Donnerstag , 1. Oktober 2020
Die Umkleiden im Hasenburger Grund werden für 1,1 Millionen Euro saniert. Foto: be

Rote Karte für das künstliche Grün

Abpfiff für alle Kunstrasenplätze in Lüneburg – oder doch nur eine Pause? „In den nächsten zwei Jahren wird in Lü­neburg kein Kunstrasenplatz entstehen“, betonte Oberbürger­meister Ulrich Mädge in der jüngsten Sportausschuss-Sitzung. Gefährdungen für die Ge­sundheit und die Umwelt könn­ten nach aktuellem Forschungs­stand nicht ausgeschlossen wer­den, zudem sei das Recycling ein noch ungelöstes Problem.

Die Empfehlung der Stadtver­waltung lautete daher: Aufschub des Plans eines Kunstrasenplat­zes, bis Systeme auf den Markt kommen, deren Umwelt­ und Ge­sundheitsverträglichkeit zertifiziert ist. Vorbehalte gegen die Streichung äußerten die Aus­schussmitglieder Philipp Meyn (SPD) und Michel Pauly (Linke), nicht aber das beratende Mit­glied Christian Röhling, der als Chef des Kreisfußballverbandes die Interessen der Kicker vertre­ten sollte. „Kunstrasenplätze werden aber nicht das Allheil­mittel sein“, verdeutlichte Röh­ling. „Ich würde es begrüßen, wenn man neue Naturrasenplät­ze bauen würde.“

Ein möglicher Standort ist auch schon ausgeguckt – das Ge­lände Am Wienebütteler Weg, an dem eigentlich ein Kunstrasen­platz neben zwei herkömmlichen Spielflächen unter Regie des MTV Treubund entstehen sollte. „Auch wenn wir eine Mannschaft abmelden mussten, haben wir immer noch 28 im Spielbetrieb. Wir wären sehr froh, wenn wir Naturrasen als Alternative be­kommen könnten“, verdeutlich­te MTV-Präsident Hartmut Deja die Dringlichkeit des Projekts.

Verstärkt geriet der Kunstra­sen in den vergangenen Mona­ten unter Verdacht, für Mikro­plastik-­Emissionen zu sorgen. Zudem bringen alle Arten von Einfüllgranulat Nachteile mit sich: Gummi kann ausge­schwemmt werden und so in die Böden oder ins Wasser gelangen, Sand muss aus der Sahara her­ transportiert werden, Kork ist teuer und verhältnismäßig sel­ten.

Da diverse Kommunen ihre Kunstrasen­-Planungen bereits überdenken, ist Pauly optimis­tisch, „dass bald geeignete Syste­me gefunden sind“, und mochte daher die Mittel für den Bau nicht zurückstellen. Auch Meyn meint, „dass die Lüneburger Ver­eine bessere Trainings-­ und Spielbedingungen brauchen. Wir haben Erwartungen geweckt. Nun müssen wir einen realisti­schen Weg finden.“ Mädges Hoffnung: „Wir warten auf neue Kon­zepte. Wenn die Technik da ist, können wir dieses Vorhaben wei­ter verfolgen.“

Konkreter unterstützt wer­den weitere Bauprojekte des MTV Treubund. Aus dem Bun­desförderprogramm fließt exakt eine Million Euro nach Lüneburg in die Sanierung der Duschen und Umkleiden auf dem Gelän­de Hasenburger Grund, die Stadt schießt weitere 100.000 Euro dazu. Ursprünglich wurden 2,365 Millionen Euro beantragt. „Das Programm war vierfach über­zeichnet“, erklärte Mädge, der auf einen Baubeginn im kom­menden Jahr hofft. Außerdem unterstützt die Kommune den Bau eines Umkleidegebäudes im Sportpark Kreideberg (Gesamt­kosten inklusive Brandschutz­konzept 471.000 Euro).

Für Diskussionen sorgte noch einmal die geplante Erweiterung und Sanierung der Laufbahn auf der Sportanlage Kaltenmoor. „Wir hätten eine Top­-Anlage für fünf Schulen und für einen klei­nen Verein“, sagte Mädge. Ge­plant ist dort für insgesamt 706.000 Euro der Bau einer 400­-Meter­-Anlage mit insgesamt vier Bahnen. Die Stadt müsste 60 Prozent der Kosten tragen, hofft aber noch auf Gelder aus Schul­töpfen. Einige Ausschussmitglie­der hätten sich eine etwas schlankere Lösung vorstellen können, letztlich aber ging das Projekt einstimmig durch.