Samstag , 31. Oktober 2020

Tief enttäuscht vom LSK

Viele Jahre lang spielten die Fußball-A-Junioren des Lüneburger SK in der Niedersachsenliga. Regelmäßig schafften Talente den Sprung in die Erste. Doch im Juni hat der Regionalligist seinen Nachwuchs kurz vor Meldeschluss zurückgezogen und aufgelöst. Die Trainer Baris Saglam und André Berger sind noch heute sauer darüber, wie der Rückzug vor sich ging. Hier der komplette Wortlaut des Interviews, das auszugsweise in der LZ vom Freitag zu lesen war.

Gut zwei Monate nach dem Ende der Abmeldung der A-Jugend, die ihr trainiert habt, wendet ihr euch noch einmal an die Öffentlichkeit. Warum?

Die öffentliche Darstellung der Abmeldung und die genannten Gründe, die uns auch von anderen Personen zugetragen wurden, stimmen nur sehr bedingt. In den zu lesenden Berichten wird ausnahmslos die Schuld dem bis zum 30.06.2015 nicht ausreichenden Kader zugeschrieben und damit dem Trainerteam die Ursache der Abmeldung angelastet. Das Problem liegt daran, dass dem Verein viele ältere Jahrgänge entweder komplett fehlen oder es fehlt an Qualität. Es ist nahezu unmöglich, jedes Jahr 15-18 gute Spieler zu verpflichten und jedes Jahr ein neues Team aufzubauen. Dies funktioniert vielleicht in der vierten Liga, wo die Spieler reihenweise angeboten werden, aber im Jugendbereich musst Du jeden einzelnen Spieler mühsam überzeugen.

Wie stellt sich die Situation aus Eurer Sicht dar?

Wir hatten bis zum 29.06. einen Kader von 14 Spielern, darunter ein Torhüter. Es wurden ca. 50 Spieler kontaktiert bzw. auf einer Liste zusammengestellt. Leider haben wir sehr viele Absagen von potentiellen, spielstarken Spielern erhalten. Teilweise haben sie sich für höherklassige Vereine entschieden, ein nicht unerheblicher Teil hat uns abgesagt, da ihnen das Gerücht der Nichtmeldung zu Ohren gekommen ist. Es haben uns auch zwei Spieler verlassen, die bereits zugesagt hatten, nachdem sie von dem möglichen Szenario gehört hatten. Leider mussten wir im Nachhinein feststellen, dass dieses Gerücht von oberster Stelle im Verein an unterschiedlichen Stellen in Umlauf gebracht wurde. Hinzu kommt noch, dass hinter dem Rücken vom Trainerteam mit mindestens einer Person über den Trainerposten der U19 für die Saison 2015/16 gesprochen wurde, ein Szenario was sich bereits im Frühjahr 2013 abgespielt hat, als Achim Otte als neuer Trainer und Nachwuchsleiter verpflichtet wurde, ohne dass es Gespräche mit Berger/Baich gab. Unabhängig davon hätten wir zwei weitere Monate Zeit gehabt, um Spieler zu verpflichten, und obwohl uns in einem persönlichen Gespräch am 29.06. die Meldung der Mannschaft sowie die Aufrechterhaltung des Fahrdienstes zugesagt wurden, haben wir nur Stunden später von der Abmeldung der Mannschaft erfahren. Es ist offensichtlich, dass man diese Mannschaft nicht wollte. Die Saison 2013/14 haben wir mit 20 Spielern begonnen, viele davon aus unterklassigen Mannschaften. Am Ende gab es nicht einmal mehr einen etatmäßigen Torwart und trotzdem wurde die Mannschaft nie in Frage gestellt.

Sportlich lief es ja nicht wirklich gut, zudem war die Mannschaft durch die hohen Fahrtkosten die teuerste in der LSK-Vereinsgeschichte. Ist eine Abmeldung unter dem Gesichtspunkt nicht verständlich ?

