Montag , 28. September 2020

Alte Besen kehren schlecht

War das also der neue HSV? Nach der letzten Horrorsaison soll bei den Hamburgern alles besser werden, aber das gestrige Pokalspiel in Cottbus war alles andere als ein Mutmacher für die Fans. Wenigstens entging der Bundesligist am Ende der Blamage – viel mehr Positives stand aber nicht unterm Strich.

Der HSV knüpfte nahtlos an seine „Leistungen“ der Vorsaison an: mangelhafter Spielaufbau, Hilflosigkeit gegen einen tief stehenden Gegner, Verunsicherung – und ein Fehler von Torwart Adler zum 0:1 nach gerade mal zehn Minuten. Geht das schon wieder los?, fragten sich die Fans genervt.

Dieser Auftritt hinterließ vor allem eine Erkenntnis: Nur die Neuzugänge können diesen HSV wiederbeleben, die Alteingesessenen können den Hebel offenbar nicht mehr umlegen. Auf den Durchbruch von einst teuer verpflichteten Spielern wie Jiracek und llicevic warten die Fans seit Jahren – es scheint hoffnungslos. Auch Badelj enttäuschte auf ganzer Linie, Ex-Nationalspieler wie Westermann und Jansen sind weit entfernt von ihren besten Tagen. Immerhin: van der Vaart scheint tatsächlich in einer wesentlich besseren Verfassung zu sein. Ein Gewinner der Partie war ansonsten nur der eingewechselte Arslan, der großen Anteil hatte, dass der HSV das Spiel zwischenzeitlich umbog.

Mit einer harten Saisonvorbereitung hat Trainer Slomka zumindest das Grundübel beseitigt: die Fitness-Defizite der Mannschaft. In der Vorbereitung versuchte er, das Umschaltspiel zu forcieren – wie er es einst bei Hannover 96 erfolgreich praktizierte. Aber passt diese Schablone auch auf den HSV-Kader? Zumindest kommen mit Müller und Ostrzolek noch starke Neuzugänge hinzu, die das HSV-Spiel prägen könnten. Angeblich soll zudem die Verpflichtung des 23-jährigen brasilianischen Innenverteidigers Cleber bevorstehen – Reaktion auf die Verletzungen von Rajkovic und Kacar. Fragt sich, warum Eigengewächs Tah keine Chance erhält. Endlich verfügt der HSV mal über ein großes Talent aus dem eigenen Nachwuchs, vertraut aber lieber wieder externen Spielern. Merkwürdig. Zumal die Kaderkosten – anders als geplant – bereits wieder erheblich gestiegen sind.

Wieder mal starten die HSV-Fans also mit gebremster Euphorie in die Saison. Gestern mussten sie noch einmal den alten HSV erleben. Hoffentlich gibt’s bald einen neuen.                                      Frank Lübberstedt