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Derby als Krisentherapie

Beide Teams stehen überraschenderweise auf einem Abstiegsplatz, sodass diesem Derby noch mehr Bedeutung zukommt als durch seine stets vorhandene Brisanz: Denn der Verlierer im Landesliga-Derby zwischen Eintracht Lüneburg und dem MTV Treubund (heute, 19.30 Uhr, Hasenburg) geht ganz schweren Zeiten entgegen, dürfte sich erst einmal länger im Tabellenkeller aufhalten.

Dennoch freut sich besonders SVE-Trainer Michael Krienke auf die Partie: „Das sind doch Spiele, die man sich wünscht. Und da wird sich zeigen, wer Eier hat. Denn die braucht man in einem Derby.“ Er glaubt, dass seine Jungs stabiler sind als die Turner, die in einer größeren Krise stecken als sein Team: „Wir sind stabil, haben in Ahlerstedt die Chance zum Sieg gehabt. Die Mannschaft mit dem stärkeren Willen wird siegen.“

Sein Pendant auf MTV-Seite, Co-Trainer Marc Bunge, backt ganz kleine Brötchen: „Wir haben wohl keine Chance.“ Warum ist das so? „Wir bringen die Leistung nicht auf den Acker, machen abstruse individuelle Fehler und haben vorne zu wenig Durchschlagskraft.“ Das Problem kennt auch Krienke, schossen seine Mannen doch gerade mal mickrige drei Tore in vier Spielen: „Da muss man sich mal fragen dürfen, was machen sie da? Schlafen sie während des Spiels?“ Der Coach lobt etwa Keeper Hopp: „Er hält fantastisch, da kann auch mal was von unserer Offensiv-Abteilung kommen.“

Verbal draufhauen ist nicht die Art von Bunge, der derzeit nur zwölf gesunde Spieler im Kader hat. Kruse, Hattendorf, Elbers und Rix sind im Urlaub, die Verletzten wie Fornfeist und Wulf werden auf keinen Fall spielen können. Dennoch fordert er von seinen übrig gebliebenen Spielern: „Sie wollen alle Landesliga spielen, da müssen sie jetzt auch mal zeigen, dass sie es können.“

Beim klaren 0:4 gegen Heeslingen waren die Rot-Weißen ohne jegliche Chance, dennoch glaubt Krienke nicht, dass sich der MTV noch einmal so schlecht präsentieren wird. „Der MTV hat großes Potenzial in der Mannschaft, die werden schon eine schlagkräftige Truppe auf die Wiese bringen. Olaf Lakämper und Marc Bunge stehen ja nicht das erste Mal an der Linie.“

Bunge erwartet einen hochmotivierten Gegner: „Eintracht hat uns vor einem Jahr gut bearbeitet.“ Immer am Rande des Zulässigen, was der Coach auch mal von seinen Spielern erwartet, die aber meist versuchen, alles spielerisch zu lösen, anstatt mal dazwischen zu hauen. „Das kannst du niemandem antrainieren, das ist Mentalitätssache.“ Bunge selbst wird trotz der großen Personalnot nicht selbst auflaufen, sagt grinsend: „Nein nein, auch Volker Harms spielt nicht.“ Dann schon eher ein paar A-Jugendliche wie Damm oder Cibis. Oder ehemalige Landesliga-Spieler wie Neumann, Losch oder Wardatzky aus der Zweiten? „Unwahrscheinlich“, so Bunge.

Die Frage nach der Personalsituation stellt sich für Krienke nicht, auch wenn ihn die Rückkehr von Staffeldt freut. Er betont aber: „Es spielen die Leute, die die richtige Einstellung für dieses Derby mitbringen.“

Deutlich entspannter ist die Lage bei Aufsteiger SV Ilmenau, der mit sechs Punkten sehr viel besser dasteht als es viele Experten vorhergesagt hatten. So können die Jenßen-Kicker entspannt zum Dritten TSV Etelsen (Stg., 15 Uhr) fahren. Zeitgleich empfängt Elbmarsch den FC Hagen/Uthlede, muss sich nach der ersten Saisonniederlage in Cuxhaven deutlich steigern, um den dritten Saisonsieg einzufahren.