Freitag , 18. September 2020

Mehr Drama, Baby!

Kommentar zur Meisterrunde der Eishockey-Regionalliga

Sport lebt eigentlich davon, dass man vorher nicht weiß, wie es ausgeht. Von daher haben viele Spiele der Meisterrunde in der Eishockey-Regionalliga nur bedingt etwas mit Sport zu tun. Der Adendorfer EC fiedelte den TuS Harsefeld innerhalb von 48 Stunden mit 20:1 und 17:1 ab, während sich die Weserstars Bremen mit einem 12:0 gegen Altona begnügten – das aber nur, weil die Partie nach 34 Minuten wegen einer Verletzung des Gäste-Goalies abgebrochen wurde. Was für eine Farce! Oder?

Zur Erinnerung: Schwächere Teams wie Harsefeld oder Altona hatten im Sommer darauf bestanden, in der Vorrunde erst einmal unter sich zu bleiben – und die stärkeren stimmten zähneknirschend zu, damit die Liga überhaupt gesichert war. Nun spielen die ersten Drei aus der starken Gruppe A mit den besten drei Teams aus der Gruppe B den Titel aus – ein höchst fragwürdiger Modus angesichts des riesigen Leistungsgefälles. Es wäre ungefähr so, als wenn jetzt der FC Bayern, Dortmund und Hertha zusammen mit den besten Regionalligisten aus Oldenburg, Flensburg und Drochtersen/Assel den deutschen Fußball-Meister ausspielen müssten.

Es läuft alles darauf hinaus, dass der AEC und die Weserstars in ihren Duellen am 26. Februar und 11. März den Meister ausspielen. Bis dahin müssen die Titelkandidaten irgendwie in Form bleiben. Denn jede Trainingseinheit fordert die Cracks mehr als ein Spiel gegen die Freizeittruppen aus Altona oder Harsefeld. Es ist unglaublich schwer, so im Spielrhythmus zu bleiben, die Spannung hoch zu halten und dem Leichtsinn vorzubeugen, wenn einem zweistellige Siege quasi geschenkt werden.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich demnächst ein paar norddeutsche Clubs aus der Oberliga verabschieden wollen oder müssen. Die Harzer Falken, Wedemark, Timmendorf, der HSV und die Crocodiles rangieren dort mit weitem Abstand auf die Profitruppen aus dem Westen, Osten oder Hannover auf zweistelligen Plätzen. Steigen zwei, drei von den mehr oder weniger langjährigen Rivalen des AEC ab, dann lässt sich ganz bestimmt eine deutlich attraktivere Regionalliga organisieren.

Ein 20:1 nehmen die Adendorfer Fans sicher ab und zu gern einmal in Kauf – aber solche ungleichen Duelle dürfen nicht zur Regel werden. Ein Indiz für die gute Entwicklung unter Trainer Dieter Kinzel: In der Vorsaison hatten die Heidschnucken gegen Mannschaften wie Harsefeld häufig genug deutlich mehr Probleme.

Andreas Safft