nicht nein sagen“, meint Hungerecker – doch erst einmal fokussiert er sich voll aufs DEL-Finale.

Dass sich seine Adler im Playoff-Halbfinale gegen die Haie mit einem Sweep, also ohne eine einzige Niederlage, durchgesetzt haben, will er nicht überbewerten: „Die Spiele waren nicht so einfach. Aber wir haben einen total starken Torwart.“ Nationalkeeper Dennis Endras brachte die Haie auch beim abschließenden 4:2 in Köln wieder einmal zur Verzweiflung.

Auf Phil Hungereckers Spuren wandelt mittlerweile auch sein jüngerer Bruder Leon (21), der bei Phils Ex-Club Kassel Huskies das Tor hütet und jetzt zum besten Goalie der DEL 2 gekürt wurde. „Wir sind uns ähnlich. Wir geben uns beide nie zufrieden“, sagt Phil. Aber auch: „Leon arbeitet vielleicht noch ein bisschen härter an sich. Und er ist mental sehr stark.“

Gut möglich also, dass irgendwann einmal ein Bruderduell in der DEL anstehen könnte. Erst einmal aber steht nur Phil vielleicht vor den erfolgreichsten Wochen seiner Karriere: ein deutscher Eishockey-Meister aus Lüneburg, das wäre doch etwas.