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Ulrich Morawe im Neetzer Tor bei seinem Abschiedsspiel gegen St. Pauli im Neetzer Jahnstadion. Foto: be

Als Pauli in Neetze auflief

Er sei ein außergewöhnlich guter Torwart gewesen, sagen seine früheren Weggefährten. Von Ende der Siebziger bis Ende der Achtziger Jahre war Ulrich „Ulli“ Morawe die unangefochtene Nummer 1 bei den Fußballern des TuS Neetze. Jetzt ist Morawe im Alter von 62 Jahren verstorben. In einem Nachruf blicken wir am Mittwoch in der LZ auf die Leistungen des ehemaligen Neetzer Torhüters zurück.

Sein Abschiedsspiel im Tor der 1. Herren gab der damals 30-Jährige Morawe am 10. Juli 1988 in einem Freundschaftsspiel gegen den FC St. Pauli. Hier ist der damalige Bericht aus der LZ:

TuS Neetze zog sich gegen St. Pauli gut aus der Affäre

Im ersten Vorbereitungsspiel auf die neue Fußballsaison zog sich Bezirksoberligist TuS Neetze gestern hervorragend aus der Affäre: Gegen Bundesliga-Aufsteiger FC St. Pauli Hamburg mußte sich die Elf von Trainer Jürgen Karges vor ca. 1500 Zuschauern lediglich mit 0:6 (0:4) geschlagen geben, vergab dabei aber mehrere gute Chancen zum Ehrentreffer.

Die Hanseaten, die tags zuvor beim ebenfalls sechstklassigen Tönninger SV in Schleswig-Holstein noch standesgemäß mit 12:0 gewonnen hatten, zeigten sich im gut gefüllten Neetzer Jahnstadion noch nicht bundesligareif. Im Sturm war noch einiger Sand im Getriebe, die Abwehr um den neuen Libero Koczian und Vorstopper Duve wirkte alles andere als souverän und auch beide Torhüter, Thomforde und Ippig, ließen einige Unsicherheiten erkennen.

So hielt der TuS Neetze, der sich mit dreimaligem Training auf diese Partie vorbereitet hatte, vor allem in der zweiten Halbzeit erstaunlich gut mit. Nur in der Anfangsphase zeigten die Mannen um Kapitän Mühe zuviel Respekt vor den großen Namen und lagen schnell mit 0:2 zurück. Beim 0:1 (7.) überraschte Wolter seinen Keeper Ulrich Morawe in seinem Abschiedsspiel mit einem Eigentor per Hinterkopf, das 0:2 erzielte Olck im Nachschuß, nach dem er selbst zuvor den Pfosten getroffen hatte (10.).

Danach tat sich 20 Minuten lang nicht viel, St.Pauli machte zwar Druck, rannte aber zu ideenlos an und machte deutlich, daß Trainer Schulte wohl noch einige Sondereinheiten in Sachen Schußübungen einlegen muß. Was da aufs Tor kam, meisterte entweder Morawe mit Bravour oder verfehlte sein Ziel beträchtlich. Und Spielfluß ließ Neetze mit enormem Einsatz nicht aufkommen.

Erst nach einer halben Stunde wurde es wieder farbiger. Da traf Zander zunächst die Latten-Unterkante, visierte Knäbel — allein vor Morawe — den Pfosten an und vergab der gleiche Spieler gleich darauf völlig freistehend eine Kopfballchance kläglich. Trotz dem erhöhten Golke (36.) und Dahms (38.), die große Lücken in Neetzes Abwehr ausnutzen, noch vor der Pause auf 0:4.

In der 41. Minute machte dann der  mit großem Beifall verabschiedete Morawe zwischen den Pfosten Platz für seinen jungen Nachfolger Roland Rauter und zur Halbzeit blieben sieben weitere Neetzer in der Kabine, während die Hamburger gleich neun Akteure auswechselten. Bei St. Pauli spielten nur Trulsen und Zander durch, beim TuS Tübben, Mühe, Woldt und Dau.

Während bei den Gästen nun scheinbar endgültig die Luft raus war, drehten die Gastgeber nach dem Seitenwechsel auf, gingen auch mutiger in die Offensive, boten den Hamburgern eine offene Feldschlacht und hatten sogar die besseren Torchancen. Doch Dau verzog nach der bis dahin besten Möglichkeit knapp (54.), stattdessen verwandelte Bargfrede einen Eckball direkt zum 0:5 (60.).

Und nachdem Brandts Kopfball nur ans Lattenkreuz geklatscht war und die Gäste auch das an schließende Getümmel im Strafraum schadlos überstanden hatten (63.), war es auf der Gegenseite Neuzugang Ottens, der schon in der 66. Minute den 0:6-Endstand herstellte. Mit diesem Ergebnis begnügte sich der Bundesligist, der in diesen zweiten 45 Minuten stark enttäuschte.

Schade nur, daß Neetzes engagiertes Auftreten nicht wenigstens mit dem Ehrentor belohnt wurde, beste Chancen dafür waren vorhanden. So scheiterte Neuzugang Renz an Schlußmann Ippig (79.), jagte der freistehende Dau das Leder über das Gehäuse (84.). Und der TuS-Torjäger ließ auch die beste Möglichkeit überhaupt aus, als er drei Minuten vor dem Abpfiff allein auf den Keeper zusteuerte, der aber per Fußabwehr klären konnte.

Er sei ein außergewöhnlich guter Torwart gewesen, sagen ehemalige Mitspieler über Ulrich „Ulli“ Morawe. Foto: be