Montag , 28. September 2020

So geht der Fußball kaputt

Vielleicht war es am vergangenen Wochenende einfach zu heiß, um sich über diese Nachricht aufzuregen. Dabei gibt es allen Grund dazu: Die DFL will ab 2017 pro Saison jeweils fünf Spiele sonntags um 13.30 Uhr und montags um 20.15 Uhr steigen lassen. Das kann Fans der Fußball-Bundesliga nicht gefallen – und den vielen Amateurkickern erst recht nicht.

Laut DFL dienen die neuen Anstoßzeiten der Entlastung der in der Europa League vertretenen Clubs, die im internationalen Wettbewerb jeweils donnerstags ran müssen. Was für eine Heuchelei! Natürlich geht es ums Geld. Englische und demnächst auch spanische Erstligisten sacken ungleich mehr TV-Gelder ein, unter anderem, weil die Spieltage der Premier League und der Primera División fast bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt sind.

Fragt sich nur, ob Geld allein glücklich macht. Gerade in England verdienen sich selbst Durchschnittskicker und ihre Berater eine goldene Nase, ohne dass das Niveau der Liga wirklich gestiegen ist. Finanziert von den Fernsehzuschauern, aber auch von den Leuten, die für einen Stadionbesuch immer tiefer in die Tasche greifen müssen. Bei Chelsea oder ManUnited, Arsenal oder Liverpool tummeln sich längst nur noch Neureiche und Touristen auf den Rängen.

Will die DFL diesen Weg gehen, dann nimmt sie die Zerstörung der deutschen Fußballkultur in Kauf. Dass viele Fans es kaum noch einrichten können, ein Montagsspiel live besuchen zu können, ist halt ihr Problem. Offenbar kann man den Anhängern sehr viel zumuten: Trotz einer weiteren verkorksten Saison und trotz einer chaotischen Vereinspolitik hat der Hamburger SV wieder 27 000 Dauerkarten verkauft. Ein Indiz dafür, dass die Leidensfähigkeit des Fans unbegrenzt ist? Irgendwann könnte die Stimmung aber kippen.

An der Basis ist sie es längst. Wenn zum Beispiel der HSV sonntags kickt, dann spürt das Regionalligist Lüneburger SK bei den Zuschauerzahlen ebenso empfindlich wie die Vereine auf Bezirks- oder Kreisebene. Wer seine Kinder mit nagelneuen Trikots – 80 Euro für ein Synthetik-Leibchen mit einer Halbwertzeit von einer Saison – des FC Bayern oder des BVB versorgt, wird sie kaum neugierig machen auf das Gekicke auf dem Dorfplatz.

Wem Fußball, egal ob in der ersten oder elften Liga am Herzen liegt, wird sich über diese DFL-Pläne spätestens dann aufregen, wenn sein Lieblingsclub zum ersten Mal sonntags um 13.30 Uhr bei der TSG Hoffenheim antreten muss, damit der asiatische Markt ein Livespiel zur Prime Time geliefert bekommt. Dann doch lieber ein ehrlicher Kick auf dem Dorf? Hier wandert das Eintrittsgeld wenigstens zu Leuten, die es wirklich noch nötig haben.

Andreas Safft