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Marcel Manke Hvl (r.) und Gerd Lawrenz glauben an eine positive Zukunft den Frauen-Handballs in und um Lüneburg. Foto: t&w

Oberligist würde Lüneburg guttun

Sie stehen auf Platz zwei und vier, dürften beim Thema Aufstieg in diesem Frühjahr ein gehöriges Wörtchen mitreden. Die Landesliga-Handballerinnen des HV Lüneburg und des MTV Embsen haben ein erfolgreiches erstes Halbjahr hinter sich. Können sie dieses Niveau in diesem Jahr halten? Und was passiert in Zukunft? Gibt es hoffnungsvollen Nachwuchs? Die LZ traf die beiden Trainer Marcel Manke und Gerd Lawrenz zum Doppel-Interview.

Wie verlief Ihr Jahr 2017? Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?
Gerd Lawrenz: Wir haben einen Kader von 15 Spielerinnen. Das ist für diese Mannschaft viel. Ich bin jetzt im fünften Jahr Trainer in Embsen. Von denen, die ich damals angetroffen habe, sind noch fünf dabei. Da wir in Embsen leider keinen Nachwuchs haben, musste ich viele Spielerinnen von anderen Vereinen holen. Damals war der Kader nicht Landesliga-tauglich. Nun ist er es. Ich wollte vor der Saison ins obere Drittel, das können wir schaffen.
Marcel Manke: Als ich kurz vor Saisonbeginn anfing, war gar nicht klar, wer spielt. Ich habe mich außerdem gefragt, ob der Verein überhaupt intakt ist, weil es gerade im Vorstand Probleme gab. Doch mir wurde gut zugeredet. Und zum ersten Probetraining waren viel mehr Spielerinnen da, als ich erwartet hatte. In der Saison sind noch drei hinzugekommen, jetzt sind wir 16. Und wir verstärken uns weiter, haben mit Michael Holst einen neuen Torwarttrainer. Mit dem Saisonverlauf bin ich zufrieden. Aber es geht noch mehr.

Gab es richtig schlechte Spiele? Oder richtig gute?
Lawrenz: Das Spiel bei Oldau Ovelgönne war ein Ausrutscher. Gegen Altencelle haben wir es gut gemacht, gegen Garßen Celle noch besser. An die zweite Halbzeit vom Derby erinnere ich mich nicht mehr…
Manke (grinst nur, ohne auf das vom HVL klar gewonnene Derby einzugehen): Wir haben ja nur in Altencelle verloren. Und das wäre nicht nötig gewesen.

Kommen wir zum Ausblick auf das Jahr 2018.
Lawrenz: Wenn wir Platz vier halten würden, wäre das gut. Und mit den gleichen Ergebnissen könnte ich auch leben, bis auf das vom Derby (lacht). Wir müssen die Statik in unserem Spiel noch herausbekommen, müssen mehr Tempo über die erste und zweite Welle spielen, mehr Kreuzungen. Eben einen bisschen moderneren Handball – so wie gegen Garßen Celle.
Manke: Die Mannschaft hat vor der Saison gesagt, dass sie aufsteigen will. Ich hätte nichts dagegen. Der Verein ist da entspannter. Aber ich schätze die Mannschaft für die Oberliga noch nicht stark genug ein. Es wäre sicherlich schön, aber wir sind noch nicht konstant genug. Wir müssen noch viel arbeiten, Absprachen fehlen noch.

Dann überlegt er und fragt in die Runde: Hört sich das alles zu negativ an? Lawrenz verneint, stellt aber fest: Es wäre wichtig, dass ihr aufsteigt.

Braucht Lüneburg eine Oberliga-Mannschaft?
Lawrenz: Vor zehn Jahren haben wir mit der HSG ja noch Regionalliga gespielt. Aus dem Männerbereich kommt auch nichts mehr. Ich würde es begrüßen, wenn der HVL aufsteigt. Auch, damit die jungen Spielerinnen nicht weglaufen. Wir in Embsen leben ja auch von den Lüneburgerinnen, die dann nicht Oberliga spielen wollen.
Manke: Es wäre wichtig, um eine Sogwirkung auf die Jugendmannschaften hinzubekommen. Bei einem Aufstieg hätten wir sicher auch mehr Aufmerksamkeit.