Finanziell gesehen nachvollziehbar, sportlich gesehen ein Fiasko. Für einen Verein mit sehr beschränkten finanziellen Mitteln wäre es wichtig, aus dem eigenen Nachwuchs Spieler an die Regionalliga-Mannschaft heranzuführen, aber der Vorstand hat sich dagegen entschieden. Der Verein hat sich freiwillig entschieden, dem MTV Treubund und dem VfL Lüneburg die Vormachtsstellung im Jugendbereich zu überlassen. Ob und wann sich dies ändern wird, ist ungewiss. Kein Jugendspieler wird sich einer Kreismannschaft anschließen, wenn er Verbands- oder Regionalliga spielen kann. Unserer Meinung nach darf das schlechte sportliche Abschneiden keinen Grund für eine Abmeldung darstellen, ansonsten hätten wir wahrscheinlich keine konkurrenzfähige Bundesliga mehr. Unter dem Strich hätten wir aus dem Jahrgang mit Ridel Monteiro einen Spieler für die erste Mannschaft herausgebracht. Unserer Meinung nach hätte man mit Max Rosseburg, Othniel Kenou und Seth Beyer mindestens drei weitere Spieler kurzfristig an die erste Mannschaft heranführen können. Es sollten mit den genannten und noch zwei, drei weiteren Spielern Gespräche über deren Verbleib nach Ostern geführt werden, was bis heute nicht geschehen ist. Die Kommunikation von uns wurde mehrfach angeprangert, andersrum gab es aber auch wenig bis keine Rückmeldung. Weder in dem genannten Fall noch zum Beispiel im Falle Jörn Geffert. Obwohl er faktisch der direkte Vorgesetzte von Baris Saglam war, wurde das Trainerteam der U19 nicht informiert, dass er aus dem Verein ausgeschieden ist geschweige denn die Gründe hierfür.

Der LSK soll die A-Junioren, die sich einem neuen Verein angeschlossen haben, mit Sperren belegt haben. Könnt ihr das bestätigen ?

Das stimmt teilweise. Die Spieler haben pauschal eine Sperre bekommen und konnten diese nur durch diverse Gespräche und teilweise Ablösezahlungen auslösen. Natürlich können wir den LSK ein Stück weit verstehen, andererseits wollte man die Spieler des älteren Jahrgangs nicht für die Regionalliga haben. Man hat ihnen teilweise angeboten, in der Kreisliga-Mannschaft zu spielen. Hierfür sind die Jungs allerdings deutlich zu gut, so dass sie sich verständlicherweise anderweitig orientiert haben. Bei den Spielern des jüngeren Jahrgangs stoßen uns die Forderungen allerdings sauer auf. Der Vorstand hat das Team aufgelöst, so dass sie keine spielfähige Jugendmannschaft hatten. Auch ihnen hat der Verein angeboten, sich dem Kreisliga-Team anzuschließen. Für diejenigen, die auf einem höheren Niveau spielen können und für diejenigen, die noch nicht in den Herrenbereich gehen wollen, also keine attraktive Option, und trotzdem wurde zum Teil Ablöse verlangt. Wir können dies u.a. für die Spieler Venancio, Zahn, Gashi, Yalcin und Beyer bestätigen. Andere Spieler, deren Vereine nicht zahlen wollen, sitzen ihre Sperre ab.

Wie sieht eure Zukunft aus, wollt ihr weiter Jugendmannschaften trainieren?

Berger: Das letzte Jahr hat viel Kraft gekostet. Obwohl mir einige Angebote vorlagen, habe ich alle ausgeschlagen und mich entschieden, eine Auszeit zu nehmen. Wann ich wieder einsteige, ist momentan ungewiss, bin aber nicht auf den Jugendbereich fixiert. Mich würde es schon reizen, eine Herrenmannschaft auf Bezirks- oder Landesebene zu betreuen.

Saglam: Ich habe noch einen Vertrag beim LSK. Die Auflösung wird gerade verhandelt, gestaltet sich allerdings sehr schwierig. Ich hatte mehrere lose Kontakte zu Herrenmannschaften, aber aufgrund meiner aktuellen Vertragssituation kann ich hier nicht konkret werden.

Was wünscht ihr dem LSK?

Wir wünschen dem LSK weiterhin zu existieren. Die vielen tollen Fans und ehrenamtlichen Helfer haben es verdient, dass es den Verein weiterhin gibt und sie noch viele tolle Jahre mit ihrem LSK verbringen können. Der Verlust von Wilschenbruch und der zusammengebrochene Leistungsbereich im Jugendfußball sind eine schwere Hypothek.