Samstag , 19. September 2020
Die Regionalliga-Reform könnte auch für den LSK unanangehme Folgen haben. Foto: be

„Man würde das Problem nur verlagern“

Die Auf- und Abstiegsregelung zwischen der 3. Liga und den fünf Staffeln der Fußball-Regionalliga beschäftigt seit vielen Jahren sowohl die Vereine als auch die Fans. Und sie wird immer wieder hart kritisiert. Kern der Kritik: Fünf Regionalliga-Meistern stehen nur vier Aufstiegsplätze zur Verfügung. Denn die 3. Liga wehrte sich bislang mit Macht und Erfolg gegen einen fünften Absteiger.

Jetzt nimmt die Diskussion mit der Empfehlung der vom Deutschen Fußball Bund (DFB) eingesetzten Ad-hoc-Kommission zur Neuregelung des Aufstiegs in die 3. Liga wieder richtig Fahrt auf. Eine Empfehlung, die gravierende Folgen für den gesamten Spielbetrieb unterhalb der 3. Liga hätte – auch für den Lüneburger SK.

Der Ist-Zustand: Die fünf Regionalliga-Staffeln Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern teilen sich vier Aufstiegsplätze. Die Meister der Staffeln West und Südwest haben sicheres Aufstiegsrecht. „Das ist der puren Größe der Fläche geschuldet und auch eine vernünftige Regelung“, sagt Jürgen Stebani aus Melbeck, Spielausschuss-Vorsitzender des niedersächsischen und norddeutschen Fußball-Verbandes sowie seit vielen Jahren bestens in der Vereins- und Verbandsszene vernetzt. Die Staffeln Nord, Nordost und Bayern spielen zwei weitere Aufsteiger aus. Es gibt alternierend einen festen Aufsteiger, die beiden verbliebenen bestreiten Relegationsspiele.

Die Empfehlung der Ad-hoc-Kommission: Ziel ist die Reduzierung der Regionalliga auf vier Staffeln zur Saison 2020/2021. Ein „Gebiet“ bilden die unangetastet bleibenden Ligen West und Südwest, das zweite „Gebiet“ formiert sich aus den Staffeln Nord, Nordost und Bayern. Zur Disposition steht dann offenbar, auch wenn das offiziell über die DFB-Kanäle noch nicht kommuniziert wurde, eine Zerschlagung der Nordost-Liga mit entsprechender Aufteilung auf die Staffeln Nord und Bayern. Dann hieße es ganz simpel: vier Meister, vier Aufsteiger. Aus diversen Berichterstattungen und Statements der letzten Tage musste man fast den Eindruck haben, dass diese Planung schon in Blei gegossen ist. Offiziell abgestimmt werden soll darüber beim DFB-Bundestag Ende September in Frankfurt/Main. Problem also gelöst?

„So weit ist es noch lange nicht“, meint Jürgen Stebani. Der Spielausschuss-Vorsitzende, der für den Spielbetrieb der Regionalliga Nord zuständig ist, steht dieser Empfehlung sehr skeptisch gegenüber. „Man würde das Problem damit nur in die Oberligen und auch noch darunter verlagern.“ Würde die Regionalliga Nordost tatsächlich zerschlagen, gingen die Teams aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt in den Norden, die aus Thüringen und Sachsen müssten von der Bayern-Staffel aufgenommen werden. Aktuell ist das Verhältnis im Nordosten paritätisch: 9:9.

Wie das en detail geregelt werden soll, bliebe abzuwarten. „Fakt ist aber, dass 18 Mannschaften aufgeteilt werden müssten und damit auch 18 Teams nach unten drücken würden“, meint Stebani. Heißt: Sowohl aus der Regionalliga als auch den Ligen darunter wie Oberliga, Landesliga und Bezirksliga gäbe es deutlich mehr Absteiger.

So wäre es nicht auszuschließen, dass dann aus der Regionalliga Nord bis zu neun oder zehn Vereine runter müssten. Für den Lüneburger SK, der spätestens nach dem 2:4 in Oldenburg schon in dieser Saison wieder dick im regulären Abstiegskampf steckt, ist das nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner Stadionpläne eine Horror-Vorstellung.

Ursprünglich waren die fünf Regionalliga-Staffeln 2012 auch mit dem Ziel installiert worden, die Spielbetriebs-Kosten für die einzelnen Vereine, speziell im Norden und Osten, zu senken. „Dieses Modell nun wäre deutlich kostenintensiver. Man muss sich nur das Gebiet Nord und Nordost einmal zusammen anschauen. Das ist fast die Hälfte der Bundesrepublik. Das wären deutlich mehr Fahrtkosten, gegebenenfalls auch Übernachtungen. Außerdem gäbe es mehr Risikospiele“, zählt Stebani auf.

Seine Einschätzung: „Nachdem, was ich an Stimmen und Stimmungen von den Vertretern aus den Ligen Nord, Nordost und Bayern mitbekommen habe, sind sie dann eher dafür, es bei fünf Staffeln zu belassen und in den sauren Apfel zu beißen, nur zwei Aufstiegsplätze zu haben.“ Das wäre sicher nicht im Sinne des DFB. Dessen Präsidium hält sich zwar mit inhaltlichen Bewertungen des auf dem Tisch liegenden Vorschlags noch zurück, Vizepräsident Rainer Koch soll aber zuletzt die Aufsplittung der Regionalliga Nordost als „alternativlos“ bezeichnet haben.

Auf der DFB-Webseite heißt es dazu: „Sollten die Regionalverbände Nord und Nordost sowie der Landesverband Bayern gemeinsam mit den Vereinen zu keiner Aufteilung in zwei Staffeln gelangen, hätten sie dem Bundestag eine genaue Begründung darzulegen, wie stattdessen die beiden Aufsteiger in ihrem Gebiet zu ermitteln sind.“ Es klingt fast wie eine Drohung. Am 19. März treffen sich Vertreter von DFB und den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern in Peißenberg bei Halle.

Eine Lösung des Problems wäre die von Drittligist Energie Cottbus ins Spiel gebrachte Aufstockung der 3. Liga von 20 auf 22 Vereine mit fünf Absteigern und ebenso vielen Aufsteigern aus den Regionalligen. Ein Konstrukt, mit dem sich auch Stebani anfreunden könnte. Doch das wurde von den 19 anderen Drittligisten bereits abgelehnt.