Dienstag , 20. Oktober 2020
Ende 2001 drehte Insolvenzverwalter Dirk Decker den Geldhahn beim LSK zu. Mehr als 17 Jahre später werden ausstehende Gehälter ausgezahlt. Foto: be

Insolvenz doch keine unendliche Geschichte

Als Sven Kathmann das Traineramt beim Lüneburger SK übernahm, wurde er viereinhalb Monate lang noch in D-Mark bezahlt – und dann bis zum Jahresende überhaupt nicht mehr. 2001 hatte der heutige Coach des TSV Gellersen das Amt beim damaligen Fußball-Oberligisten direkt nach dem Regionalliga-Abstieg und der Insolvenz übernommen. Erst jetzt, mehr als 17 Jahre später, freut er sich über die Nachzahlung seines restlichen Gehalts aus jener Saison. „Das passt schon von der Summe“, stellte Kathmann fest. „Meine Frau hat sehr genau Buch geführt.“

Zumindest der Coach also hat sein Geld aus der Insolvenzmasse bekommen, Steuern und Sozialabgaben wurden ebenfalls abgeführt. Einige seiner damaligen Spieler erklärten gegenüber der LZ, dass auch sie im vergangenen Herbst per Post aufgefordert worden sind, ihre Ansprüche anzumelden. Ist damit auch das Ende der Insolvenz des Lüneburger SK e.V. von 1901 in Sicht? Erhard Rölcke, seit vier Monaten Vorsitzender des Vereins, kann dies nicht bestätigen. Denn: „Wir haben keinen Kontakt zum Insolvenzverwalter.“

Rölcke ist erst seit seiner Wahl befugt, beim Amtsgericht die halbjährlichen Berichte von Dirk Decker einzusehen. Rölckes Fazit: „Es hat sich in der gesamten Zeit nichts getan.“ Nach seinem Kenntnisstand wurden die Forderungen der Sparkasse und der drei Hauptgläubiger bereits vor Jahren beglichen. 2013 wurde das ehemalige LSK-Gelände in Wilschenbruch verkauft, im März 2014 fand dort das letzte Spiel statt.

Rölcke und seine Mitstreiter im Vorstand des alten LSK sind bis heute der Meinung, dass ihr Verein beim Verkauf des Geländes übervorteilt worden ist. Das rund 49 000 Quadratmeter umfassende Gebiet rund um die Sportplätze gehörte jeweils zu Teilen dem LSK und der Hansestadt Lüneburg, soll laut Rölcke zu einem Einheitspreis pro Quadratmeter von Decker an den Investor Uwe Gerner verkauft worden sein. Das ärgert den LSK-Chef: „Der städtische Anteil lag im Überschwemmungsgebiet der Ilmenau und ist eindeutig weniger wert.“

Den Kaufvertrag, abgeschlossen zwischen Stadt, Insolvenzanwalt Decker und Investor Gerner, haben Rölcke und seine Mitstreiter immer noch nicht einsehen können. Daher behalten sie sich vor, Strafanzeige gegen alle Beteiligten wegen der ihrer Meinung nach nicht korrekten Ermittlung des Verkaufspreises für das Areal zu stellen. Mit dem Ziel, dass nach dem Ende der Insolvenz vielleicht doch noch ein paar Euro übrig bleiben – für den alten LSK, der sich dann wieder mit dem 2008 gegründeten LSK Hansa vereinigen könnte. „Möglichst unter dem Namen LSK von 1901 ohne den Zusatz Hansa“, betont Rölcke. „Dafür bin ich angetreten, und das möchte ich auch zu Ende führen.“