Sonntag , 25. Oktober 2020
Diese Szene aus einem Spiel zwischen dem LSK und Altona 1946 findet sich auf dem Titel der Chronik.

Ein Denkmal für den Fußball

Die Tage des Fußballkreises Lüneburg scheinen gezählt. Doch während sich die Funktionäre mit ihren Kollegen aus Uelzen und Lüchow-Dannenberg zusammensetzen, um über eine Fusion zu sprechen, haben zwei Männer der Torjagd zwischen Heide und Elbe ein Denkmal gesetzt. „130 Jahre Fußball in Stadt und Landkreis Lüneburg“ heißt das Werk von Erhard Rölcke und Erich Husmeier. Der LSK-Archivar und der Wilschenbruch-Chronist haben schon einige sporthistorische Bücher gemeinsam verfasst. Doch diese Chronik stellt alles in den Schatten.

Zunächst einmal erschlägt einen die Masse des Materials, das auf 530 Seiten mit gut 2000 Abbildungen präsentiert wird. Von historischen Bildern bis zu Tabellen, von Zeitungsausschnitten bis zu Urkunden, von Zeitzeugenberichten bis zu kommentierenden Berichten der Autoren – es ist ein unglaublicher Schatz, den Rölcke und Husmeier da gehoben haben. „Es finden sich Bild- und Textmaterialien von Vereinen wieder, die selbst mancher Verein nicht in seiner Chronik hat und auch bislang nicht wusste, dass sie existieren. Es wird auch über Vereine berichtet, die es heute nicht mehr gibt“, hebt Rölcke hervor.

Spuren aus dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus, der alten Bundesrepublik und der DDR sowie dem wiedervereinigten Deutschland finden sich wieder. 1884 tauchte das Fußballspiel erstmals in einem Programm des Johanneums auf, ein Jahr später kaufte der MTV einen Ball. Doch in Schwung kam die Entwicklung in Lüneburg erst, als 1901 der LFC, Vorläufer des LSK, gegründet wurde. Und in den umliegenden Orten ging es erst nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Spielbetrieb richtig los.

Mehrfach wurde der Fußball in und um Lüneburg umgekrempelt – und das wahrlich nicht nur durch Staffelreformen. Gut 40 Seiten sind der NS-Zeit gewidmet. Die Dokumente über die Gleichschaltung des Sports und die Zerschlagung zum Beispiel der Arbeitervereine sprechen für sich.

Zeiten, in den alle LSK-Mitglieder vom Vereinsführer dazu verpflichtet wurden, bei einer NSDAP-Kundgebung zu erscheinen, und die SV Eintracht auf dem Hermann-Göring-Platz spielte.
Der umfangreiche statistische Teil liest sich wie ein Lexikon des Fußballs mit unfassbar vielen Namen von Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären. Längst aufgelöste Clubs vom Bleckeder SK von 1912 bis zur BSG Traktor Konau werden vor dem Vergessen bewahrt.

Das Werk kann für 22 Euro im Buchhandel, per E-Mail beim NFV-Kreis-Chef Christian Röhling (christianroehling@web.de) oder bei Erhard Rölcke (Tel. 04131/18 61 92, erhard.roelcke@t-online.de) bestellt werden.