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Die Teilnehmer eines VHS-Integrationskurses zu Gast beim VfL Lüneburg.

VHS-Deutschkurs meets Sportverein

Wie kann man einem Migranten den Begriff „Verein“ erklären? In den Integrationskursen lernen sie eine ganze Menge über Deutschland und das alltägliche Leben. Doch immer wieder, wenn im Deutschkursbuch die Lektion „Vereinsleben und ehrenamtliches Engagement“ drankommt, stoßen die Deutschkursleitenden auf Schwierigkeiten. Es sind nicht nur die Wörter wie Beitrittserklärung und Mitgliedschaftsrechte, die auf Anhieb kaum auszusprechen sind. Es fehlt den Zuwanderern aus vielen Ländern an Wissen und Erfahrungen mit diesem Thema. Fragt man die Kursteilnehmer, ob sie bereits Mitglied in einem Verein sind, so lautet die Antwort fast ausnahmsweise „nein“.

Unterstützung zu dem Thema gibt es beim Kreisportbund Lüneburg (KSB) durch Nurka Casanova, die für „Integration durch Sport“ zuständig ist. Sie hatte die Idee, praktisch das Thema Sportverein begreifbar und erfassbar zu machen.

Am 11. Dezember machte sich ein Integrationskurs von der Volkshochschule Lüneburg auf den Weg zum VfL Lüneburg, beim grauen Wetter und mit einer Liste der Fragen zum Verein. In den Räumlichkeiten des VfL wurde die Gruppe persönlich vom Geschäftsführer des Vereins, Herrn Schulte, herzlich empfangen. Seine informative Präsentation über den Verein brachte die Deutschkursteilnehmenden zum Staunen: 100 Sportangebote von A bis Z, 4000 Mitglieder im Alter vom Baby bis zum stolzen Alter von 96 Jahren. Die Migranten lernten neue Wörter wie Pampersliga, Selbstverteidigung, entzifferten den BBP-Kurs und stellten ihre Fragen. Bei manchen Fragen kam Herr Schulte sogar ins Schwitzen. „Versuchen Sie doch mal die „psychomotorische Bewegungsförderung“ oder die Beitragsordnung einfach und verständlich zu erklären“ schmunzelte er.

Nicht nur die Migranten sondern auch Herr Schulte konnten bei diesem offenen Gespräch etwas Neues lernen. Er war neugierig darauf, welche Sportarten die Teilnehmenden als Kinder in Nepal, Syrien, Russland, Polen, Griechenland u.a. Heimatländern getrieben haben und wie der Sport dort organisiert ist.

Am Ende der Stunde waren auch die Kursteilnehmer mit Schwitzen dran. Sie durften aktiv an einer Sportstunde zur Wirbelsäulengymnastik mit großen Gymnastikbällen teilnehmen. Selbstverständlich haben sie dabei weiter Deutsch gelernt. „Stabilisieren Sie die Wirbelsäule“ rief die Sportkursleiterin. Was ist denn das? fragten die Teilnehmer. „Halten Sie das Gleichgewicht“ bat sie, auf einem Bein stehend. So ein Körperteil haben wir nicht gelernt, grübelten die Teilnehmenden. Zum Glück ließen sich solche Fragen schnell mit Händen und Füssen, Übersetzen und Zeigen klären.

„Dieser Ausflug hat unsere Erwartungen übertroffen. Ich sehe das nicht so oft, dass der ganze Kurs so herzlich lacht und mitmacht, normalerweise ärgern wir – die Dozenten – die Teilnehmenden mit der deutschen Grammatik, mit schweren Texten und Diktaten“, scherzt die Kursleiterin Natalia. Es ist unglaublich wichtig für den Lernprozess aus den Schulräumen rauszukommen und das Gelernte anzuwenden. So ein Ausflug muss übrigens vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erst genehmigt werden.

„Der durch einen Verein organisierte Sport ist etwas noch Unbekanntes und Abstraktes für viele Migranten. Dieses erfassbar zu machen, ist etwas Besonderes. Einen Verein von innen kennen zu lernen und dort einmal mitzumachen, das ist eine ganz neue Erfahrung für sie und auch für den Verein. Mit seinem Programm „Vielfalt bewegt, Sport verbindet“ leistet der KSB Lüneburg einen wichtigen Beitrag zur Integration von Migranten“, ergänzt Frau Casanova.

Text und Foto: Kreissportbund Lüneburg