Wie wichtig ist eine gute Jugendarbeit?
Manke: Sie ist absolut notwendig. Wir haben in dieser Saison ja mit der A- und B-Jugend Kooperationen mit Adendorf. Das ist sinnvoll, wenn es zu wenige Spielerinnen gibt. Wir dürfen andere Vereine nicht im Stich lassen. Man sieht es in Ashausen, da läuft fast gar nichts mehr. Jeder Verein braucht eine breite Basis. Jeder Verein muss versuchen, alle Spieler bei der Stange zu halten.
Lawrenz: Guck doch zu uns, wir haben nichts an Nachwuchs in Embsen. Das ist sehr traurig. Alle in und um Lüneburg müssen sich fragen: Was wollen wir? Wenn wir ein Leistungszentrum für die Jugend haben wollen, brauchst du eine Jugendspielgemeinschaft. Damit du als Nahziel ein Team in der Frauen-Oberliga und eins in der Männer-Verbandsliga haben kannst.

In Lüneburg gibt es ein Hallen-Problem. In den Ferien läuft gar nichts. Von einer großen Halle ganz zu schweigen.
Manke: Wir haben in den Ferien jetzt keine Hallenzeiten. Ich habe durch meine Verbindungen in Luhdorf eine Halle bekommen. Man muss aber auch sagen, dass die Stadt bemüht ist.
Lawrenz: Wir kommen immer in unsere Halle rein. Wir bräuchten aber Nachwuchs, um die Halle zu füllen. Das steht und fällt aber mit den handelnden Personen.
Manke: Bei uns sind viele Spielerinnen auch als Jugendtrainer aktiv. Jula trainiert die A-Jugend, Rika die E- und F-Jugend. Bei uns im Verein gibt es super Jugend-Trainer.

Hat die Frauen-WM in Deutschland einen positiven Einfluss auf den Nachwuchs? Viele Lüneburger waren am Finalwochenende in Hamburg.
Manke: Ich glaube nicht, dass die WM eine Auswirkung auf unseren Handball hat.
Lawrenz: Was eher zieht, ist eure Aktion mit dem gemeinsamen Training mit eurer weiblichen D-Jugend. Das habe ich auf Facebook gesehen, tolle Sache.
Manke: Da haben wir viel positive Resonanz bekommen. Die Mädels haben jetzt ihre Vorbilder, lieben etwa Anna-Lena Bert. Jede wollte mit ihr in einem Team spielen. Solche Aktionen kenne ich aber auch aus meiner Heimat. In Kiel gehörte das immer dazu.
Lawrenz: Auch Kooperationen mit Schulen sind wichtig. Aber das lebt von den Lehrern, die das unterstützen. Wir müssen alle nachdenken, was wir tun können.

Was halten Sie von Spielgemeinschaften im Erwachsenenbereich? Wäre eine Fusion Ihrer beiden Mannschaften sinnvoll?
Lawrenz: Auf dem Papier hätten wir dann sicher eine Oberliga- und eine Landesliga-Mannschaft, die jeweils oben mitspielen könnte.
Manke: Da muss man aber die Frage stellen, passt das menschlich? Mögen sich alle?

Kommen wir noch einmal auf die Frauen-WM in Deutschland zurück. Wie empfanden Sie das Niveau?
Lawrenz: Die deutsche Mannschaft hatte bei der Geschwindigkeit ein klares Defizit, auch bei den Risikopässen. Und die Außen der anderen Nationen waren sagenhaft.
Manke: Generell wird in Ländern wie Norwegen wohl individuell besser trainiert, in Kleingruppen, auf die Positionen bezogen.
Lawrenz: Ich setze viel auf den neuen Bundestrainer Henk Groener. Das ist ein richtig Guter. Mit ihm wird es aufwärts gehen.