Christian Röhling bewirbt sich für den Chefposten des Fußball-Bezirks Lüneburg. Foto: klingebiel

Röhling will aufsteigen

Lüneburg. Es sind diese besonders undankbaren Jobs im mittleren Management – die Interessen der Basis vertreten, aber auch der Führungsebene gegenüber loyal bleiben. Christian Röhling strebt eben einen solchen Job an, will Vorsitzender des Fußball-Bezirks Lüneburg werden. Und daher hat er mit sofortiger Wirkung sein Amt als Chef des Kreises Heide-Wendland im Niedersächsischen Fußball-Verband niedergelegt.

„Ich bin sehr stolz drauf, dass wir die Fusion geschafft haben“, betont Röhling. Der 53 Jahre alte Boizenburger, ehemaliger Vorsitzender des TuS Hohnstorf, hat den Zusammenschluss der Kreise Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg entscheidend mit vorangetrieben und im Juni 2018 die Leitung des neuen Kreises übernommen.

Eine Bündelung der Kräfte in Zeiten ständig schrumpfender Mitglieder- und Mannschaftszahlen war und ist sein Ziel. Röhling: „Selbst nach der Fusion haben wir noch große Probleme, bei den Alten Herren, der U19 und den Juniorinnen Kreisligen voll zu bekommen.“ Dabei ist Heide-Wendland seit seiner Gründung vor 2018 der Kreis mit den meisten Mitgliedern und Mannschaften – und nach wie vor der einzige Fusionskreis im Bezirk, der sich nicht mehr an die politischen Grenzen hält.

Verbandstag soll am 23. Januar stattfinden

Nun sieht Röhling aber seine Zukunft an der Spitze des Bezirks, die der bisherige Vorsitzende Hans-Günther Kuers (Eldingen) nach insgesamt 35 Jahren Vorstandsarbeit verlassen will. Röhling war bisher Stellvertreter und erwartet keinen Gegenkandidaten. Der Bezirkstag, von August auf November verschoben, muss wegen der angespannten Corona-Lage aber noch einmal verlegt werden, soll nun am 23. Januar 2021 in Verden stattfinden.

Im bisher achtköpfigen Vorstand sitzt auch Jürgen Stebani (Melbeck) als Spielausschussvorsitzender. Vollwertiges Mitglied des Vorstands soll laut Röhling künftig auch der Schriftführer werden – diese Position bekleidet der Lüneburger Paul Vollmer.

Wie wichtig der Bezirk gerade in Krisenzeiten sein kann, verdeutlicht Röhling am Beispiel des vergangenen Wochenendes. Viele Kreise, auch Heide-Wendland, hatten ihren kompletten Spielbetrieb mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen bereits abgesagt. NFV und Bezirk überließen die Entscheidung aber den Vereinen und lösten damit ein mehrtägiges Chaos und viel Kritik aus. Letztlich entschied sich die große Mehrheit der Mannschaften gegen das Spielen. In den beiden Landesliga-Staffeln fand nur noch ein Spiel statt, in den beiden Qualifikationsrunden der Bezirksliga 1 gar keins mehr.

„Ich hätte die Spiele auf Bezirksebene definitiv abgesagt“, so Röhling, der auch von einer „sehr schlimmen Außendarstellung des NFV zu Beginn der Corona-Krise“ spricht. Monatelang wurde über den Abbruch und die Wertung der vergangenen Saison debattiert. Erst hatte die NFV-Führung für den bayerischen Weg einer Unterbrechung der Spielzeit geworben und dann die Saison erst nach Protesten der Basis abgebrochen.

Auf Kreisebene übernimmt Hartmut Jäkel kommissarisch das Amt des 1. Vorsitzenden. Da der Ebstorfer aber erkrankt ist, ist Thomas Behnken (Lüchow) zurzeit Ansprechpartner für die Belange des Kreises. Im Sommer 2021 steht aber in jedem Fall der Kreistag mit Neuwahlen des gesamten Vorstands an. Neben Jäkel und Behnken soll auch Peter Hofmann, ehemaliger Adendorfer Eishockey-Spieler und seit zwei Jahren Vorsitzender des Kreisausschusses für Qualifizierung, Interesse am Amt des Vorsitzenden haben.

Röhling steht zudem dem Kreissportbund Lüneburg vor, ist dort als Vorsitzender bis 2022 gewählt. Dieses Amt möchte er vorerst aber auch behalten: „Da habe ich ein großartiges Team mit mehreren Hauptamtlichen, die mich sehr gut unterstützen.“

Von Andreas Safft

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