Home / Aktuelles / Gespräche sind in einer Sackgasse
Jürgen Stebani, NFV-Spielausschussvorsitzender, kennt die Probleme der Reform-Bestrebungen. Foto: be

Gespräche sind in einer Sackgasse

„Die Reform vor dem Aus“, titelte am Montag das Sportmagazin kicker. Jeder Meister der Fußball-Regionalligen soll ohne Relegation in die 3. Liga aufsteigen können – so lautete das Ziel, das auf dem DFB-Bundestag vor einem Jahr formuliert worden ist. Die Arbeitsgruppe, die einen Weg zu mehr Gerechtigkeit erarbeiten sollte, sei jetzt aber aufgelöst worden, vermeldete der kicker. „Nach meinem Kenntnisstand ist das falsch“, entgegnet Jürgen Stebani, Vorsitzender des Spielausschusses im Niedersächsischen und Norddeutschen Fußball-Verband.

Stebani hat einen kurzen Draht zum NFV-Präsidenten Günter Distelrath, der in der Arbeitsgruppe sitzt – und daher weiß der Melbecker, dass sich die Gespräche „in einer Sackgasse“ befinden. Problem: Sollte aus den zurzeit fünf Regionalligen jeweils ein Team aufsteigen dürfen, müssten entsprechend aus der 3. Liga jedes Jahr fünf Teams absteigen. Doch das lehnen die Drittligisten natürlich ab – zähneknirschend akzeptierte die Liga gerade erst einen vierten Absteiger für eine Übergangszeit.

Die Alternative: Aus den fünf Regionalligen müssten vier werden – im Gespräch war da zum Beispiel die Auflösung der Nordost-Staffel. Teams aus Sachsen und Thüringen würden dann zusammen mit den Bayern spielen, der Rest in der Regionalliga Nord. Doch auch dafür fand sich keine Mehrheit. Und Stebani hält das auch nicht für sinnvoll. Denn: „Das würde die Probleme allenfalls für die 3. Liga und die Regionalligen lösen, aber in den unteren Ligen neue schaffen.“

Denn wenn eine Staffel wegfällt, müssten ja bundesweit zirka 18 Mannschaften in die Oberligen absteigen. Schon ohne Reform könnte es in der aktuellen Saison haarig werden. Die Oberliga Niedersachsen müsste zurzeit im ungünstigen Fall fünf Absteiger aufnehmen, hätte aber nur einen Aufsteiger sicher – also droht eine 20er-Liga in der kommenden Serie. „Wenn dann der Winter so hart wird wie der letzte, dann droht das Chaos“, befürchtet Stebani.

„Mathematisch sauber“, meint der Spielausschussvorsitzende, sei nur die Teilung der 3. Liga in zwei Staffeln, „das muss man bloß finanzieren können.“ Zum Beispiel über eine Verdopplung der TV-Erlöse, die dann ja auch an doppelt so viele Mannschaften verteilt werden müssten. Alles nicht so leicht umsetzbar – aber zumindest hofft Stebani, dass sich die Verantwortlichen dann doch weiter unterhalten werden.

10 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel. Ich hoffe einfach mal unrealistischerweise, dass sich Stebani mit der zweigeteilten 3. Liga durchsetzen kann. Da bin ich schon immer für gewesen.

    Das mit der 20er OL Niedersachsen sehe ich aber anders. Laut Ausschreibung ist die Maximalstärke 18. Wenn mehr Mannschaften runterkommen, wird die Anzahl der Absteiger erhöht. Im schlimmsten Fall gäbe es dann in dieser Saison 6 Absteiger:

    „2.3.3.
    Wird die Sollzahl in der Oberliga durch vermehrte Absteiger aus der Regionalliga oder durch
    Nichtaufstieg von Mannschaften aus der Oberliga in die Regionalliga überschritten, spielt die
    Oberliga Niedersachsen im darauffolgenden Spieljahr mit Überhang, jedoch maximal mit 18
    Mannschaften. Wird die Zahl von 18 Mannschaften durch weitere Absteiger aus der
    Regionalliga überschritten, so erhöht sich die Zahl der Absteiger aus der Oberliga
    Niedersachsen entsprechend.“

