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Tolle Karriere: Der einstige AEC-Spieler Phil Hungerecker ist nun deutscher Meister. Foto: be

„Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“

Der Bart ist ab – und noch nie in seinem Leben hat sich Phil Hungerecker so gern rasiert. Bis zum vergangenen Freitag trug der Lüneburger den „Playoff-Bart“. Das praktizieren viele Eishockey-Spieler und bedeutet: für die Dauer der Playoffs wird sich nicht rasiert. Erst nach dem Ausscheiden, oder eben dem Titelgewinn, wird das Gesicht wieder glatt. Im Fall von Phil Hungerecker war es der Titel. Der 24-Jährige, der das Eishockeyspielen beim Adendorfer EC erlernte, ist mit den Adler Mannheim deutscher Meister.

„Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Jeder, der Eishockey spielt, träumt davon, mal deutscher Meister zu werden. Ich kann das gar nicht richtig in Worte fassen, was emotional in mir los war und ist“, sagt Hungerecker mit ein wenig zeitlicher Distanz zum Triumph.

Dieser manifestierte sich in einer wahren Jubelexplosion am vergangenen Freitag um kurz vor 23 Uhr. Es lief die 15. Minute der Overtime im fünften Finalspiel in der SAP-Arena von Mannheim. Die Adler hatten einen 4:1-Vorsprung aus der Hand gegeben, der EHC München noch zum 4:4 ausgeglichen. Dann nagelte Thomas Larkin den Puck mit einem Schlagschuss-Hammer ins Münchner Tor und die Mannheimer fielen danach in einem wahren Adrenalinrausch übereinander her.

Es war der Treffer zum 5:4 und damit haben die Adler die Best-of-7-Finalserie 4:1 gewonnen. Mittendrin in der Meistertraube: Phil Hungerecker, der in diesem Spiel zwei Assists, in der Partie zuvor in München (4:0) das Tor zum 3:0 beigesteuert hatte. „Es war einfach unglaublich, was da abging“, meinte er.

Was dann folgte, war ein Partymarathon. Am Sonntag folgten dann die Feierlichkeiten in Mannheim. Empfang auf dem Rathausbalkon, Feier auf dem Paradeplatz und Autokorso – das ganze Programm mit Tausenden von Fans. Dass bei solchen Feiern auch die Trophäen mal leiden können, ist spätestens seit dem DFB-Pokalsieg von Schalke 04 im Jahr 2002 bekannt, als der Cup hinterher aussah wie ein krummer Schornstein. Wie damals wurde diesmal der DEL-Meisterpokal beschädigt, ein Henkel wurde in dem Trubel abgerissen. „Na ja, wir haben es schon richtig krachen lassen“, meint Hungerecker schmunzelnd, „aber ich glaube, wir haben es uns verdient, einmal richtig auszurasten.“ Die Reparaturkosten für den Pokal werden die Adler schon verschmerzen können.

Kosten für ein neues Smartphone sind für Hungerecker zwar nicht fällig, aber er sagt: „Mein Handy hat schon ganz schön geglüht in den letzten Tagen.“ Unzählige Glückwunsch-Messages erhielt er, auch und vor allem aus seiner Heimat. „Mir haben ganz viele geschrieben, mit denen ich schon in der Jugend in Adendorf gespielt habe. Vor allem Ando Bierzahn und Vadim Kulabuchov. Vadim hat mir ohnehin während der ganzen Playoff-Phase immer wieder Nachrichten geschrieben“, erzählt Hungerecker.

Geboren ist Phil Hungerecker in Lüneburg, aufgewachsen ist er in Adendorf. Mit vier Jahren kam er zum Eishockey-Sport, durchlief die Nachwuchsteams beim Adendorfer EC. „Mit 16 Jahren stand er erstmals mit unserer ersten Herren auf dem Eis. Das hat ihn natürlich auch geprägt“, sagt AEC-Geschäfsführer Finn Sonntag. Beim AEC ist man stolz auf Hungerecker. „Er ist einer von uns“, sagt Sonntag, „einer, der nie abgehoben und immer bodenständig geblieben ist. Jetzt ist er ganz oben. Wir freuen uns riesig für ihn.“