    Quelle: https://www.nfv.de/fileadmin/user_upload/NFV/REDAKTEURE/Recht/Dokumente/Ausschreibungen/Ausschreibung_Oberliga_Niedersachsen_2018-19.pdf

  2. Die einfachste und wohl auch billigste Lösung wäre die Aufstockung der jetzigen dritten Liga auf 21 von mir auch 22 Vereinen bei dann fünf Absteigern. Bei 21 Vereinen hätte immer einer spielfrei von wegen der Rekreation.
    Aber ist wohl zu aufwendig. Dann lieber zwei mal 18 Vereine. Da gäbe es jede Menge Aufsteiger und neue Beute für den Pleitegeier.

  3. Die zweigleisige Dritte Liga hatten wir ja schon einmal – mit sehr mäßigem Erfolg. Ich wäre daher dafür lieber auf 22 Teams aufzustocken!

    • Der mäßige Erfolg führte schließlich zur Zusammenlegung beider Ligen. Hat man wohl schon wieder alles vergessen.

      • Was genau war denn der mäßige Erfolg? Kann mir das jemand erklären?

        • Soweit ich mich erinnere , war es zum einen die bescheidene Zuschauerresonanz und zum anderen, da bin ich mir heute nicht mehr so ganz sicher, die unbefriedigende Situation beim Aufstieg. Es konnten nur die beiden Ersten aufsteigen. Unstimmigkeiten gab es auch bei der regionalen Zuordnung der Vereine. Aber, wiegesagt, ich glaube….

          • Okay, das mit der Zuschauerresonzanz mag sein, obwohl ich mir das ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen kann. Ich persönlich fänd eine zwei geteilte Liga auch von den Mannschaften her interessanter. Lieber als Nordverein gegen Lübeck als gegen Großaspach oder Unterhaching. Und die Vereine im Süden würden das ähnlich sehen.

            Und was den Aufstieg angeht: Der Unterschied zur zweigleisigen 3. Liga ist, dass der 3. noch ne Reli-Chance hat. Da aber dafür auch die Hälfte der Konkurrenten wegfällt, würde ich als Drittligist damit besser leben. Es war vor allem für die Zweitligisten schlechter 😉 .

            Aber an die regionale Zuordnung habe ich tatsächlich nicht gedacht. Da war tatsächlich mal was mit Erfurt, meine ich. Aber das sollte man eigentlich irgendwie regeln können.

  4. Nun wird die Zusammenlegung von Nord, Nordost und Bayern diskutiert. Geht also klar zu lasten der Regionalligavereine. Für den Norden würde das bedeuten, dass maximal 6 Vereine aus der derzeitigen Regionalliga Nord noch in der Klasse bleiben würden, mit entsprechenden Folgen für Oberliga und Landesliga. Und wer kann dann aus dem Norden überhaupt in die Regionalliga aufsteigen? Viel Spaß oder Gute Nacht!

    • Sie rechnen falsch. Es geht bei diesem Vorschlag darum, aus drei Ligen zwei zu machen. Aus derzeit 18+18+18 Klubs müssten dann 36 werden. Es dürften also die ersten zwölf jeder Liga dabei sein.

      Diesem Vorschlag stellt sich aber laut Presse u.a. der Nord-FV entgegen. Die anderen Verbände wohl auch. Es wird deshalb zu keiner sinnvollen Auf-/Abstiegsregelung zwischen 3. Liga und den Regionalligen kommen.

      Man könnte das aber durchaus überdenken. Ob der LSK bis nach Oldenburg fährt oder nach Meck-Pomm bzw. ins nördliche Brandenburg, macht keinen Unterschied (für Oldenburg schon eher).

      • Sie rechnen richtig. Ich wollte aus drei Ligen eine machen. Waren wohl zu viele Erbsen. Kann man nur hoffen, dass die betroffenen Verbände standhaft bleiben. Ob der LSK bei einer Neuaufteilung noch dabei sein wird, wer weiß es?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.